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Titelbild des Speichenspiegels. Zu sehen ist ein Tandem mit darunter: Speichenspiegel. Das jährliche Magazin des Tandemclubs Weisse Speiche Hamburg e.V.

Speichenspiegel 2018/2019

Redaktion: Detlev Kahl
Layout (Papierversion, Website und Word/PDF-Dokument): Jan Klijn
Druck und Versand (Papierversion): Ulrike Gös

Anmerkung: Aus Datenschutzgründen weden einige Daten, wie der Geburtstagskalender, an dieser Stelle nicht veröffentlicht. Da wo Text fehlt wird dies explizit erwähnt. Grundsätzlich werden Personen nur mit Vorname und mit der ersten Buchstabe des Nachnamens erwählt. Ausnahmen gelten für einige Personen, die eine öffentliche Aufgabe im Verein haben und der Name sowieso klar ist, sowie für Personen, die explizit angegeben haben, keine Probleme mit einer Veröffentlichung des Namen im Internet zu haben. Bitte wendet Euch für eine komplette Version des Speichenspiegels an die Redaktion.

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

wir konnten uns für das letztjährige Speichenspiegel-Magazin über einen Rekord in Umfang, Themenvielfalt und Autorenzahl freuen. Ich befürchtete damals jedoch, dass auf das fette Speichenspiegeljahr wieder ein sehr mageres folgen könnte, und bat, in den Anstrengungen nicht nachzulassen.

Dann gab es noch einen Rekord, einen Rekordsommer, den wir allerdings nicht uneingeschränkt genießen konnten, denn er galt als Hinweis auf einen unheilvollen Klimawandel. Auf dem Tandem ließ sich diese Hitze allerdings dank eines Selbstbelohnungssystems genießen: Je mehr man in die Pedale trat, um so besser kühlte der Fahrtwind die schweißnasse Haut.

Die Voraussagen für den diesjährigen Sommer und das zukünftige Klima sind weiterhin Spekulation, aber meine Befürchtungen, was Reichhaltigkeit dieses Speichenspiegels angeht, haben sich als unbegründet erwiesen:
Dank einer fleißigen und ideenreichen Vorarbeit von Jan Klijn verfügen wir seit diesem Sommer über einen Fundus von radel-affinen Rätseln unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades, mit denen sich gut halb- und ganzseitige Lücken füllen lassen und die obendrein eine neue Facette im Speichenspiegel eröffnen: die Aktivierung des Lesers. Probiert es aus, wir sind auf Rückmeldungen gespannt.

Wie gewohnt gibt es Tourenberichte, schließlich sind Tandemtouren unser zentrales Vereinsanliegen. Martina F. schildert zwei „normale“ Touren, die natürlich jede ihre Besonderheit hat. Jan stellt uns zwei besondere Tourenarten vor, an denen er mit Anja unter vereinsfremder Regie teilgenommen hat. Aus dem Magazin des DBSV übernehmen wir eine Betrachtung unseres Vereinsmitglieds Barbara H. über die Bedeutung des Tandemfahrens für Sehbehinderte, und kommen dadurch noch einmal in den Genuss eines ihrer wunderbaren Cartoons.

Der Schreiber dieser Zeilen hat im vergangenen Jahr an den Touren der Weißen Speiche nicht teilgenommen, lernte aber durch Suchanfragen verschiedenste Zweiradmodelle kennen, auf denen mehr als einer sitzt und in die Pedale tritt. Er fand seine Funde so kurios, dass er sie in einem Artikel für diesen Speichenspiegel vorstellen möchte.

Alles Gute für die Saison 2019 – Speichen- und Gabelbruch und immer genug Luft-Druck im Schlauch

wünscht euer Speichenspiegelteam Detlev, Jan und Ulrike

Geleitwort des Ersten Vorsitzenden

Liebe Tandemfreunde,

es begann 2014 – man eröffnete uns, dass wir das Grundstück in Pinneberg, Am Hafen, zu räumen hätten. Es währte mehr als drei Jahre bis der Tandemclub WEISSE SPEICHE Hamburg e. V. Eigentümer des Grundstücks wurde. Dieses Ergebnis war nur auf Grund des großen Engagements und der hohen Spendenbereitschaft der Mitglieder möglich.

Nochmals ganz herzlichen Dank dafür!

Nun konnte endlich begonnen werden, die seit langem gehegten Vorstellungen über die Optimierung der Grundstücksbeschaffenheit in die Tat umzusetzen. Insbesondere soll die Bodenbeschaffenheit in der Südwestecke verbessert werden, damit dort z.B. Container aufgestellt werden können. Die erforderlichen Arbeiten kosten zwar einiges Geld, jedoch konnte solch ein „kleiner“ Auftrag zunächst manche Firmen nicht locken, für andere wiederum war die Sache zu groß. Mittlerweile können wir aber diesbezüglich etwas optimistischer in die Zukunft blicken.

EU-DSGVO – Was verbirgt sich dahinter? Es handelt sich um die europäische Datenschutz-Grundverordnung. Man fragt sich, was hat so ein kleiner Verein wie der unsrige mit einem derartigen Geschütz zu tun? Diese Verordnung ist am 25. Mai 2018 in Kraft getreten und hat uns seither viel Kopfzerbrechen gemacht, da auch Vereine davon betroffen sind. Die Einzelheiten sollen hier nicht dargelegt werden – man könnte damit ohne weiteres das gesamte Heft füllen. Ein wenig habt Ihr aber bereits zu spüren bekommen, als Ihr aufgefordert wurdet, eine Einwilligungserklärung abzugeben.

Nun noch ein Wort in eigener Sache. Der Unterzeichner war seit Herbst 1997 1. Vorsitzender der WEISSEN SPEICHE und zuvor etliche Jahre 2. Vorsitzender. Im Frühjahr stehen Neuwahlen an und ich werde den Vorstand verlassen. Aber die WEISSE SPEICHE verlassen werde ich natürlich nicht. Ich wünsche der WEISSEN SPEICHE weiterhin:

vivat   floreat   crescat

Gregor Scheithauer

Eine großzügige Spende

Im November 2018 hat der Friends Cup Förderverein e.V., der sich für soziale Projekte in Hamburg einsetzt, 1.000 Euro an den Tandemclub Weiße Speiche Hamburg e.V. gespendet. Die Summe kam anlässlich eines Hallenfußballspiels zusammen.

Herzlichen Dank dafür!!!

Der Check über 1000 Euro von Team Pink

Der Friends Cup Förderverein e.V. veranstaltet verschiedene Aktionen über das Jahr verteilt, so z.B. die Bedürftigenweihnachtsfeier "Mehr als eine warme Mahlzeit" in der Fischauktionshalle Altona.

Wer sich für Friends Cup interessiert, der kann Näheres im Internet unter www.friendscup.de erfahren.

Hans Hoesen

Worte des Tourenwartes

Liebe Tandemfreunde und Aktive!

Unsere 35. Tandemsaison wird mit der Anradeltour am 06.04.2019 eingeläutet. Wie Ihr aus dem nachfolgenden Tourenplan erkennen könnt, haben wir an den Wochenendtouren eine Änderung vorgenommen.

Die Spannbreite dessen, wie weit unsere Mitglieder im Grunde ihres Radlerherzens gerne fahren, ist ziemlich groß. Und wer eigentlich lieber 40 km fährt, ist berechtigterweise unzufrieden, wenn es dann doppelt so viele Kilometer werden. Ebenso berechtigt ist die Enttäuschung derer, die gerne sportlicher fahren, wenn sie nur 40 oder 50 km fahren dürfen. Damit wir alle auf unsere Kosten kommen, wollen wir die allgemeinen Touren nun von vorneherein in kurze Touren von 40 bis 50 km Länge und lange Touren von 60 bis 80 km Länge aufteilen.

Langer BLeistift
"Lang"

Auch sind wir der Meinung, dass wir sonnabends und an den Sonntagen, an denen nur 40 bis 50 km geradelt werden, gern etwas später starten können. Hier ist tendenziell ein Treffen um 10:00 Uhr vorgesehen. Damit es bei den längeren Touren an Sonntagen, nicht zu spät wird, starten wir hier aber wie gehabt um 09:00 Uhr. Natürlich können die Uhrzeiten auch mal abweichen, z.B. wenn zur Anreise ein bestimmter Zug erreicht werden muss.

Wir würden uns freuen, wenn wir zu diesen kleinen Änderungen eure Zustimmung finden.

Bild eines kurzen Bleistiftes
"Kurz"

Die Mittwochs-Literatouren zur Erholung und die Hunderter-Touren zum Auspowern bleiben im Format wie sie sind.

Ja nun, um alle die vorgenannten Touren durchführen zu können, benötigen wir nicht nur MitfahrerInnen und PilotInnen, sondern auch TourenleiterInnen. Überlegt euch doch einmal wohlwollend, wer von euch sich einer oder sogar mehrerer Touren als Guide annimmt. Ina, Ulrike und ich würden uns sehr freuen, wenn Ihr euch diesbezüglich bei uns meldet.

So verbleibe ich mit sportlichen Grüßen

Euer Tourenwart
Ulli Staniullo

Tourenplan

Den Tourenplan findet ihr unter den Links allgemeine Touren, Mittwochstouren und 100-er Touren. Und es gibt den monatlichen Klönabend.

Von Hamburg nach Schleswig Holstein und zurück— wie eine 60 km Tour auf 40 km schrumpfte

Die Streckenführung ist schnell erzählt. Gestartet wurde vom Parkplatz U-Bahn Ohlstedt und weiter ging es durch den Duvenstedter Brook, nach Tangstedt, Fahrenhorst, Wakendorfer Moor, Nahe, Nienwohlder Moor, Gut Stegen und zurück durch den Duvenstedter Brook bis zur U-Bahnstation Ohlstedt. Doch es würde unserem Tourenleiter Klaus R. nicht gerecht, wenn ich es hierbei belassen würde. Wie gesagt, es wurde durch Moor-, Flüsschen- und Auenlandschaften geradelt, an einem regnerischen, trüben, fast würde ich sagen Novembertag, doch es war erst Mitte April.

Eine weitere Besonderheit gab es rein radtechnisch noch: Bert C., ein Mitglied des ADFC, war mit seinem selbstgebauten Tridem, einem mit Akku ausgestatteten Fahrrad für drei Personen dabei. Es hat zwei Plätze für radelnde Personen und einen Platz für eine inaktive Person. Es war von ihm für seine nicht mehr selbst Fahrrad fahrende, dennoch fahrradbegeisterte Schwiegermutter gebaut worden, die somit bei Fahrradtouren zu dritt dabei sein konnte. Den Platz der „Schwiegermutter“ nahm Jessica ein, die sich als „Königin“ fühlen durfte, da sie heute von zwei Herren chauffiert wurde. Fritz hatte an diesem Tag mein volles Mitgefühl, saß er mit seinen nackten, langen Beinen auf einem für ihn viel zu niedrigen Sitz. Schlussendlich ist ihm wohl doch noch warm geworden, als der Akku gegen Ende der Tour immer weniger Energie lieferte und Fritz das Schwächeln des Motors mit seiner Körperkraft kompensieren und ordentlich in die Pedale treten musste.

Es ging los: Vom Parkplatz U-Bahnhof Ohlstedt fuhren wir durch das Naturschutzgebiet Wohldorfer Wald, kreuzten in Wohldorf das Flüsschen Ammersbek, das wenige hundert Meter weiter in Duvenstedt in die Alster mündet. Dieses Gebiet steht seit 1980 unter Naturschutz und steht naturräumlich im Zusammenhang mit dem Duvenstedter Brook. Teilweise fuhren wir an als Naturwald belassenem Gebiet vorbei, in dem die Buchen und Eichenbäume, die durch Stürme umgeknickt sind, nicht entfernt werden. Dieses Totholz bot teilweise einen bizarren Anblick. Graue Moose und Flechten auf den kaputten Bäumen in den verwirrendsten Formen ließen diese Gebilde in der diesigen Morgenluft gespenstisch aussehen. Kälte kroch in meine Jacke. So hieß es, schnell weiter radeln, um warm zu bleiben.

Parallel zur Alster ging es weiter Richtung Wulksfelde, was wir links liegen ließen, um dann die B432 (Segeberger Chaussee) Richtung Tangstedt zu kreuzen. In Tangstedt bogen wir vor der Kirche rechts ab, um teilweise über sehr holprige Feldwege dann nach Fahrenhorst zu gelangen. Orkantief „Friederike“ hatte im Januar auch hier gewütet. Die Schlaglöcher waren tief oder teilweise mit Bauschutt aufgefüllt, was für unsere Räder nicht gerade der geeignetste Untergrund war. So ließ die erste Panne nicht lange auf sich warten.

Kurz vor Fahrenhorst mussten wir auf Thomas mit dem Anhänger warten, um ein Tandem auszuwechseln. Glück im Unglück! Der Zwangsstopp fand nicht mitten in der Pampa statt, sondern direkt vis-a-vis dem Café „Alsterwiesen“ (www.cafe-alsterwiesen.de). Eine willkommene Pause. Schnell hatten einige in der Gruppe die Gunst der Stunde erkannt. Das Café wurde nach und nach von uns gestürmt. Einige genehmigten sich ein zweites Frühstück, andere versuchten sich am leckeren Kuchenbüffet, wieder andere suchten die Toilette auf oder freuten sich über eine Unterhaltung im Warmen. Chapeau an die Inhaberin Frau Brigitte R., die unseren Ansturm ganz allein mit stoischer Gelassenheit und Freundlichkeit bewältigte. Ein Kompliment hierüber habe ich ihr direkt ausgesprochen. Als Liebhaberin von derartig kleinen Cafés und dazu noch auf dem platten Land, war dies mein ganz persönliches Highlight an diesem Tag. Eine spätere Tour mit Manfred N. am 9. September führte uns erneut hierher, bei schönstem Sonnenschein, so dass wir diesmal den kleinen Vorgarten für unsere Kaffeepause nutzen konnten. Dies steigerte den Genuss ungemein.Nun, die Panne veranlasste Klaus zu einer Korrektur seines Tourenplans. So ging es ein kurzes Stück zurück, dann rechts ab durchs Wakendorfer Moor, die Alster in der Oberalsterniederung kreuzend. In Wakendorf fiel die wohl von der Mehrheit der Teilnehmenden begrüßte Entscheidung, die Tour auf Grund des nasskalten, regnerischen Wetters abzukürzen. So bogen wir rechts in Richtung Nahe ab.

Dort angekommen, machten wir kurz auf dem REWE-Parkplatz zum Mitfahrerwechsel Halt. Ein locker gewordener Lenker verlängerte die Wartezeit, bis wir endlich Nahe in Richtung Gut Stegen (hier gibt es einen Hofladen mit Gutscafè der Alsterdorfer Assistenz Ost) verließen. Diese Strecke verläuft teilweise durch das Naturschutzgebiet Nienwohlder Moor. Aus dem kleinen Dorf Nienwohld stammt der Filmschauspieler und -regisseur Detlev Buck, bekannt z.B. durch den Film „Wir können auch anders...“ mit Joachim Król, Horst Krause und Sophie Rois.

Vor Gut Stegen radelten wir wieder parallel der rechts vom Weg fließenden Oberalster, in die die von links (Nordosten) kommende "Alte Alster" fließt. Beim Herumschweifen meines Blickes in die Landschaft war diese geprägt von dunkler Erde, feuchten Gräben und einem diesigen Horizont; es roch modrig und herbstlich.Auf dieser Strecke musste unbedingt noch eine „Buschpause“ eingelegt werden. Ob von Klaus beabsichtigt oder nicht, diese fand direkt vor einem historischen Ort statt, der Burg Stegen. Auch wenn jene nicht mehr existiert, handelt es sich hier um eine archäologische Fundstelle, die durch Gestrüpp und Buschwerk überwuchert ist und durch ein rotweißes Flatterband abgesperrt war. Vor der schmalen Brücke zur Burg erinnerte eine Informationstafel an die Burg Stegen, die zu Zeiten der Hanse ein wichtiger Knotenpunkt auf der Handelsroute von Hamburg nach Lübeck und Bad Segeberg war.

Weiter ging es entlang des Feldweges, der übersät war mit tiefen oder zugeschotterten Schlaglöchern, die unsere volle Konzentration forderten. Schließlich fuhren wir weiter über Ehlersberg, Rade, kurz am Duvenstedter Brook vorbei. Dann passierten wir die Wohldorfer Mühle mit dem Gasthaus „Zum Bäcker“, der mit goldenen Lettern an der Hauswand ausgewiesen ist. Davor eine mit Kopfsteinen gepflasterte Straße mit großen und kleinen nassen, rutschigen Steinen, eine sehr große Herausforderung für meinen heutigen Piloten Joachim Z.. Und er packte es: Exakt im 90 Grad Winkel schnitt er die abgesenkte Bordsteinkante und bugsierte uns auf den asphaltierten Bürgersteig. Auch das bedarf Übung über die Jahre für die Pilot*innen, um möglichst unfallfrei zu fahren.

Bevor wir zurück zum Start/Ziel Ohlstedt kamen, wurde mitten im Wohldorfer Wald eine allerletzte Pause zur Abnahme der Fehlermeldung bezüglich der heutigen Tandems gemacht. Joachim und ich waren so ziemlich die letzten, die sich auf ihr Tandem setzten, doch es tat sich nichts, wir kamen nicht voran. Zuerst dachte ich die Gangschaltung würde nicht funktionieren, dann bat ich Joachim doch etwas zu tun. Der fand nicht gleich die Ursache, Hilfesuchend schaute ich mich um und blickte in das grinsende Gesicht von Hans Hoesen, der als Besentandem-Pilot auf unseren Start wartete aber nichts sagte. Schließlich schaute ich auf unser Rad hinunter und stellte fest, dass es noch aufgebockt war. Nach ungefähr 15-jähriger Vereinszugehörigkeit wollte ich zur Abwechslung mal „aufgebockt“ starten. Durch mein schallendes Lachen wurde auch Joachim auf den Fauxpas aufmerksam und fiel in das Lachen ein. Ich konnte gar nicht aufhören, die ganze Situation lief immer wieder in Bildern vor meinem inneren Auge ab. Es war einfach zu komisch.Auf dem Parkplatz angekommen, wurde sich bei Klaus mit gebührendem Applaus für diese sehr heikle, witterungsbedingt unkomfortable und dennoch schmackhafte, heitere sowie heil überstandene Tour bedankt. Dann hatten es einige sehr eilig die nächste U-Bahn zu erreichen, um nicht mit einer Wartezeit von 20 Min. auf die darauffolgende „bestraft“ zu werden. Andere gingen gemütlich zur U-Bahnstation und legten noch einen Zwischenstopp beim „Eisbären“ ein, für ein Eis auf die Hand, um dieses dann in einem bereitgestellten warmen U-Bahn-Waggon zu genießen. Da hatten schließlich andere das Nachsehen.

Um die 20 km, die nicht gefahren worden sind, die jedoch Klaus R. bei seiner Vorbereitung abgeradelt ist, zu würdigen, kommt hier die Auflösung:

Die ungekürzte Tour sollte über Wilstedt, Togenkamp, Hohenhordt, Horst, die Alster in der Oberalsterniederung querend, weiter über Götzberg, Stegelkamp, durch den Forst Endern, Kisdorfer Wohld, Hüttblek, Sievershütten und vor Oering rechtsabbiegend wieder in Nahe auf die von uns gefahrene Strecke treffen. So wären wir anstatt der zurückgelegten 40 auf ca. 60 Km gekommen.

14.04.2018 von Martina F.

Cartoon

Dieser Cartoon war wohl Teil eines Wettbewerbs. Die drei prämierten Unterschriften zum Bild:

  1. Du warst mit einer Trennung auf Probe einverstanden
  2. Ich vermute, dass ich deine lange Fahrradtour falsch verstanden habe
  3. Es war grün als ich über die Ampel fuhr
Das Bild zeigt ein extrem langes, fahrendes Tandem. Vorne sitzt ein Mann, hinten sitzt eine Frau, aber extrem weit auseinander und haben beide ein Mobiltelefon am Ohr.

Rätsel

Beim Abradeln kam es zur folgenden Situation:

Wenn eine einzelne Sattelquatsche in die Boggeln hitzert, schnutzert sich der Träterig, und die vermüggelten Sattelquatschen tächeln ob des in-die-Boggeln-Hitzerns.

Welche Aussage ist wahr?

  1. Der Träterig schnutzert sich, wenn Sattelquatschen tächeln.
  2. Die vermüggelten Sattelquatschen tächeln oder hitzern nicht, wenn der Träterig in die Boggeln schnurtzert.
  3. Die einzelne Sattelquatsche schnurtzert sich, wenn die vermüggelten Sattelquatschen hitzern.

Zur Lösung.

Die Geburtstage

Die Geburtstagsliste können wir aus Datenschutzgründen auf der Website leider nicht veröffentlichen. Vereinsmitglieder können die Word Version oder die PDF-Version beantragen.

Tandempferde

Beim Abradeln am 20. Oktober ließ Tourenleiter Joachim uns bei einer Pferdekoppel die letzte Pause machen. Auf der Wiese standen sehr unterschiedliche, aber schöne Pferde. Da kam Kirsten auf die Idee, unsere Tandems zur Seite zu stellen und die Tour zu Pferd zu verfolgen. Ich habe ihre Idee sofort abgeschmettert mit der Begründung, dass ein Pferd sofort der Rücken brechen würde, wenn es zwei Leute tragen müsste.

Das Foto zeigt eine Wiese mit Pferden.
Diese Pferde konnten wir in der Pause beobachten.
Zeichnung des Pferdes Hanghors aus dem Kinderbuch. Es ist extrem lang. Man muss sich das so vorstellen, dass es man ein normales Pferd hat, es mittig durchsägt, und zwischen drin ein sehr langes Mittelstück einfügt. Dadurch sieht es ähnlich aus wie ein Dackel, aber dann in der Mitte noch viel länger. Vorne beim Kopf sitzt der Major, hinten der Adjutant. Die Mitte des Pferdes ist leer.

Später kam in meinem Kopf die Wende. Warum eigentlich nicht? Zu Hause habe ich ein Kinderbuch. Darin kommen ein Major und ein Adjutant vor, die zusammen ein Tandempferd reiten. Es heißt Langhors, siehe Bild auf der nächsten Seite. Also Kirsten, bitte für die Tandemsaison 2019 vierzig Tandempferde besorgen, bitte auch welche mit niedrigem Aufstieg (Pony) und einige sportlicher Natur, zum Beispiel englische Vollblut-Pferde. Der Vorstand muss dann lediglich ein Stückchen Grund dazu kaufen, auf dem die Tiere weiden können. Gerätewart Hans kann sich während des Winters schon mal zum Hufschmied umschulen lassen und Thomas leiht zukünftig einen Pferde-Transporter. Ich freue mich schon aufs Anreiten am 6. April 2019!

Jan

Zeichnung des Pferdes Hanghors. Diesmal sitzen viel mehr Leute drauf. Vorne der Major, dann folgen sechs Jungs (letzter mit Trompete), schließlich ein Mädchen. Das Pferd hat jetzt in der Mitte Stützräder untergebunden.
Das Pferd Langhors . Quelle: „Pluk van de Petteflet“ van Annie M.G. Schmidt.

Nachruf

Der Nachruf wird aus Datenschutzgründen nicht in die Online Version übernommen. Für Mitglieder und Piloten unseres Vereins gibt es die Papierversion sowie eine Word- und PDF-Version des Speichenspiegels.

Wortsuchrätsel mit Knick

Sucht die acht vorgegebene Wörter unten im Gitter. Interessant dabei ist, dass die Wörter/Buchstabenfolgen nach oben, unten oder seitlich abknicken können (auch öfter). Jede Buchstabe im Gitter wird nur ein Mal verwendet. Die übrig gebliebenen Buchstaben formen wieder ein Wort. Welches?

Tabelle mit Buchstaben, zehn mal zehn Stück. Für Blinde vermutlich sowieso nicht schön zu rätseln und schwierig als Tabelle darzustellen im Internet.

Und diese Worte musst ihr suchen:

  • Platten
  • Renntandem
  • Literatour (Puzzle entstand vor der Umbenennung in Mittwochstour)
  • Stiftungsfest
  • Speichenspiegel
  • Schlauch
  • Laufrad
  • Tandemclub

Zur Lösung.

Merkwürdige Multidems

Zweiräder mit mehreren Sätteln – inline oder Seite an Seite

Im Juni letzten Jahres bekam ich eine Mail über die Speichenspiegeladresse in meine private Mail, deren Domain-Bezeichnung, der Name des Absenders und letztlich auch der Inhalt stutzig machte und mich einen Augenblick lang an eine Fun Mail denken ließ. Man kann in der Trumpel-Ära der Fake News nicht skeptisch genug sein. Der Name (den wir hier aus Datenschutzgründen durch ein Pseudonym ersetzen wollen) setzte sich zusammen aus einem Macht und Eroberungswillen assoziierenden Vornamen und einem Nachnamen, der im Niederdeutschen die Verkleinerungsform eines ohnehin schon kleinen Nagers bildet – nennen wir ihn also verschlüsselt zum Beispiel Herkules Hörnchen. Herr Hörnchen bat um Auskunft, wo man ein Nebeneinandem für die Werbe/Goodwilltour eines privaten Fernsehsenders anmieten könnte. Auch dieser Ausdruck kamen mir in meiner Ignoranz möglicher Tandem-Typen etwas funky und fäkisch, wahrscheinlich erfunden, vor. Der Domain-Name nachtblau-tv schien meinen Eindruck zu bestätigen: Die Macher dieser Fernsehproduktion gaben sich nicht mit ein paar Zehntel-Promille für einen Schwips zufrieden, die waren im Alk-Rausch, blauer als blau: nachtblau, sternhagelvoll, sozusagen:

Sehr geehrter Herr Kahl,

auch in diesem Jahr wird wieder unsere große RTL Nord Sommertour quer durch Schleswig-Holstein stattfinden. Im vergangenen Jahr haben wir uns bereits mit einem Tandem auf die Reise gemacht. In diesem Jahr planen wir, mit einem sogenannten Nebeneinandem, also einem Tandem, bei dem zwei Personen nebeneinander sitzen, durch das Land zu fahren. Kennen Sie solche Geräte und wissen Sie, wo wir eines für unsere Tour hier im Norden herbekommen könnten? ...

Aber ich wollte Herrn Hörnchen und - auch mir - eine Chance geben und suchte nach bei Wikipedia, vertrauend auf die Weisheit der Vielen. Und siehe da, die kennen ein Nebeneinandem und haben sogar ein Foto dazu, das wir hier bei genauer Angabe der Quelle abdrucken dürfen:

Schwarz-Weiß Foto aus der 1930-er Jahren. Es zeigt ein Fahrrad mit der Länge eines Einzelrades. Links und rechts vom Rahmen sitzen Leute, und zwar rechts ein Mann, links eine Frau.
Quelle: Wikipedia, s.v. „Nebeneinandem“, Stand 19-1-2019. Fotoquelle: Von State Library of New South Wales from Australia - Man and woman on a Malvern Star abreast tandem bicycle, c. 1930s, by Sam HoodUploaded by oaktree_b, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=17965242

Ein Nebeneinandem (auch: Buddy Bike oder Compagnionfahrrad) ist ein muskelgetriebenes Fahrrad, auf dem mehrere Personen (meist zwei) nebeneinander fahren können. Der Name leitet sich vom „Nebeneinander-Tandem“ ab.

Das Nebeneinandem eignet sich auch gut für behinderte Radfahrer, die auf die Hilfe anderer angewiesen sind und kein gewöhnliches Tandem fahren wollen oder können. Beliebt ist das Nebeneinandem bei Radlern, die sich gerne während der Fahrt unterhalten.

Im Netz findet sich auch eine Bauanleitung, wie ein geschickter Bastler ein Normalo-Fahrrad zu einem Nebeneinandem umbauen kann:
https://www.instructables.com/id/Side-by-Side-Bicycle/

Kaum war ich unsicher in meiner Fake-Vermutung geworden, da kamen Mails von unseren Vereins-Experten, die dem Herrn Hörnchen von nachtblau.tv Tipps für eine erfolgreiche Suche gaben. Ich erfuhr, dass die Weiße Speiche wohl mal zwei derartige Buddy-Bikes besaß, sie aber wegen mangelnder Beliebtheit bei den Mitgliedern verkauft hat. Eines sei kürzlich in der Fahrradverleih – Station des Bahnhofs Münster gesichtet worden. Somit wäre ja auch die Ausleihe für die RTL-Sommertour kein Problem. Ich bin gespannt, ob wir von der Suche und sommerlicher Tour im nächsten Jahrbuch berichten können.

Ich könnte den Beitrag hier abgerundet beenden, aber ich möchte die Gelegenheit nutzen, den geneigten Lesern und Betrachtern zwei weitere –individuelle merkwürdige Multidems vorzustellen.

In einem Gymnastikkurs für Senioren (geschätzter Altersdurchschnitt 75 Jahre), in dem zur Stärkung der Rückenmuskulatur die Beine Radelbewegungen in der Luft („Kerzen-haltung“) ausführen, erzählte einer der etwas jüngeren Teilnehmer stolz von seinem selbst zusammengebauten Tridem mit 16-Zoll Rädern. Er hat mir ein Polaroid-Foto mitgebracht, das ich unserer Leserschaft nicht vorenthalten möchte.

Tridem, über das oben geschrieben ist. Schwarz-weiß Foto.
Das Polaroid-Foto mit dem Tridem.

Wenn man sich die Satteleinstellung der beiden hinteren Fahrer ansieht, kann man sich gut die Zielgruppe für diese Konstruktion vorstellen: Ein Erwachsener mit zwei noch kleinen Kindern, womit auch der Zweck der kleinen Radgröße sofort einleuchtet. Herr H. Brandau, Autor des Fotos, und Konstrukteur des abgebildeten Tridems, erzählte mir auch, dass er aus zwei Moped-Rahmen noch ein Tandem zusammengeschweißt habe, denn auch das dritte Kind sollte mit auf die Familien-Touren. Das Mopedtandem sei aber so schwer gewesen, dass man es kaum noch tragen oder verladen konnte.

Nach einem Tridem kommt als nächstes ein Quadrodem. Diese Kuriosität hängt in unserer Fahrradhalle. Zu besonderen Gelegenheiten wird es auch einmal heruntergeholt und gefahren. Als Beweis und Anschauung möge ein Foto von unserer Homepage dienen:

Das Quadrodem aus unserem Verein.
Unser Quadrodem. Von vorne nach hinten auf dem Rad: Conny, Ulli, Oggy und Magret.

Höhere Sitzzahlen, ab Cinquedems, finden sich z.B. in diesem Jahrbuch im Beitrag von Jan Klijn Tal total. Noch eine Erinnerung: Jan hat uns auch im letzten Speichenspiegel 2017/18 zwei weitere Supermultidems aus dem Netz gefischt und abgebildet: ein Octodem und ein Decidem, mit acht, bzw. zehn Sitzen und Pedalpaaren für zwei Speichenräder.

Kommen wir von der Multidem-Rekordjagd zur bescheidenen Purchase of Happyness auf zwei Rädern und Sätteln, aber mit multiplen Glücksbringern:
Mit der folgenden neckischen Zeichnung ihrer englischen Brieffreundin wünscht uns unsere Vereinskameradin Kirsten W. „Viel Glück im neuen Jahr“. Die beiden Sottjes transportieren Schwein für uns, werfen Glückskleeblätter und Goldstücke wie Kamelle hinter sich in den Schnee. Wir müssen unser Glück nur aufsammeln. Na denn, auf ein gutes Neues!
 
Detlev Kahl

Schwarz-weiß Karte von Kirsten W.. Zwei Schornsteinfeher auf einem Tandem. Hund im Korb vorne, Leiter haben die beide gemeinsam auf die linke Schulter. hinten ein Korb mit Weihnachtsbaum. Der hintere Schornsteinfeger wirft Glückskekse (oder ähnlich) aus. Das alles in winterlichen Kulisse.

Total keine lärmende Romantik

Foto von Anja und mir auf einer Burg in der Lorely

Anja und ich haben am 24. Juni Tal Total mitgemacht. Das ist der schönste Tag, an dem man durch die Loreley radeln kann. Ihr erinnert euch: das Stück zwischen Bingen und Koblenz, wo der Rhein sich durch zwei Schieferfelsen seinen Weg sucht und wo diese vielen, schönen Burgen stehen. Leider ist die Strecke dort sehr schmal und gibt es unzählige Autos, LKW und Reisebusse, die den Radfahrern das Leben zur Hölle machen. Am Tal Total Tag sind beide Seiten des Rheins für motorisierten Verkehr gesperrt. Ein Traum.

Wir sind auf der Fahrbahn auch einem Mädchen auf einem Laufrad begegnet. Leider nicht fotografiert. Kurz vor dem Ende dann noch ein Cinquendem überholt.

Das Foto zeigt eine fast leere Straße. Verteilt fahren Radfahrer drauf, aber keine Autos oder Busse (wie sonst immer).
Wie ein autoloser Sonntag im Winter 1973/1974

Also, fünf Leute auf einem Fahrrad. Die Sättel lagen etwas eng zusammen und sie waren nicht sonderlich schnell, wohl auch weil die Bierkiste, die ein Kumpel im Anhänger transportierte, schon leer war.

Das Foto zeigt ein Cinquendem mit fünf jungen Männern in Fahrradkleidung, die tota cooll und erfreut in die Kamera gucken.
Das Cinquendem beim Tal Total

Jan Klijn

Information zu Tal Total:
Findet jährlich, am letzten Sonntag in Juni, statt.
Website: https://www.taltotal.de

Pressespiegel

Der folgende Beitrag kommt aus "Sichtweisen", dem Magazin des Deutschen Blinden-und Sehbehinderten-verbandes (DBSV). Das Heft kann man auch direkt lesen unter https://www.dbsv.org/files/ueber-dbsv/publikationen/buecher-zeitschriften/Sichtweisen/Sichtweisen%202018_06_07.pdf.

Abschied und Neubeginn

Wer lange Zeit mit dem Rad gefahren ist, gibt es ungern auf – auch wenn fortschreitender Sehverlust das Fahren riskanter macht. Mit Tricks und Vorsicht nehmen viele Menschen trotz Seheinschränkungen als Radfahrer am Verkehr teil. Drei Menschen mit Augenerkrankungen berichten, was sie dabei erlebten. Zwei von ihnen stiegen schließlich aufs Tandem um.

Von Barbara Hömberg, Sabine Becker und Rüdiger Sabel

[Der Speichenspiegel 2018/19 übernimmt hier die Texte und die Zeichnung unseres Vereinsmitglieds Barbara Hömberg. Wir danken ihr, der Redaktion von „Sichtweisen“ und dem Fotografen für die freundliche Genehmigung des Abdrucks.]

„Manche Wege hätte ich allein nie kennengelernt“

Radfahren ist gesund. Radfahren schont die Umwelt. Doch was, wenn es nicht mehr geht, weil das Sehvermögen zunehmend schlechter wird? Was, wenn es dann immer anstrengender und riskanter wird?

Als ich die Diagnose Retinitis pigmentosa (RP) erhielt, war bald klar, dass ich das Autofahren würde aufgeben müssen. Die Bordsteinkanten verschwanden aus dem sich verengenden Gesichtsfeld. Mehr Radfahren als vorher hieß die Alternative, aber im dichten Hamburger Verkehr war das bald kein Vergnügen mehr. Konnte ich es früher genießen, war es jetzt ein Kraftakt. In meinem Heimatdorf aber war das Radfahren auch mit RP lange Zeit kein Problem: kleine Straßen, wenig Verkehr, Feldwege. Aber dann wurden irgendwann Kreuzungen und Straßenüberquerungen eine Herausforderung. Also gut, absteigen und schieben geht ja auch.

Barbara Hömbeg und ihr Pilot Ulrich Kudlek fahren auf einem Tandem eine Straße entlang, die von einer Wiese und Bäumen gesäumt ist.

Im Laufe der Zeit musste ich mich jedoch immer stärker auf parkende Autos und den Abstand zu den vorbeifahrenden Fahrzeugen konzentrieren. Lautlose Radfahrer tauchten plötzlich aus dem Nichts auf und fuhren kopfschüttelnd an mir vorbei. Die Phasen, in denen ich mein Rad schob, wurden immer länger, Notbremsungen und Stürze kamen hinzu. Schließlich war der Punkt für eine unumgängliche Entscheidung erreicht: Ich verabschiedete mich vom geliebten Radfahren – zumindest mit dem Einzelrad.

Während dieses über Jahre dauernden Prozesses hatte ich von anderen begeisterten Radfahrern mit Seheinschränkungen vom Tandemclub „Weiße Speiche“ gehört. Nach einem netten Informationsgespräch überwand ich erste Vorbehalte und Zweifel gegenüber dem Tandemfahren. Die vielen Fragen lösten sich schnell in Luft auf, als es nach einer kurzen Einführung gleich losging. Die sympathische Pilotin machte es mir leicht, anfängliche Hürden zu überwinden, und schon nach kurzer Zeit fühlte ich mich sicherer und konnte schneller als gedacht die vorbeiziehende Landschaft genießen. Für Menschen, die das möchten, beschreiben die Piloten auch gern die Landschaft. Ich selbst brauche das noch nicht.

Auf einmal hinten zu sitzen und nicht lenken zu können, ist jedoch zunächst ungewohnt. Man muss lernen, die Kontrolle und Verantwortung abzugeben, was ja auch etwas Positives hat. Man kann sich entspannen, unterhalten, neue Leute kennenlernen und die Natur rund um die Großstadt von ihrer schönsten Seite erleben. Manche Wege hätte ich alleine nie kennengelernt: entdeckt haben sie erfahrene Tourenleiter, die die Strecke vorher abfahren und alles organisieren.

Oft liegen neben Wäldern und Pferdewiesen kleine Sehenswürdigkeiten auf der Stecke, die ins Programm aufgenommen werden. Ein Apfelhof im Alten Land zum Beispiel, eine Feuerwache, ein kleines Museum oder der Botanischer Garten – immer denken sich die Piloten ein kleines Highlight aus. Auch Picknicks im Grünen gehören dazu. Das macht die im Schnitt 50 bis 70 Kilometer langen Touren nicht nur zu einem sportlichen Erlebnis, sondern auch zu einem Vergnügen. Solche Entfernungen auf einem Einzelrad zu fahren, wäre für mich undenkbar gewesen, Doch in einer Gruppe von Tandemfahrern macht es Spaß. Die freundliche Atmosphere, der Austausch und der nette Umgang untereinander motivieren, und selbst wenn es mal regnet: die gute Laune bleibt.

Barbara Hömberg (63) lebt in Hamburg.

Eine Karikatur von Barbara Hömberg: Ein Mann als Pilot und eine Frau radeln auf einem Tandem. Er schwitzt, sie hat entspannt die Augen geschlossen. Er sagt: „O jeeh, da vorn ist großes Chaos an der Ampel! O – o – ooh, es knubbelt sich…“ Sie denkt: … manchmal ganz gut, wenn man nicht alles sieht!!“

Gabis Premiere am 18. August: Mit Mirabellen, Heidesand und fünfzehn Tandems durch die Nordheide

Hallo, du – ja, genau du, komm mal näher, zoom mich heran und dann schau hin. Es ist Sommer, blauer Himmel, es sind wohl temperierte 24° Celsius und fast windstill. Ideale Bedingungen in diesem Jahrhundert-Sommer für eine Fahrradtour durch einen Teil der Nordheide.

Wir starten die 50 km-Fahrt in Hittfeld und wollen in Buchholz ankommen. Es geht mit Höhen und Tiefen durch die Harburger Berge. Zunächst nach Klecken, Kirchberg, Uppe Eick, Itzenbüttel nach Lüllau. Als Herausforderung für das Radfahren ist alles dabei: Asphalt, Kopfsteinpflaster, Schotter und – Sand, viel Sand, Heidesand eben, sowie Eicheln, die unter den Reifen wegspringen oder von den selbigen platt gefahren werden. Kleine Anstiege wechseln sich mit Abfahrten ab – toll! Für meinen Geschmack ist es eine abwechslungsreiche Tour. Gefordert wird die Konzentration auf den Weg und gleichzeitig nehme ich die wunderschöne vorbeifliegende Landschaft wahr. Uns begegnen romantische Dörfer mit ihren alten Kirchen im Zentrum, baulich interessante Domizile und mit viel Arbeit sowie Hingabe gestaltete Gärten. Es blühen Hortensien, Dahlien und weitere viele unterschiedliche Sommerblumen in kräftigen Farben. Sie erfreuen stets mein Herz, wenn ich sie im Vorbeifahren sehe.

Trotz des viel zu trockenen Sommers 2018 fallen mir neben kümmerlich dahin dörrenden Maisfeldern auch Felder mit gut gewachsenem Mais auf und normal großen Maiskolben. Wie kann dies sein? Wurde hier mit zusätzlichen Tricks gearbeitet? Als Frau, die im südlichsten Niedersachsen auf einem landwirtschaftlichen Hof aufgewachsen ist, mache ich mir hierüber so meine Gedanken. Hatten einige landwirtschaftliche Betriebe den Mais während seiner Wachstumsphase zusätzlich mit ausreichend Wasser versorgt? Sollte hier mit Wassersprinkler-Anlagen gearbeitet worden sein oder wurde mit Wasserleitungssystemen am Boden nachgeholfen, so wie ich es in meiner Zeit im Kibbuz auf den Baumwollfeldern erlebt hatte? Hierüber tausche ich mich mit meiner Pilotin Manuela aus. Auch sie findet keine Erklärung dafür, warum der Mais in dieser Gegend so unterschiedlich gedeiht. So ganz nebenbei erfahre ich von ihr, dass die heutige Streckenführung viele Lauf- und Wanderstrecken von ihr und ihrem Mann Bernd kreuzt oder wir auf ihnen entlang fahren. Beide wohnen in Buchholz.

Gegen 12 Uhr erreichen wir den Brookhoff in Lüllau, einen Ortsteil von Jesteburg. Hier ist bereits nach 20 km die Mittagspause vorgesehen. Der Brookhoff, ein idyllisch gelegener Bauernhof, hat sich in den vergangenen Jahren zu einer der angesagtesten Kulturinstitution in dieser ländlichen Region entwickelt. Zusammen mit dem Quellteich, in dem sich Karpfen offensichtlich wohl befinden, einer alten Wassermühle, dem Backhaus und dem großen Bauernhaus, bildet der Brookhoff ein Ensemble, das unter Denkmalschutz steht (www.brookhoff.de/Brookhoff-Lueneburger-Heide.html). Hier finden regelmäßig über das ganze Jahr verteilt Oldtimer-Treffen, Rock-Konzerte, Weinproben und wie heute Flohmärkte statt.

Vorbei an vielen parkenden Autos, empfängt uns ein buntes Treiben von Handel treibenden Menschen an unzähligen Ständen und viele große, kleine, zwei- und vierbeinige Schaulustige. Auch wir mischen uns unters Volk und streben zu unseren von Gabi vorausschauend reservierten Plätzen am Mühlenteich unter schattigen Bäumen an. Hier können wir unsere Brotzeit einnehmen. Doch bei den meisten bleibt der eigene Proviant in den Fahrradtaschen, da uns der verführerische Duft der Rostbratwürste anzieht. So entscheidet jede Person für sich, was sein Herz höher schlagen lässt und was der Magen begehrt: Ein kühles Helles oder ein heißer Kaffee/Kakao, leckerer Kuchen oder ein schmackhaftes Eis, Salat mit oder ohne Bratwurst/Steak/Frikadelle. Mein Eindruck ist, dass die meisten von uns dieses Plätzchen unter Bäumen oder in der Sonne sitzend bei Speis und Trank sehr genießen. Hofcafés wie diese liebe ich als Einkehrorte für unsere große Gruppe. Bieten sie doch die Wahlmöglichkeit, sich vor Ort individuell von den Köstlichkeiten der Region verwöhnen zu lassen oder das eigene mitgebrachte Lunchpaket unter freiem Himmel zu verzehren. Die Pause hätte für mich definitiv länger sein können, um nach dem leiblichen Wohl noch eine Runde über dieses wunderbare Gelände zu spazieren. Aber was soll's – mitgehangen, mitgefangen! Das Highlight des heutigen Ausfluges sollte noch kommen – die Fahrt zum Büsenbachtal über Holm nach Inzmühlen, Handeloh und Wörme. Direkt hinter der Bahnstation Büsenbachtal geht es rechts ins Tal hinein entlang des Büsenbachs, vorbei am Café-Restaurant „Der Schafstall“, ein beliebtes Ausflugslokal in der Nordheide (www.cafeschafstall.de).

Etwa 1,5 km geht es bergan bis wir einen Hügel erreichen, von dem uns ein wunderbarer Ausblick in die Heide gewährt wird. Nur in diesem regenfreien Sommer wird uns ein trauriger Anblick einer viel zu trockenen, grauen, wie Besenreisig aussehenden Erika zugemutet. Das was normalerweise im August zu sehen ist, müssen wir uns alle, ob sehend oder nicht, mithilfe unseres inneren Auges vorstellen: Ein Meer von blühender Erika in den verschiedenen Farbtönen, von rosé über blau bis lila. Hier zeigt sich die typisch ruhige, bisweilen karge, Heidelandschaft trist und fad, nur Gestrüpp ist zu sehen, unterbrochen von kleinen Wacholderbäumchen und darüber der strahlend blaue Sommerhimmel. Einige, so auch ich, entfernen sich für eine kurze Weile von der munter schwatzenden Gruppe, um nach der nächsten Biegung des Weges diese Impressionen in Stille aufzunehmen und wirken zu lassen.

Zurück in der Gruppe, überrascht uns Joachim mit selbstgebackenen Heidesand, als wenn wir hiervon heute noch nicht genug abbekommen haben, um uns gustatorisch zu verwöhnen. Auch Gabi gelingt es, ihre köstlich süßen Mirabellen zu probieren gibt und uns ein wohliges „Hmmh, lecker!“ zu entlocken. Schon an dieser Stelle, kann ich Gabi zu ihrer gelungenen Premiere gratulieren. Sie hat uns, zusammen mit Joachim, zu dieser grandiosen Aussicht geführt und beide haben uns kulinarisch verwöhnt. Mein Dankeschön geht auch an Joachim, der dich Gabi, bei der Vorbereitung und Durchführung dieser wunderbaren Tour engagiert unterstützt hat. Erfüllt vom Erlebten hier auf dieser Anhöhe, geht es wieder hinunter ins Büsenbachtal, dort meistenteils entlang der Bahntrasse über Holm-Seppensen, Seppensen nach Suerhoop zum Buchholzer Bahnhof. wo wir mit unseren Tandems von Thomas erwartet werden. Schnell sind einige von uns in Aktion und verladen die Tandems auf den Anhänger.

Nun, kannst du dich wieder heraus zoomen, ja – du! Hat dir gefallen, was du gesehen hast? Na dann fühl dich eingeladen bei einer der Touren in 2019 als Pilotin oder Pilot bzw. Mitfahrende oder Mitfahrender dabei zu sein. Ein unterhaltsames Abenteuer mit sicherem Ausgang wird garantiert.

Martina F.

Foto einer Flasche Landlust Dornfelder Spätburgunder. Auf dem Etikett ist mittig ein Tandem abgebildet.
Solch ein Wein hätte zu unserer Tour bestens gepasst (nach Absteigen und Säubern der Tandems).

Rätsel: Pinneberger Labyrinth

Notiz vorne weg: für Blinde und Sehgeschädigte ist dieses Labyrinth sicherlich schwierig zu lösen. Vollständigkeitshalber erscheint es hier auf der Webseite.

Die Tandemtour ist fast zu Ende. Wir radeln schon nach Pinneberg hinein. Alle sind müde und es ist nicht mehr weit bis zu unserer Halle. Blöd nur, dass die Stadt Pinneberg einige neuen Straßenschilder aufgehängt hat. Wie kommt man nun zur Halle, ohne die Straßenschilder zu missachten? Wenden in einer Straße oder an einer Kreuzung ist nicht möglich, dafür sind die Tandems zu lang und die Straßen zu schmal. Einfach  immer schön weiterfahren. (Die Buchstaben an den Kreuzungen und Brücken beschreiben später die Lösung und haben keine Bedeutung für die Rätsellösung).

Bild mit einem Plan voller Straßen. Überall stehen Straßenschilder, die dem Fahrer einschränken, in bestimmte Straßen herein zu fahren. Links sieht man, wie man in das Lybyrinth herein kommt, rechts ist unsere Vereinshalle abgebildet.

Einfach ist die Lösung sicherlich nicht. Es gibt deshalb einige Hinweise weiter unten.

Zur Lösung.

Quelle: „Geen doolhoven voor domoren—Spelletjes om in the verdwalen“ von Robert Abbott.

Zwei Deutsche auf historischem Weg – Potsdam

In August 2017 habe ich die deutsche Nationalität erworben. Hat nicht viel gebracht: jetzt kann ich weder meine alte, niederländische, noch die deutsche Nationalhymne singen. Oder doch? Doch. Anja schenkte mir für 2018 ein Wochenende Berlin mit Tag der offenen Tür im Reichstag. Und was macht man sonst? Klar, man entflieht der hektischen und vollen Großstadt und fährt auf einem historischen Tandem durch das beschauliche und grüne Potsdam.

Foto von einem historischen Tandem mit Mathias und Anja drauf.
Mathias und Anja (Foto: Merve)

Wie kommen wir darauf? Nun, bei der Aktualisierung unserer Tandemclub-Website bin ich auf eine Website www.tandemtours.de gestoßen: Angeboten wurden geführte Tandemtouren auf historischen Tandems durch Potsdam. Das mussten wir selbstverständlich ausprobieren.

Wir waren am Potsdamer Bahnhof mit Inhaber Mathias verabredet, einem 35-jährigen Weltverbesserer, der die Vision hat, dass zukünftig in Potsdam alle Leute nur noch Tandem fahren und bei Bedarf spontan jeden mitnehmen können, der zufällig in die gleiche Richtung muss. Als er mit Praktikantin Merve und zwei Tandems älteren Semesters auftauchte, war sofort klar, dass Anja und ich uns mit ihm und Merve bestens verstehen würden.

Foto von Merve und Mathias.
Unsere Tourenleiter Merve und Mathias (Foto: Jan)

Eigentlich macht Mathias vor allem Führungen für Gruppen, z.B. Betriebsausflüge - auch für Sehgeschädigte. Er hatte sich aber sofort bereit erklärt für uns beide eine Führung zu machen. Schweren Herzens trennte ich mich von Anja, da wir auf unterschiedliche Tandems verteilt wurde. Anja stieg mit Mathias auf ein blaues Gerät von 1943 und ich versuchte eine Maschine aus dem Jahr 1956 mit Merve als Fotografin hinten drauf stabil ins Rollen zu bringen. Das Rad war stabil, aber es war mindestens zwanzig Jahre her, dass ich ein Rad mit solchen weich aufgepumpten Reifen gefahren hatte. So fast ohne Luft zu fahren war aber goldrichtig. Nicht nur die Tandems waren historisch, auch das Kopfsteinpflaster war gut erhalten. Verstand dann auch sofort, warum Mathias nur Tandems mit Federung sammelte.

Tankstelle aus den 50-er Jahren (Foto: Kellner)

Wie war dann die Führung? Ziemlich genial. Wir hatten gesagt, dass wir gerne einfach mal die Atmosphäre einer Stadt atmen wollten ohne Unmengen an Daten aufzunehmen. So kam es dann auch. Und trotzdem haben wir viel gesehen, viel gehört und viel gespürt. Zudem eine Aussicht über die Stadt genossen, an Fußgängern in großen Parklandschaften vorbeigeschossen und eine Pause in einer ehemaligen Tankstelle aus den 50-er Jahren gemacht.

Fazit: Probiere die historischen Tandems ruhig mal aus. Es lohnt sich.

Zum Schluss noch etwas Eigenartiges. Anja hatte mir doch das Wochenende geschenkt, weil ich in Deutschland eingebürgert bin. Nun, warum essen wir dann in Potsdam niederländische Poffertjes im niederländischen Viertel? Und warum reicht uns die Potsdamer Touristeninformation spontan orange Tulpen und einen Prospekt über die Oranjeroute, denn gerade heute sei Koningsdag in den Niederlanden? Aaaah!!!

Jan Klijn

Kontaktinformation „Tandemtours Potsdam“ Inhaber: Mathias Neubert, Telefon: +49 157 31374016, E-Mail: hallo@tandemtours.de,  Web: www.tandemtours.de

Oranjeroute entlang Orten in Deutschland, die mit dem niederländischen Königshaus verbunden sind: www.oranjeroute.nl

Orange Tulpen in einem Korb am Tandem.
Oranje Tulpen (Foto: Jan)

Hinweis zum Labyrinth-Rätsel

Unten seht ihr ein etwas einfacheres Bild der gleichen Situation aus dem zitierten Buch. Sie ist übersichtlicher.

Ja, es ist korrekt, dass man öfter mal durch die Straßen links-oben fahren muss. Die Kunst es, mal von einer anderen Seite in diese Gegend herein zu fahren. Dafür muss man aber durchs ganze Labyrinth. Und übrigens: nicht alle Verkehrsschilder sind wichtig für die Routenplanung (z.B. Achtung, Frösche oder Sackgasse außer für Radfahrer).

Scan des Labyrinths in der Originalform.

Zur Lösung.

Lösungen Rätsel

Quatschsprachenrätsel

Lösung für das Quatchsprachenrätsel.

Nur Aussage 1 ist richtig. Bei Aussage 2 ist nicht einsichtlich, warum der Träterig in die Boggeln schnurtzern sollte. Aus dem Satz geht nicht hervor, warum eine Sattelquatsche schnutzern könnte, deshalb kann Aussage 3 nicht richtig sein.

Knickworträtsel

Lösung des Knickworträtsels. Die Anfangsbuchstaben der Wörter sind fett unterstrichen. Übrig bleiben die Buchstaben in den schwarzen Kästchen.

Gitter von zehn mal zehn Buchstaben, inklusive farblich dargestellde Lösung.

Das gesuchte Wort ist „Tourenwart“.

Labyrinth

So kommt man durch das Labyrinth. Die Lösung als Buchstabenreihe verweist auf die Kreuzungen in der Aufgabe.

D-E-F-B-C-H-G-J-O-S-P-K-H-C-B-F-I-J-K-P-S-R-Q-M-E-A-D-L-Q-R-N-M-L-D-A-E-M-N-O-P-ende.

Ganz direkter Weg also.

Viel Lesespaß

Viel Lesespaß wünscht dir das Speichenspiegel-Team Ulrike, Detlev und Jan