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Speichenspiegel 2013/2014

Redaktion: Detlev Kahl
Layout (Papierversion, Website und Worddokument): Jan Klijn
Druck und Versand (Papierversion): Ulrike Gös

Anmerkung: Aus Datenschutzgründen weden einige Daten, wie der Geburtstagskalender, an dieser Stelle nicht veröffentlicht. Da wo Text fehlt wird dies explizit erwähnt. Grundsätzlich werden Personen nur mit Vorname und mit der ersten Buchstabe des Nachnamens erwählt. Ausnahmen gelten für einige Personen, die eine öffentliche Aufgabe im Verein haben und der Name sowieso klar ist, sowie für Personen, die explizit angegeben haben keine Probleme mit einer Veröffentlichung des Namen im Internet zu haben. Bitte wendet Euch für eine komplette Version des Speichenspiegels an die Redaktion.

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

für den letztjährigen und für das neue Redaktionsteam ersten Speichenspiegel 2012/13 haben wir ein sehr positives Echo bekommen. Das war für uns Belastung und Ansporn zugleich, denn nach dem Jahrbuch ist vor dem Jahrbuch. Würden wir wieder einen bunten Strauß von Berichten, Artikeln und Illustrationen hin- und zusammenbekommen?

Bunt ist der Strauß wieder geworden, ob auch schön, wohlriechend und haltbar müsst Ihr, die Leserinnen und Leser, beurteilen. Auf jeden Fall gibt es Neues. Neu hinzugekommene Autoren, neue Rubriken wie „Rad und Tandem anders“ oder „Pressespiegel“, und natürlich neue Inhalte sowie neue Illustrationen.

Wir danken allen Autoren und wünschen Euch viel Freude bei der Lektüre. Und wir sind zuversichtlich, dass das Jubiläumsjahr uns viel neuen und interessanten Stoff für die nächste Ausgabe bringen wird.

Euer Speichenpiegel-Team Detlev, Jan und Ulrike

Schwierige Zeiten?

Der Tandemclub WEISSE SPEICHE feiert in diesem Jahr sein dreißigjähriges Bestehen. Doch eben zu dieser Zeit kommen auch einige Probleme auf den Verein zu:

Die seit langem auf unserem Gelände in Pinneberg befindlichen Container haben sich seit einiger Zeit gesenkt, so dass sich bereits die Anschlussrohre verbiegen. Versuche, diesen Mangel mit eigenen Mitteln zu beheben, hatten keinen dauerhaften Erfolg, so dass sich der Vorstand entschlossen hat, fachkundigen Rat einzuholen. Doch nicht nur der Umstand, wie eine dauerhafte Stabilität hergestellt werden kann, ist ein Problem, sondern auch die Finanzierung, da mit nicht unerheblichen Kosten gerechnet werden muss. Des Weiteren senken sich die Hallentore. Bemühungen der „Schraubertruppe“, Abhilfe zu schaffen, waren leider gleichfalls erfolglos, so dass  wir inzwischen mit dem Aufsteller der Halle Kontakt aufgenommen haben. Auch hier muss mit einigen Kosten gerechnet werden.

Unser Pachtvertrag mit der Stadt Pinneberg läuft 2015 aus. Er verlängert sich allerdings um weitere fünf Jahre, wenn er nicht gekündigt wird. Der Vorstand hat daher beschlossen, vor Einleitung der o. g. Maßnahmen, zunächst den Fortbestand des Pachtvertrages abzuklären, da es kaum sinnvoll sein dürfte, mit hohem Kostenaufwand die Container zu stabilisieren und die Hallentore in Ordnung zu bringen, um alles ein Jahr später abzureißen. Der Verein hat nämlich nach Ablauf des Pachtvertrages das Gelände im ursprünglichen Zustand zurückzugeben, wodurch dem Verein ebenfalls massive Kosten entstehen würden.

Wie auch immer – im Jubiläumsjahr kommen auf den Verein große Belastungen zu. Der Kassenwart hat auf der letzten MV in seinem Kassenbericht festgestellt, dass der Verein finanziell gut aufgestellt ist. Dies trifft auch zu, so dass wir die auf den Verein zukommenden Aufgaben meistern können. Dann aber dürfte unser finanzielles Polster kaum noch als solches zu bezeichnen sein. Hinzu kommt, dass nach den jüngsten Vorgaben des Finanzamts nur noch jährlich 10 % der Einnahmen in die Rücklage eingestellt werden dürfen, was bedeutet, dass eine Rücklage im Umfang der bisherigen zu Lebzeiten des jetzigen Vorstands nicht mehr zu erreichen ist.

Dennoch aber wollen wir auch in der kommenden Saison mit viel Freude radeln und das Jubiläumsjahr genießen.

Gregor Scheithauer

30 Jahre Tandemclub Weiße Speiche – Tourenserie rund um Hamburg

Schematische Karte von der Strecke rund um Hamburg. Die Daten sind die gleichen wie im Tourenplan (siehe unten), also ihr Blinden verpasst nicht so viel, außer vielleicht den Wappen von Hamburg, der schön in der Mitte dargestellt ist.

2014 besteht unser Verein 30 Jahre und das soll gefeiert werden. Nicht nur wird eine schöne Tandemwoche in Schleswig organisiert, sondern auch der Tourenplan für die allgemeinen Wochenendtouren bietet in diesem Jahr etwas Besonderes: wir fahren eine Serie von sieben Touren rund um Hamburg. Beim Anradeln geht es schon von Pinneberg nach Glückstadt. Zum Ende der Tandemsaison, am 7. September, treffen wir nach erfolgreicher Umrundung wieder in Pinneberg ein. Die Touren sind so gelegt, dass wir schöne Strecken fahren werden.

Ihr könnt dabei sein und tolle Preise gewinnen. Jeder, der mindestens eine der sieben Teilstrecken mitgefahren ist, bekommt ein kleines Andenken am Ende der Saison beim Stiftungsfest überreicht.  Zudem ist es sehr sinnvoll öfter mitzuradeln, um an einer Verlosung teilzunehmen. Am Ende einer jeden Tour kommen die Namenszettel der Teilnehmer in die Lostrommel. Daraus ziehen wir beim Stiftungsfest die Gewinner. Öfter mitfahren bedeutet also mehr Lose mit dem eigenen Namen und damit eine höhere Gewinnchance. Die Termine könnt ihr dem Tourenplan unten oder dem Bild entnehmen.

Natürlich suchen wir für diese Touren auch noch engagierte Tourenleiter. Fest steht für jede Tour der Serie das Datum sowie Beginn- und Endpunkt. Die Strecke dazwischen ist frei wählbar. Wir würden uns freuen, wenn wir für jede Tour eine Tourenleitung (Mann/Frau) finden würden, damit wir die Umrundung von Hamburg schaffen.

Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme,

Anja M. und Jan K.

Tourenplan

Normale Touren

Anmeldung bei Ulli Staniullo unter Tel. 040-831 64 01 oder Tel. 0160-98145245.

Wenn Ulli nicht da ist, bei Anja Meister unter Tel. 040-320 30 641.

Auch wer sich als Tourenleiter für diese Touren melden möchte, ist unter diesen Nummern ein gern gehörter Anrufer!!!

 

Tourenserie Rund um Hamburg

Wappen von Hamburg
  1. Sa., 05.04.2014 - Von Pinneberg bis Glückstadt.
  2. So., 27.04.2014 - Von Glückstadt bis Horneburg.
  3. Sa., 17.05.2014 - Von Horneburg bis Buchholz.
  4. Sa., 05.07.2014 - Von Buchholz bis Bergedorf.
  5. So., 27.07.2014 - Von Bergedorf bis U1 Großhansdorf.
  6. Sa., 16.08.2014 - Von U1 Großhansdorf bis U1 Richtweg (Nahe Norderstedt).
  7. So., 07.09.2014 - Von U1 Richtweg bis Pinneberg.

 Weitere normale Touren

  1. Sa., 27.09.2014
  2. So., 19.10.2014

Auch für die Tourenserie Rund um Hamburg  ist eine Anmeldung für jeden (Teil-)Abschnitt erforderlich.

Literatouren

Jeweils Mittwoch,  Anmeldung bei Klaus Kurznack unter Tel. 59 50 26

  1. Mi., 16.04.2014
  2. Mi., 07.05.2014
  3. Mi., 28.05.2014
  4. Mi., 25.06.2014
  5. Mi., 16.07.2014
  6. Mi., 06.08.2014
  7. Mi., 27.08.2014
  8. Mi., 17.09.2014
  9. Mi., 08.10.2014
  10. Mi., 29.10.2014

100-er Touren

Anmeldung bei Ulrike Gös unter Tel. 040-53 69 59 78 oder 0163-820 36 54

  1. Sa., 10.05.2014
  2. So., 13.07.2014
  3. Sa., 30.08.2014
  4. So., 21.09.2014

Worte vom Tourenwart

Liebe Tandemgemeinde!

Bevor wir im Jahr 2014 in unsere 30. Tandemsaison einsteigen, hier noch einige kleine Anmerkungen dazu:

Aus Termingründen mussten wir die letzte Winterwanderung vom 15.03.14 auf den 22.03.14 verlegen, da der Schützenhof in Borstel-Hohenraden erst dann für uns Mehlbüdel bzw. Graue Erbsen anbieten kann. Der Anradeltermin, der ursprünglich auf den 29.03.14 gelegt wurde, ist jetzt der 05.04.14, wie Ihr aus dem Tourenplan auf Seite 4 ersehen könnt.

Mein Aufruf im „Speichenspiegel Aktuell“ Oktober 2013, unsere 30. Tandemsaison als Jubiläumssaison so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, hat Früchte getragen. Für 7 Wochenendtouren haben Jan und Anja sich etwas Besonderes einfallen lassen, was Jan oben erläutert hat. Ebenfalls haben Maike und Ulrike für eine gemeinsame Wochentour etwas Tolles geplant. Darüber berichteten wir bereits in einem Sonderrundschreiben. Die große Resonanz eurerseits auf diese Veranstaltung zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Einige Pilotinnen und Piloten werden aber noch benötigt.

Als Tourenwart unseres Clubs freue ich mich auf eine spannende Tandemsaison 2014, für die wieder eine Menge zu organisieren ist. Wie immer nehmen Anja und ich eure Anmeldungen zu den Touren an. Es werden noch jede Menge Tourenleiter und -leiterinnen dafür gesucht!!!

In diesem Sinne verbleibe ich mit sportlichem Gruß

Ulli Staniullo   

Erinnert ihr euch noch an Schulstunden oder Familienfeste, wo Filme gezeigt wurden? Das Schönste war dann das Zurückspulen des Filmes. Wie komme ich darauf? Weiß ich nicht. Vielleicht durch den folgenden Artikel?

Kann Regen nach oben fallen?

Bericht über die Tandemtour am 25. Mai 2013

Es ist Sonnabend. Beim Aufwachen bin ich schon sehr müde. Schlecht geschlafen habe ich aber doch gar nicht? Woher  kommt dann die Müdigkeit? Ich ziehe mich trotzdem an. Schließlich habe ich es eilig. Gleich eine Tandemtour, vorher aber muss ich noch gut essen. Ich entscheide mich für den Hamburger. Anja isst auch üppig, was nicht so ihre Gewohnheit ist nach dem Aufstehen. Dann steige ich in die Badewanne.

Mit der Bahn geht es zum Startpunkt der Tandemtour. Es verspricht ein heiterer Tag zu werden, denn es regnet schon seit Montagmorgen. Ich treffe Helga in der S-Bahn. Später in der Regionalbahn steigen noch weitere Leute hinzu. Ich stelle fest, dass das Baden heute Morgen nicht viel geholfen hat. Meine Beine sind total dreckig. Leider scheint die Heizung im Zug auch nicht so gut zu funktionieren: es wird immer kälter. Total kalt und nass steigen wir in Glückstadt aus. Allen ist kalt, manch einer zittert. Es regnet und weht kräftig. Eine Stunde müssen wir unter einem Dach warten bis die Tour anfängt. Um warm zu bleiben, gehe ich mit einer Tüte Lakritz herum. Endlich kommen die Räder. Auch weitere Tandemfahrer kommen an. Nachdem wir die Tandems im Nu abgeladen, eingestellt und bepackt haben, fährt Thomas einige der Tandemfahrer mit dem Bus nach Brokdorf. Matthias P., der Tourenleiter, wird mit Applaus begrüßt.

Endlich, nach weiterem, langem Warten, steigen wir auf die Räder und verlassen Glückstadt in nordwestlicher Richtung. Ich fahre mit Silke, die nur eine halbe Tour mitfahren wird. Alle sind schon total nassgeregnet. Obwohl es die ganze Zeit regnet, bessert sich die Laune sichtbar, weil wir am Elbdeich entlang brettern können. Wir haben nämlich einen kräftigen Rückenwind. Unsere nasse Kleidung stört wenig. Durch den Wind trocknet die Kleidung von Silke schnell, meine bleibt jedoch nass.

Nach einer halben Stunde sind wir in Brokdorf. Hier hat sich inzwischen eine große Gruppe Tandemfahrer versammelt, nämlich die, die Thomas mit dem Bus hierher transportiert hat. Alle haben Regenkleidung an und sind inzwischen schon ordentlich weichgespült. Silke steigt gutgelaunt und trocken in den Bus. Ich werde gleich mit Wolfgang weiterfahren, aber zuerst muss ich leider die Pommes mit Mayo, die ich in der Hand habe, beim Imbiss-Mitarbeiter abgeben. Uwe ist schlechter gelaunt als ich ihn je gesehen habe. Er ist schon total durchgefroren, weil seine Jacke weniger wasserdicht ist als gedacht. Halleluja, und er ist noch nicht mal Tandem gefahren heute. Auch er ist bequem mit dem Bus von Thomas nach Brokdorf gekommen.

Mir ist es allerdings ein Rätsel, warum Detlev und Fritz ihr gutes Rad auf den Anhänger packen um ein Tandem abzuladen, von dem der Mantel des Vorderrads halb ab ist. Sind die verrückt? Nach der Pause fahren wir im Regen weiter. Es geht nun leider auch noch gegen den Wind, und zwar zurück nach Glückstadt. Ich fahre jetzt mit dem gutgelaunten Wolfgang. Er erzählt Geschichten von früher aus dem Tandemclub. Detlev und Fritz schieben ihr defektes Tandem. Das Vorderrad müssen die hochheben, weil der Mantel das Rollen blockiert. Nach einem Kilometer und einem kurzen Stopp kriegen die beiden das Tandem repariert und können nun auch fahren.  Es stellt sich heraus, dass sie mit ihrem reparierten Tandem doch nicht ganz zufrieden sind. Sie steigen kurz ab, entfernen die vordere Kette, steigen auf, radeln weiter und durch ein geschicktes Manöver kriegen sie es hin, die Kette während der Fahrt wieder auf die Zahnräder zu kriegen. Respekt! Jetzt scheint ihr Rad wunderbar zu fahren. Die Stimmung in der Gruppe ist gut, trotz des Regens. Wir kommen in Glückstadt an und machen eine kurze Pause im Zentrum der Stadt. Danach geht es weiter Richtung Elmshorn. Eine tolle Strecke, die Matthias wegen des erwarteten schlechten Wetters schon von vornherein drastisch gekürzt hatte. Eigentlich hätte ja die Tour nicht in Glückstadt, sondern in Wrist anfangen sollen.

Dann kommen wir in Elmshorn am Bahnhof an. Es regnet noch immer. Matthias erzählt, wo er uns heute auf den Tandems eigentlich hätte langführen wollen. Ulli liest sicherheitshalber die Gespannliste vor, damit wir uns nachher an unsere Tandempartner erinnern können. Danach werden die Tandems wieder auf den Anhänger geladen und wir begeben uns zum Bahnsteig. Der Regen hat jetzt zum Glück auch komplett nachgelassen. Die meisten haben jetzt trockene Klamotten, es hat ja schließlich sehr geweht und dann trocknet alles bestens. Auch Uwe ist wieder in bester Laune, nachdem sein T-Shirt und seine Jacke wieder trocken sind.
Wir fahren gemeinsam mit der Bahn nach Hamburg-Hauptbahnhof und treffen uns noch kurz am Südsteg. Dann verschwinden die Leute einer nach dem anderen. Es war ein schöner Tag. Zwar hat es fast die ganze Zeit geregnet, aber am Ende war es dann doch trocken und angenehm geworden. Und müde bin ich auch nicht mehr!

Nächstes Jahr werde ich ein Bericht schreiben über die verregnete Tour, die Uwe R. leiten wird.

Jan Klijn
Notiz: Über die verregnete, von Uwe R. geführte Tour habe ich schon im Speichenspiegel 2012/2013 berichtet.
Idee: “Time’s Arrow” von Martin Amis, ISBN: 978-0099455356

Drei naßgeregneten Tandemfahrer stehen am Bahnhof von Glückstadt. Das "Glück" im Bahnhofschild "Glückstadt" wurde mit Farbe durchgekreuzt und darüber steht "Pech", also "Pechstadt".

Zitat

Die Regenwahrscheinlichkeit war zwar höher als vorhergesagt, aber auch nicht so hoch, dass es tatsächlich regnete an dem Tag.

Aus: "Echte nachten, stugge vachten" van Gummbah, 2002.

Übersetzung aus dem Niederländischen: Jan Klijn

Meine erste Saison

Vorgeschichte

Vor etwa 10 Jahren sah ich auf einer Fahrradtour in Pinneberg, Am Hafen, eine Gruppe älterer Herren mit vielen Tandems. Das machte mich neugierig und ich fragte sie, was sie mit so vielen Tandems machen. Sie antworteten: „Wir machen Touren mit Sehbehinderten und jetzt müssen wir die Räder für die nächste Saison überholen.“  Da nahm ich mir vor, dass ich da gerne mitmachen würde, wenn ich mal in Rente bin.

Das behielt ich im Hinterkopf, als ich vor einem Jahr als Rentner den Dialog im Dunkeln besuchte. Die Führerin spielte selbst Fußball, wie ich früher, und ich fragte sie nach Sehbehinderten, die Tandem fahren. So erfuhr ich von der Weißen Speiche.

Nach kurzer Suchen im Internet rief ich Ulli, den Tourenwart, an und er erklärte mir die verschiedenen Touren. Für mich als bekennenden Langschläfer kamen die Wochenendtouren, möglichst weit entfernt von meinem Heimatort Waldenau und um 9 Uhr morgens, nicht in Frage. Außerdem fahre ich im Sommer mit meinem Rennradteam „Picknick“ fast an jedem Wochenende. Also entschied ich mich für die Litera-Touren am Mittwoch, zwar auch um 9 Uhr, aber für mich schnell zur erreichen.

Litera-Touren - Erwartungen nicht erfüllt

Meine Erwartung war, dass sich ein paar literaturbegeisterte Menschen im besinnlichen Tempo zu einem mystischen Ort begeben, dort stundenlange Lesungen anhören und darüber geistreich diskutieren, um dann im gemächlichen Tempo den Rückweg anzutreten.

Als meine Co-Pilotin bei meiner ersten Fahrt sagte „Die Männer schwitzen immer so“, konnte ich es mir nicht vorstellen. Aber das Tempo war derart flott, dass ich Schwierigkeiten hatte, den Anschluss zu halten. Beim Mittagessen in Seestermühe gab es außer der Speisekarte immer noch keine Literatur. Auf der Zielgeraden sagte dann meine Co-Pilotin:  „Und zum Schluss machen wir immer noch einen Zielsprint“. Das gab mir dann den Rest und ich schleppte mich auf dem Hof auf einen freien Sitzplatz.

Erst jetzt begann der gemütliche Teil. Es wurde Bier, Kaffee und Kuchen serviert und nachdem sich alles etwas beruhigt hatte, gab es verschiedene kurzweilige, unterhaltsame und lustige Passagen aus Büchern oder Zeitungen zum Nachtisch. Ein gelungener Abschluss meiner ersten Litera-Tour, die meine Erwartungen nicht erfüllt hat, Gott sei Dank!

Technik – Zum Abgewöhnen

Ich habe 2 Fahrräder, ein Touren- und ein Rennrad. Wenn man morgens vor den vielen Tandems steht, hat man die Qual der Wahl. Es gibt Naben- und Kettenschaltung, gerade und gebogene Lenker, hohen und niedrigen Einstieg. Letzterer wird von den  Co-Piloten meist bevorzugt. Ohne Erfahrung und so früh am Morgen fällt die Entscheidung jedes Mal schwer. Einmal hatte mein Tandem einen Hebel, den ich noch nie vorher gesehen hatte. Ein Kundiger erklärte mir, dass es sich um eine Bergbremse handelt. Die wird bei Bergabfahrten fest eingestellt, damit die anderen Bremsen geschont werden. Und ich dachte, ich kenne mich mit Fahrrädern aus.

Dass man beim Tandemfahren gleichzeitig auf- und absteigt, leuchtete mir durchaus ein. Wenn ich alleine Rad fahre, bevorzuge ich eine hohe Trittfrequenz und schalte gern. Ich fahre Kurven auch gern in Schräglage und halte den Abstand zum Vorfahrer möglichst klein, um den vollen Windschatten zu bekommen. Auch halte ich mich im Allgemeinen an die Verkehrsregeln.

Das musste ich mir beim Tandemfahren abgewöhnen. Fast alle Copiloten bevorzugen möglichst einen Gang und der muss so richtig schwer gehen. Das findet mein lädiertes Knie überhaupt nicht gut. Bei Kurven, speziell S-Kurven, die ich auch gern flott durchfahre, gibt es lauten Protest von hinten. Nach einigen Vollbremsungen gewöhnte ich mir auch das dichte Auffahren ab. Denn es gab von hinten kein Lob, dass ich so schnell reagiert habe. Vielleicht hätte ich vor meiner ersten Tandemfahrt erst mal hinten mit verbundenen Augen Platz nehmen soll, dann wäre ich anfangs sicher etwas anders gefahren.

Beim Überqueren von Straßen oder Ampeln wird häufig weiter gefahren, obwohl inzwischen Autos kommen oder die Ampel auf Rot springt. Ich traue Autofahrern grundsätzlich nicht, aber die meisten halten an, wohl auch weil so eine Tandem-Gang schon sehr einschüchternd wirken muss. Trotzdem werde ich wohl kein richtiger Lemming mehr werden.

Menschen – bewundernswert

Die Mitfahrer werden jedes Mal neu ausgelost und das ist spannend. Denn man lernt jedes Mal einen neuen Menschen kennen und man verbringt ca. 6 Stunden mit ihm und den anderen Fahrern. So ergeben sich zwangsläufig Gespräche mit den Mitfahrern, aber auch mit den anderen Tandemfahrern. Da kann man sich zwanglos während der Fahrt mal in historische Fachseminare über Ludwig XIV oder die Sendung ‚Bürger fragen, Politiker antworten‘ einschalten oder interessiert zuhören. Das ist jedes Mal sehr anregend.

Manchmal vergesse ich, dass die Co-Piloten sehbehindert sind, denn sie bewegen sich oft so sicher wie die Sehenden. In den Gesprächen höre ich aber häufig von Problemen, die ich mir als Sehender gar nicht vorstellen kann. Wenn sie auch noch weitere Behinderungen haben, ist ihr Mut, sich einem Sehenden anzuvertrauen und ihre durchweg gute Laune und positive Einstellung umso bewundernswerter. Ich bemühe mich, diesem Vertrauen gerecht zu werden und meinen Fahrstil anzupassen, auch wenn mit mir ab und zu noch der Teufel durchgeht.

Bis nächstes Jahr
Rudi E.

Vielen Dank, Rudi, vor allen dafür, dass du die Anregung, etwas zu schreiben, so locker und konsequent umgesetzt hast.  Ein frischer Blick auf unsere Truppe tut uns immer gut. Er muss ja nicht nur von Ameisen kommen (siehe unten).

Neue Autoren

In dieser Ausgabe des Speichenspiegel-Jahrbuchs haben wir auch Beiträge von zwei neuen Autoren – wenigstens soweit ich mich erinnern kann. Wie ihr sehen könnt, freuen wir uns über jeden Beitrag und drucken ihn nach Möglichkeit ab. Rudolf  G. hat mir per E-Mail vier Fahrtenberichte zugeschickt, Dieter S. ist unter die Dichter gegangen und hat uns einen Verhaltenskodex gereimt.

Ein Tag wie kein anderer

Heute war es ein perfekter Tag! Es hat alles geklappt: wirklich alles!!

Sonst: „Oh, schnell zur Bahn und dann puh! noch mal Glück gehabt!“

Und heute? Wir schreiben den 28.09.2013, 08:26 Uhr. Ich stehe draußen, den Fahrradrucksack auf dem Rücken und in gespannter Erwartung. Ob Manfred es schafft, um halb neun hier zu sein?

Er schaffte es. Gemeinsam ging es dann mit dem Auto gemütlich nach Pinneberg. Dann übernahm Matthias. Matthias leitete die Tour. Nach der üblichen Begrüßung und der Bekanntgabe der einzelnen Gespanne, ging es von Pinneberg nach Henstedt-Ulzburg zur Alsterquelle. Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, als Funker diverse Infos nach hinten weiter zu geben.

An der Alsterquelle kassierte Anke das Startgeld. Dabei fiel uns  auf! „Oh! Da fehlt doch jemand!! Wo sind denn Marko und René???“  Keiner wusste es. Hans hat fleißig telefoniert. Zum Glück hatte Hans dann die Handynummer von René. Bei der Feuerwehr fanden wir ihn wieder. Große Erleichterung!!

Von der Alsterquelle aus fuhren wir zur Feuerwehr. Bei der Feuerwehr erwartete uns bereits eine schmackhafte Erbsensuppe, auf die wir uns schon den ganzen Tag gefreut hatten!  Nachdem wir uns gestärkt hatten, hielt Herr Knoll einen sehr spannenden Vortrag über die Feuerwehr von Henstedt-Ulzburg. Anschließend durften wir die Schutzkleidung, die Ausrüstung und die Fahrzeuge besichtigen und anfassen. Nach der Besichtigung ging es zurück nach  Pinneberg. Das Wetter war  auch „auf unserer Seite“. Ein schöner Tag ging in Pinneberg zu Ende. Ach ja! Da war ja noch der „Rundum-Service“! Von Manfred. Am Ende des Tages brachte er mich wieder nach Hause. Also: Es war ein rundum perfekter Tag!!

Rudolf G.

Fahrradkodex Weiße Speiche

Alle müssen pünktlich sein!
Zu spät - das ist gemein.

Tandem fährt man nicht allein,
sondern dies tut man zu zwein.
Vorne muss der Pilot sitzen,
hinten der Sozius schwitzen.

Pilot, vergiss den Partner nicht,
sonst stehst du im schlechten Licht.
Dies solltest du nicht machen,
weil dann wohl alle lachen.

Mancher meint, hinter seiner Stirn -
sei ein großes Hirn.
Diese Täuschung kannst du schützen,
musst nur einen Helm benützen.

Beim Fahren ist Handy
gar nicht trendy.

Doch Fahren – „oben ohne“
Haue gibt es zum Lohne.

Vorsicht bei Getränken,
du musst noch lenken.
1,6 Promille
sind zu ville!

Mit vollem Munde sprechen,
wird sich rächen.

Erlaubt ist das Pinkeln -
nur in stillen Winkeln.

Damit man nix kriegt an den Hacken,
soll`n wir nicht auf Wegen kacken.

Glas und Nägel sollt` man meiden,
denn Platten kann keiner leiden.

Wache Augen sind sehr wichtig,
doch ohne Freude läuft nichts richtig!

Eines wollen wir nicht vergessen –
wir brauchen auch ein gutes Essen.

Gut Rad!

Dieter S.

Rad- und Tandemfahren anders

Wenn man einmal über sein Vorderrad hinaussieht und die Presse mit der Weißen Speiche im Kopf liest, dann fallen einem Artikel und Nachrichten auf, über die man sonst vielleicht hinweggegangen wäre und sie vergessen hätte. Hier ist ein kleiner Strauß davon. Achtung, wir zitieren nur und haben nicht das Copyright.
Zu Beginn etwas Historisches:

Radlerkleidung vor 120 Jahren

Am 26.3.2013 hörte ich im Auto abends das Deutschland-Radio. In einem Feature von Jutta Jacobi wurde der als Theaterautor bekannte Arthur Schnitzler als begeisterter Radfahrer vorgestellt. Besonders faszinierte mich die genaue Schilderung der Radlerkleidung im Jahre 1893, also vor 120 Jahren. Das Folgende ist eine Mitschrift aus der Sendung:

Zeichnung einer Frau in altmodischer Kleidung. Allerdings beim Radeln.

Neuartige Fortbewegungsmittel faszinierten den Arzt und Schriftsteller Arthur Schnitzler. 1893 kaufte er sich ein Fahrrad, nahm Lektionen und legte die "bicycle"- Prüfung ab. Dann begann er seine Erkundungsfahrten in das Wiener Umland und andere Gegenden des damaligen k.u.k. Reiches. Wie Schnitzler gekleidet war, wenn er radelte, ist überliefert. Und seine Touren sind im Tagebuch verzeichnet. Auch, dass hin und wieder eine Partie missglückte, weil er stattdessen ein "bildhübsches Mädel" kennenlernte und mit ihr Soupieren ging. Ein bloßer Salonradler war der Dichter nicht. Auch durch das gebirgige Südtirol führten ihn seine Touren.

Tourendress des Bicycle-Fahrers

Tourendress:
a) Rock, Sakko aus Tegethoffblauem Trikotstoffe, einreihig, mäßig ausgeschnitten, vierknöpfig, mit sechs  Zentimenter breitem Umleg-Kragen, rechter Innenbrusttasche, linker Innenbrusttasche ohne Klappe, Etuitaschen, zwei Seitentaschen mit Klappen; innen Fangschnüre in gleicher Farbe, unter dem Kragen Latz zum Zuknöpfen bei aufgestülptem Kragen.

b) Pumphose aus gleichem Stoffe wie der Rock bis unter das Knie reichend
Arthur Schnitzler ließ beim Schneider Grünbaum arbeiten, einer allerersten Adresse ( … )

c) Kappe, englische Form mit Schild, ganz aus gleichem Stoffe wie der Dress-Anzug.

d) Gürtel, gleichfalls einfarbig Tegethoffblau, mit zwei Riemen, verschiebbarer Tasche aus Naturleder und vernickelten Schnallen

Tegethoffblau ist nicht Schnitzlers Wahl, sondern die offizielle Farbe seines Bicycle-Clubs. Sie ist nach einem Admiral der KuK-Flotte benannt.
Am 27. Juni 1893 legt A. Schnitzler die „Bicycle-Prüfung“ ab, nachdem er an vielen Tagen „Bicycle-Unterricht “ genommen hat.
Marie Glümer auf einem Foto im Bicycle-Kostüm: Ein kleines kokettes Strohhütchen auf dem Kopf, sonst hochgeschlossen und züchtig. Ein Gürtel betont die Wespentaille. Ganz offensichtlich trägt sie ein Korsett – undenkbar, es wegzulassen. Eine radfahrende Frau war schon Provokation genug, die Knöchel dabei zu zeigen, obszön. Ganz allgemein und nicht ganz grundlos verdächtigt man das Bicycle als Emanzipationsvehikel. Auf dem Rad die eigene Körperkraft zu erfahren, wohin sollte das führen.
Der erste Fahrradboom endete kurz nach der Jahrhundertwende mit dem Konkurs diverser Manufakturen. Die Oberschicht hat ein neues Spielzeug entdeckt:  im Jahr 1906 wurden allein in Wien 1087 Automobile gezählt, 1910 waren es 3085.

Ich möchte es gern der Erfahrung und Beobachtungsgabe unserer Mitglieder überlassen, sich eine ähnliche Beschreibung für die Fahrradkleidung in unserem Club vorzustellen und sie dann mit den Augen der damaligen Bicyclisten zu betrachten.
Auch heute sind Rad fahrende Frauen ein Zeichen für Emanzipation, aber wohl nur in einigen arabischen Ländern. Folgende Karikatur und Glosse fand ich im „Panorama“ in „Der Spiegel“ 15 / 2013, Seite 84:

„Nicht ohne einen Mann“

„Es heißt, selbst die Ehefrauen des Propheten Mohammed seien auf Kamelen und Pferden geritten – den vor 1400 Jahren üblichen Transportmitteln. Heute bleibt es Frauen in Saudi-Arabien unter Androhung von Peitschenhieben und anderen Strafen noch immer verwehrt, Auto zu fahren, und das, obwohl sich das Königreich so gern auf die Frühzeit des Islam beruft. Nun aber hat sich das religiöse Establishment dazu durchgerungen, Frauen zumindest das Fahrradfahren zu erlauben. Möglich soll dies allerdings nur in Parks sein und unter Wahrung streng islamischer Bekleidungsvorschriften. Und stets, so die Gelehrten, müsse ein männlicher Verwandter die Radlerin begleiten. Wie das aussehen kann, beschäftigt seither arabische Karikaturisten.“

Karikatur einer arabischen Frau in Burka auf dem Fahrrad. In einem Korb auf dem Gepäckträger steht (ja echt) ein Mann in traditioneller arabischer Kleidung

Für unseren Club wäre dies doch eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen. Lastenfahrräder sind immer noch billiger als Tandems.
Sehr emanzipiert hingegen scheint mir die Tandemfahrerin, die Jan Klijns Mutter in den Medien gefunden hat. Jan hat es für uns zusammengefasst.

Mit Chauffeur

Folgendes passiert in Holland wirklich. Jetta Klijnsma, deren Name nur zufällig meinem Namen ähnelt, ist Staatssekretärin des Ministeriums für soziale Themen und Arbeit in den Niederlanden. Ein Staatssekretär ist die rechte Hand eines Ministers. Natürlich steht jedem Minister und auch dem Staatssekretär ein Dienstwagen mit Chauffeur zu. Frau Klijnsma sieht dies jedoch anders. Sie fährt bei Wind und Wetter Tandem mit Chauffeur. Ein Tandem braucht sie weil sie spastische Beine hat. Sie konnte erst mit 13 Jahren einigermaßen laufen. In einer Talkshow begründete sie ihre Entscheidung damit, dass sie durch die vielen Sitzungen sonst an Kondition verlieren würde. Zudem kommt sie auf dem Tandem besser mit den Menschen in Kontakt und schneller zur Arbeit.

Ein Bild von Jetta Klijnsma mit ihrem Chauffeur auf dem Tandem auf dem Binnenhof, dem Regierungszentrum

Liebe Leserinnen und Leser, wenn euch Entsprechendes in unserer weiten Medienwelt auffällt, haltet es fest, als Kopie oder als Bericht. Vielleicht können wir es im Speichenspiegel bringen.

Die nächste Kuriosität hat Barbara Hömberg sich ausgedacht und ins Bild gebracht. Danke, Barbara, dass du unseren Speichenspiegel so gekonnt auflockerst.

Ein Beitrag für die Rubrik der technischen Neuheiten und Wiederentdeckungen:

Eine Alternative für das eBike

Es ist mir aufgefallen, dass im Tandemclub in den letzten Jahren öfter über eBikes diskutiert wird. eBikes sind Fahrräder mit Elektrounterstützung bis maximal 250 Watt. Dabei wird vergessen, dass es schon sehr lange eine ausgereifte Alternativ-Technologie zum eBike gibt. Nur haben viele Menschen diese Technologie noch nicht für sich entdeckt. Ich meine das hBike (wird als äitschbaik ausgesprochen). Die sportlicheren Modelle hBike besitzen eine Zusatzleistung von zirka 100 Watt mit Spitzen bis zirka 400 Watt. Im Gegensatz zum eBike gibt das hBike nicht schon nach 50 km den Geist auf, sondern, je nach Typ und Modell, auch erst nach bis zu 150km. Das hBike ist zudem umweltfreundlich, weil es auf Biosprit (z.B. Äthanol) und/oder Bio-Feststoffzellen läuft. Ladestationen sind weltweit in großer Anzahl vorhanden. Als Nachteil allerdings gilt die lange Ladezeit von ungefähr acht Stunden. Dafür ist jedoch der Motor leicht austauschbar.

Selber fahre ich seit dem Jahr 2000 regelmäßig hBike. Seit 2009 besitze ich sogar selber welche. Diese funktionieren zu meiner vollen Zufriedenheit und die Betriebskosten sind minimal. Nur der Pflegeaufwand ist etwas höher. Wer Interesse an hBikes hat, kann sich gerne bei mir (Telefon 040/320 30 641, Mail: Jan.Klijn@tandemclub.de) oder beim Tourenwart melden für mehr Information.

Gruß, Jan
PS: Übrigens, wie beim eBike ist ein hBike mit leeren Kraftzellen nur eins - schwer.

Eine erste Leserantwort können wir auch schon abdrucken:

  • Es sind zwei Bilder enthalten. Das erste Bild zeigt eine schematische Darstellung eines Otto-Motors, das zweite Bild den linken Kolben eines Fritz-Motors.

Sehr geehrter Herr Dr. Klijn,

Ihren Artikel über die hBikes habe ich mit großem Interesse gelesen. Auch ich habe seit vielen Jahren Erfahrung mit diesen Fahrzeugen, und meine Begeisterung ist ungebrochen! Ich möchte hier für alle Interessierten noch auf ein besonders effizientes Modell hinweisen. Und zwar konnte ein Modell entwickelt werden, mit dem sich nicht nur 150, sondern sogar 300 km zurücklegen lassen. Dabei ist es ebenso pflegeleicht und umweltfreundlich (weil nicht Benzin- sondern Biokraftstoff-getrieben) wie von Ihnen beschrieben. Dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst ist eine auf modernster Humanoid-Technologie weiterentwickelte Variante des altbekannten Otto-Motors und ist unter der Bezeichnung "Fritz-Motor" erhältlich.

Ulrike Gös

Pressespiegel 1 - Hamburger Abendblatt

Sehende radeln mit Sehbehinderten durch die Natur

Hamburger Abendblatt - Norderstedt
Dienstag, 8. Oktober 2013

Diese Artikel war zu lesen im Hamburger Abendblatt von 8. Oktober 2013. Das Abendblatt bietet die Artikel an auf der Website, wofür man ein Abo abschließen muß. Der direkte Link zur Artikel über die Weisse Speiche.

Mitglieder, Piloten und Freunde des Tandemclubs können ein Heft bekommen durch an die Redaktion (Detlev Kahl, Ulrike Gös und Jan Klijn) zu mailen: speichenspiegel@tandemclub.de.

Pressespiegel 2 - Rauchzeichen (Reemtsma)

Ein Foto einer Schlange von Tandemfahrer.

Reemtsma Help Day 2013

Die kühnsten Erwartungen übertroffen

Im August fand der zweite Reemtsma HELP DAY statt. Das Angebot war groß, die Resonanz noch größer und das Ergebnis riesig. RAUCHZEICHEN war natürlich wieder mit dabei.

»Tour de Friends«: unterwegs mit dem Tandemclub »Weisse Speiche«

Bei unserem HELP DAY am 7. August, sind zwölf Piloten für das Projekt »Tandemclub Weisse Speiche« zur Fahrradtour »Pinneberg und Umgebung« angetreten. Blinde, sehbehinderte und sehende Tandemfahrer demonstrierten mit dieser Tour die Verbindung anspruchsvoller sportlicher Leistung mit gesellschaftlichem Engagement für die uneingeschränkte Teilhabe behinderter Menschen am öffentlichen Leben. Obwohl einige Leute behaupten, dass die Mitfahrt von einem Blinden für den Sehenden nicht spürbar ist, stimmt das nicht. Die gemeinsame Tandemfahrt basierte auf großem Vertrauen zwischen Steuermann (vorn) und Kapitän (hinten), vordefinierten Absprachen und der ständigen Kommunikation miteinander. Unter dem Motto »Gemeinsam geht alles!« hat die Gruppe eine Distanz von fast 48 Kilometern zurückgelegt. Dabei ging es vielfach über Feldwege durchs Grüne, galt es doch Ampeln und Straßen mit viel Verkehr zu meiden. Eine herrliche Abwechslung von der täglichen Büroarbeit. Nach einer Stärkung in der Rissener Kiesgrube bei Suppe und Brötchen ging es frisch gestärkt über Wedel und die Holmer Sandberge zurück nach Pinneberg. Dabei staunten die Piloten nicht schlecht über die Ausdauer und Fahrradsicherheit der Sehbehinderten. Die Tandemteams wurden im Laufe der Tour zu einer echten Einheit. Zum Abschluss der Tour haben sich alle zusammen auf dem Vereinsgelände versammelt und gemeinsam den Tag bei Kaffee und Kuchen abgeschlossen. Für alle war dies ein Tag mit neuen Eindrücken, tollen und wertvollen Erfahrungen und einem beeindruckenden »Wirgefühl«. Von Alexander Nalivkin und Olaf Thiemann

Vielen Dank, dass wir diese Artikel in unserem Speichenspiegel abdrucken durften.

De pedelatoribus - Neues von Formica, unserer wissbegierigen H-Meise, oder auch „Tandem-Latein“

Die uns allen bekannte Ameise Formica (pinnebergensis), die das Sozialverhalten der Kerbroller fahrenden H-Ameisen aus eigenem Erleben studiert, hat ihre Projektbeschreibung fertiggestellt. Um der Arbeit einen wissenschaftlicheren Anstrich zu geben, hat sie eine Typologie der H-Meisen beschrieben und ihnen lateinische Bezeichnungen gegeben. Formica hat nämlich das große Latinum, aber viele Begriffe kannte sie aus den klassischen Autoren gar nicht. Also musste sie ein bisschen nachhelfen und neue Begriffe bilden. Sie hat sich aber dabei bemüht, eingängige Begriffe zu wählen und dennoch möglichst den Regeln des klassischen Lateins zu folgen. Hier ist ihre Nomenclatura.

Formica hatte schnell festgestellt, dass es Unterschiede in der Sehfähigkeit der H-Meisen gibt. Sie unterscheidet drei Typen:

  • Primo - die normalo-videntes, normal Sehende, abgekürzt Norvis
  • secundo - die vistae impediti, die Sehbehinderten, abgekürzt Vimpis, und
  • tertio - die nihil-videntes, die Blinden oder Nicht-Sehenden, abgekürzt Nivis.

Man musste aber schon genau beobachten, wer zu welchem Typ gehört. Die Vimpis bewegen sich auf dem bekannten Gelände ziemlich unauffällig, die Nivis sehen mit einem weißen Stock oder ihren Händen. Manche haken sich auch bei den Norvis ein oder lassen sich von ihnen z.B. bei der Fahrwerkeinstellung helfen.

Wie in einem wimmelnden Ameisenhaufen für Außenstehende alle gleich aussehen, so ist es auch bei den H-Meisen. Es gibt aber verschiedene Funktionen, Kasten und Typen bei diesem Volk der H-Meisen, deren Unterscheidungsmerkmal zu anderen H-Meisen-Völkern das Fahren auf den langen Kerbrollern zu sein scheint, die Lust am Kurbeltreten, weshalb sie die Gattungsbezeichnung pedelatores bekommen, genauer noch die pedelatores duplices, die gedoppelten, da sie immer zu zweit auf einem Kerbroller fahren.

Asterix und Obelix schauen ein vorbei fahrendes Tandem an mit zwei Römer drauf. Obelix sagt: "Die spinnen die Römer, jetzt fahren die auch noch Doppelrad." Und Asterix sagt dazu: "Immerhin haben die coole Helme."

Bei den Touren nehmen einige besondere Positionen ein. Da gibt es einen Hauptorganisator, den praepositus expeditionum, oder in H-Meisisch Tourenwart. Er verkündet z.B. vor der Tour die Zweier-Gespanne für die Kerbroller, die Geminationes. Sie bestehen aus einem Gubernator, einem Steuermann, der auch eine Steuerfrau sein kann, auf jeden Fall aber ein Norvi sein muss. Der Partner oder die Partnerin, meist Vimpi oder Nivi, heißt Geminator. Sie müssen großes Vertrauen zu ihren Gubernatores haben, denn außer Treten, Nichttreten, Gewichtsverlagerung und Abspringen können sie die Fahrt nicht beeinflussen. Daher gehören die Geminatores auch immer zu den Pedelatores galeati, den Helmgeschützten, während es unter den Gubernatores auch viele  non-galeati gibt. Das kann gefährlich werden, denn wenn ein unbehelmter Gubernator bei herabhängenden Ästen den Kopf wegduckt, bekommt der Geminator eine gewischt.

An erster Stelle während des Ausflugs fährt der Pedelator primo-rotarius, der Vorwegfahrer, der nicht überholt werden darf. Dieser ist auch gleichzeitig der dux manipuli pedelantis, vulgo Tourenleiter. Ein solcher hat viel Arbeit vorher. Er muss ein gutes Ziel haben, wo man möglichst im Sitzen essen kann. Er muss die Wege heraussuchen, sie mehrfach und möglichst noch am Tage vorher abfahren, damit nicht plötzlich Straßen gesperrt oder Parks geschlossen sind. Es muss seine Route sicher im Kopf haben, damit er auch von guten Ratschlägen, welche Wege besser wären, sich nicht beirren lässt. Er muss auf dem Weg auf Engpässe durch Schranken achten, viel befahrene Straßen meiden, die Durchweichung der Wege bei Regen in Rechnung stellen und nicht zuletzt gute Stellen zum Winkeln und Wankeln einplanen. Während der Fahrt muss er ein Gefühl für Tempo und Zusammenhalt haben. Er muss beim Anfahren den Zieharmonika-Effekt einkalkulieren, d.h. auch wenn er langsam losfährt liegen zwischen ihm und den zuletzt Startenden schon leicht ein paar hundert Meter.

Das Pendant zum primo-rotarius ist naturgemäß der pedelator extremo-rotarius, der Hintenfahrer oder Lumpensammler. Diese Geminatio muss kräftig zutreten können, nein, nicht in den Hintern der Zögerlichen, sondern um unvermeidbare Rückstände immer wieder aufzuholen. Die beiden müssen mit Zuckerbrot und Peitsche arbeiten können, um die Letzten wieder an das Feld heranzuführen. Und sie müssen den Kontakt zum primo-rotarius halten, was die spezielle Aufgabe des Pedelator aero-loquens ist, des Funkers. Wenn die Sicht- und Funkverbindung abreißt, wird es schwierig. Dann kommen diese traurigen Grüppchen zustande, die andere fremde pedelatores oder bipedantes (Fußgänger) fragen, ob sie nicht einen Haufen Kerbroller gesehen haben.

Damit sind auch schon die wichtigsten offiziellen Funktionen bei den H-Meisen aufgezählt.

Aber es gibt auch noch Typisierungen oder Typen, die zwar nicht prinzipiell notwendig für den Ablauf einer Tour sind, die aber für gute Stimmung und Laune eine bedeutende Rolle spielen. Ganz wichtig sind dabei die pedelatores adiuvantes, die Helfer und Schrauber, wenn bei einem Kerbroller etwas nicht so gut oder gar nicht rollt. Die eilen dann mit Spezialwerkzeugen zum leidenden Kerbroller, schrauben, flicken, fluchen, pumpen, während die anderen herumstehen, gute Ratschläge geben und evtl. frieren. Bald darauf kann die Geminatio wieder aufsteigen und mit Dank und Vorsicht weiterrollen. In schwierigen Fällen wird der Kerbroller ausgetauscht, dann muss der conductor automobilis mit dem carrus auxiliaris, dem Hilfswagen kommen. Das ist ein ganz findiger, der findet immer einen Platz zum Parken in der Nähe der beschädigten Kerbroller.

Formica hat weiterhin Gegensatz-Paare bei den H-Meisen beobachtet und benannt. Da gibt es welche, die sich an Glimmstängeln Finger und Mund wärmen und dabei Rauch in die Luft blasen. Das sind die Fumatores. Formica meint, dass sie den Weg markieren. Wir wissen ja, dass Formica den Weg am Geruch nachvollziehen könnte, auch ohne diesen beizenden Rauch, aber sie ist sich nicht sicher, ob die Non-Fumatores, die Nichtraucher, das auch können.

Dann gibt es welche, die ständig laut reden, das sind die Pedelatores multiloquentes. Für Formica ist nicht zu fassen, wie viel diese Typen sich mitzuteilen haben. Eine besondere Spezies sind in dieser Gruppe die hilarii, die lachen auch noch viel und laut. Offensichtlich hebt das aber die Laune bei allen. Andere wiederum reden wenig oder schweigen gar überwiegend, das sind die Pedelatores taciturni. Am Mittwoch nach der Tour oder während einiger Pausen reden ganz bestimmte Leute für alle und ihnen hört man auch meistens zu. Das sind die pedelatores declamatorii oder recitantes, Vortragende und Vorleser. Die werden sogar beklatscht, am meisten wenn sie Lustiges vortragen oder etwas, was Formicas Professor „unanständig“ nennt.

Die Pedelatores haben unterschiedliche Grundgeschwindigkeiten. Es gibt richtige Tempo-Bolzer, Propulsatores genannt, und dann wieder welche, die schleichen und träumen, die Pedelatores impediti oder somnolentes. Gleiche Geschwindigkeitstypen sollte man besser nicht in eine Geminatio stecken, sondern lieber mischen. Das dient der allgemeinen konstanten Fortbewegung.

Da gibt es noch einen seltenen, aber markanten Typus. Den Pedelator semi-nudus, den Halb-Entblößten. Immer wenn Sonne scheint und die Temperaturen über 15 Grad steigen, rollt und geht er mit nacktem Oberkörper. Die anderen rollenden H-Meisen machen vielleicht Bemerkungen, sind aber daran gewöhnt. Neulich fuhr die Truppe aber durch eine Kleinstadt und  junge H-Meisen strömten aus einem Lerngebäude. Als sie den semi-nudus erblickten, gab es erstaunte Ausrufe ob der definierten Muskeln und des Waschbrett-Bauches.

Zuguterletzt müssen noch die ped. placenta-portantes, die Kuchenmitbringer, und die ped. dulcia distributores, die Bonsche-Verteiler, genannt werden. Letztere werden in den Rollpausen tätig, erstere verschönen das gemütliche Beisammensitzen. Sie hat Formica am liebsten, fallen doch immer wieder unglaublich leckere Brocken für sie und ihr Volk ab.

Detlev Kahl

Zwei Jahre war Henning abstinent, nun ist er wieder in die Bütt gestiegen und hält sich und uns den Spiegel vor.

Kleine Pilotenanmerkung 2013

Diese Zeilen wollen verbinden
auf heitere und lockere Art
zwischen Piloten, Sehbehinderten und Blinden
das ist heute mein kleiner Part.

Meist fühlt man sich am Tourenende geschafft
obwohl, und das ist beim Tandemfahren ja der Sinn,
die wenigsten haben das aber je gerafft,
ist doch der Schweißverlust der eigentliche Gewinn.

Die meisten essen zu viel, das ist Fakt.
Nur soviel essen und trinken wie wir verbrauchen.
So schließen wir mit unserem Körper einen Pakt,
dafür müsste man sich aber viel mehr schlauchen.

Und hat man zu viel Druck auf dem Untersatz,
nein, nicht die Bremsen, sondern die anderen Backen,
hat dazwischen ein Lammfell noch Platz
von einem Tier aus Ording oder aus Wacken.

Auf diesem Fell zu duften und schwitzen,
darüber könnte das Lamm schon klagen,
man könnte doch auch auf was anderem sitzen,
So möcht‘ es  post mortem  uns folgendes sagen:

Mein Fleisch könnt ihr genießen, guten Appetit,
jedoch mein Fell ist zum Kuscheln gedacht
und nicht für den Sattel zum höllischen Ritt,
das versteht ihr doch, wär ja gelacht.
Nehmt Kunststoff, diesen kann man auch kaufen,
Kupferdrähte rein, das hat Sinn.
So glaube ich, könnte das laufen,
eure Schrauber bekommen das hin.

Dann könnte mit Druck und einigermaßen Masse
ein E-Bike draus werden, man glaubt es kaum.
Kunststoff statt Fell, das wäre Klasse
Ach, Entschuldigung, war nur ein Traum.

Was wäre eine Tour ohne Kraft und Kommunikation
ohne Spaß und ohne kleine oder großen Spitzen,
dafür kommen wir doch alle, glaub ich schon
zum Essen, zum Radeln und auch zum Sitzen.

Im Sommer saßen wir mal vor dem Botanischen Garten,
zwei Sehbehinderte mit mir, wir aßen und tranken
zweites Frühstück, wir mussten auf die Anderen warten,
um für den Rest der Tour Kraft zu tanken.

Da sagte Dieter M.,  ich sähe heut gut aus,
Fritz stimmte ihm zu bei vollem Verstand.
Ich dachte dabei, mich zwickt eine Laus
und meinte: nun haltet mal den Rand.

Wie könnt ihr das sehen bei diesem Licht
und wusste nicht, was die Zwei dachten.
Ich meinte: ihr seid ja nicht ganz dicht.
Die Beiden sich über mich fast kaputt lachten.

So musst du dich als Pilot nicht sorgen,
zwischen Anspruch und Wirklichkeit kein Spalt klafft,
für Spitzen sorgen die meisten schon am Morgen,
abends ist man dann körperlich und geistig geschafft.

Und nach Dusche und Schlaf am nächsten Morgen
weißt du, es war mal die richtige Weiche,
um zu vergessen die kleinen alltäglichen Sorgen,
die du gestellt hast in Richtung Weiße Speiche.
Aber wie immer gibt`s Ebbe und Flut,
was bleibt ist das Watt.
In diesem Sinne grüßt euch
euer Henning B. <Anmerkung des Webmasters, Mitglieder wissen natürlich welchen Namen hierher gehört und auf "Watt" reimt>

Henning B.
16. November 2013

Unsere Radtour an der Ems 2013

Bericht über die Wochentour

Am dritten Juni war es für uns alte Tourenhasen wieder einmal soweit: Mit sechs Tandems machten wir uns auf, den Ems-Radweg hinabzuradeln. Am Morgen waren wir mit dem Zug nach Paderborn, unserem Startpunkt, gefahren und noch am Nachmittag in die Nähe der Emsquelle gekommen. Die Räder waren inzwischen zusammen mit dem Gepäck auf dem kleinen Hänger nach Paderborn gebracht worden. Dies hatte dankenswerterweise Volker W. besorgt, der uns eigentlich auf der ganzen Tour begleiten wollte, davon aber kurzfristig leider Abstand nehmen musste. An Volker trotzdem ein herzliches Dankeschön!

Einspringen konnte dann zu unserer großen Freude ein weiterer Volker, nämlich der Bruder von Maike, unserer Tourenleiterin. So standen uns doch wie geplant die Fahrzeuge für den täglichen Gepäcktransport zur Verfügung. Für diesen Superservice, dank dessen wir immer nur Tagesgepäck dabei haben mussten, sind wir Volker zu großem Dank verpflichtet, der an dieser Stelle von Herzen abgestattet werden soll. Volker war immer zur Stelle und hat unsere Gruppe wunderbar ergänzt.

Wer wie wir die Ems von der Quelle an hinabfährt, den erwartet am Oberlauf eine einzigartige Landschaft, die von zahlreichen Wasserläufen, Seen und Teichen, unterbrochen von Feuchtwiesen und Gehölzen, geprägt ist. Im Frühsommer singen dort zahllose  Vögel, und wer nicht singt, macht sich durch Rufe lautstark bemerkbar. In Hamburg muss man weit laufen, um eine solche Vielfalt an Vogelstimmen zu hören.

Der Charakter des Emslandes bleibt auch im weiteren Verlauf des Flusses durchaus ländlich, allerdings unterbrochen durch kleinere und größere Städte. Die Namen Rheine, Telgte, Lingen, Papenburg, Leer und Emden kennt wohl jeder. Dort findet man charakteristische, oft liebevoll restaurierte Architektur, die für das Münsterland und Ostfriesland typisch ist. Unsere Piloten haben uns vielfach davon berichtet.

In Warendorf konnten wir kurz das weltberühmte Gestüt, das heißt die Stallungen mit den Boxengassen durchstreifen. Für mich, der ich vom Dorf komme, war besonders der typische Geruch nach Pferdeschweiß und –pipi eindrucksvoll, ja geradezu heimelig!

Wie stark das Emsland ursprünglich von Feuchtgebieten und Mooren geprägt worden ist und wie die Menschen damit schon vor Jahrhunderten fertig geworden sind, wurde uns in einem kleinen Freilichtmuseum in Papenburg erläutert und gezeigt. Hier haben wir sehr anschaulich im Rahmen einer Führung die Technik des Torfstechens kennen gelernt. Womit die Bewohner der Fehndörfer ihren Lebensunterhalt verdienten. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen waren dabei lange Zeit mörderisch.

Ein spektakulärer Abschluss der Tour war ein Tag auf der Insel Borkum, wohin wir mit der Fähre von Emden kamen. Dort herrschte bei schönstem Wetter Bade- und Kurbetrieb, und wir mussten auf den teils engen Dünenwegen äußerst vorsichtig fahren, um nicht uns und das zahlreiche Publikum zu gefährden.

Die Quartiere waren durchweg gut, meist mit Restaurant, so dass wir abends gleich bei der Ankunft (das war das Schönste!) das erste Bier zischen konnten – vor allem anderen. Kulinarisch haben wir uns durchaus die eine oder andere Extravaganz gegönnt. Dazu gehört auch die Geschichte, die wir ziemlich zu Anfang erleben durften:
Da wir an diesem Tag in einem Garni untergekommen waren, fuhren wir zum Essen zu einem wenige Kilometer entfernten Landgasthaus, wo wir auch gut versorgt wurden. Mit der Wirtin kamen wir während des Abends in ein angeregtes Gespräch, das schließlich so freundschaftlichen Charakter erhielt, dass Madame eine große Flasche Aufgesetzten auf den Tisch stellte und eifrig immer wieder eingoss, nicht zum wenigsten sich selbst. Als es bereits stark zu dunkeln begann, machten wir uns leicht angeschickert auf den Heimweg. Dabei hatten wir es wohl der Trinkfestigkeit unserer Piloten zu verdanken, dass wir ohne Schaden im Quartier ankamen. 

Die Tour verlief dank des guten Radmaterials vollkommen störungsfrei. Wenn doch eine kleine Reparatur nötig wurde, erledigte diese unser Gerätewart Hans prompt und mit Bravour. Vielen Dank auch dafür.

Es versteht sich von selbst, dass die Reise ohne die professionelle Vorbereitung und Durchführung durch Maike nicht so toll hätte verlaufen können. Unsere Tourenleiterin verdient Dank und Bewunderung für ihre Umsicht und stets gute Laune, mit denen sie allen Eventualitäten souverän gerecht wurde.

So kann ich also berichten, dass wir nach zehn Tagen und 540 Tourenkilometern ohne größere Blessuren von Emden aus die Heimreise antreten konnten.              

Klaus K.

Die Weisse Speiche trauert

Ludwig Dwenger verstarb am 1. Mai 2013 im Alter von 65 Jahren

Zunächst war da Maike und nahm als Pilotin an den Touren der WEISSEN SPEICHE teil. Doch bald tauchte auch Ludwig, ihr Ehemann, auf. Als Pilot konnte er aber kaum an Touren teilnehmen, denn bald trat eine Sonnenallergie auf, so dass er die Strahlen dieses Himmelsgestirns meiden musste. Dennoch blieb er dem Verein eng verbunden. Überall, wo es zuzupacken galt, war Ludwig zur Stelle. Auf dem Vereinsgelände legte er immer Hand an, wenn es nötig war. Vor allem aber versorgte Ludwig uns mit Nahrung. Gleichgültig, ob auf dem Vereinsgelände in Pinneberg nach dem Radputzen bzw. anderen Zusammenkünften oder während Touren im freien Gelände – Ludwig stand an seinem überdimensionalen Kochtopf und schenkte Suppe aus. Als Maike von Ute die Leitung der „Sommertour“ übernahm, war Ludwig auch hier zur Stelle. Er brachte nicht nur sein Auto als Begleitfahrzeug, sondern auch gleich sich selbst als Fahrer ein. So transportierte er nicht nur unser Gepäck, sondern war auch schnell zur Stelle, wenn Hilfe benötigt wurde.

Wenn es an seinem historischen Haus in Ellerbek etwas zu werkeln gab, so tat er dies am liebsten allein. Dennoch war er kein Eigenbrötler. Wenn er an seinem Kochtopf stand und Suppe ausschenkte oder in Pinneberg arbeitete, war er stets für einen Schnack zu haben. Er war nicht nur auf Grund seines Einsatzes, sondern auch wegen seiner Persönlichkeit eine Bereicherung für den Verein.

Jeder kannte Ludwig.
Wir vermissen ihn und werden ihn nicht vergessen.    

Die Satzung des Vereins gibt uns die Möglichkeit, auf Grund besonderer Verdienste Ehrenmitgliedschaften zu verleihen. Diese Ehrung ist nicht mit Geld oder sonstigen Vorteilen  ausgestattet, sie gewinnt ihre Bedeutung allein aufgrund ihrer Seltenheit. So hat der Verein in seiner nunmehr nahezu dreißigjährigen Geschichte nur zweimal von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, diese Ehrung zu verleihen.

Diese Auszeichnung verlieh die Mitgliederversammlung Hans Adam (gestorben am 28. Dezember 2012 – siehe Speichenspiegel 22 / 2012-13) und

Ute Fitzner, gestorben am 8. Juni 2013 im Alter von 73 Jahren.

Ute kam bereits bald nach Gründung des Vereins zur WEISSEN SPEICHE. Sie fuhr unzählige Touren als Pilotin mit. Einige Jahre später begann sie, mit einem kleinen Häuflein zu den alljährlichen Treffen des Bundes Deutscher Radfahrer zu radeln. Allmählich wurde aus dem Häuflein eine ansehnliche Truppe, und bald waren diese Sternfahrten ein fester Bestandteil im Tourenprogramm der WEISSEN SPEICHE. Geradelt wurde in ganz Deutschland, aber auch in Österreich und den Niederlanden. 

Ute organisierte die Touren – arbeitete die Strecke aus, reservierte die Hotelzimmer etc. und leitete die Touren. Lange vor dem Start begann sie mit den Vorbereitungen, investierte eine Vielzahl von Stunden, um alles so gut wie irgend möglich zu machen. Mit viel Liebe und Engagement war sie bestrebt, die Touren so angenehm und interessant zu gestalten. Sie wollte das Unmögliche möglich machen: jedem gerecht zu werden.
So organisierte und leitete Ute sechzehn Touren.

In Anerkennung ihrer Verdienste für das Radwandern wurde Ute vom Bund Deutscher Radfahrer in dessen Ehrengilde aufgenommen und der Tandemclub WEISSE SPEICHE verlieh ihr die Ehrenmitgliedschaft.

Schon bald nachdem Ute diese Arbeit auf sich genommen hatte, zeigten sich bei ihr gesundheitliche Probleme, die sich langsam immer mehr verstärkten. Nicht nur mit eisernem Willen, sondern auch  mit bewundernswerter Zuversicht sogar in sehr schweren Lebenslagen  kämpfte sie dagegen an. Wir können nur erahnen, welche Anstrengungen und Qualen es für sie oftmals waren, um das Ziel zu erreichen. Dennoch fuhr Ute, nachdem sie die Leitung der Sommertouren an Maike übergeben hatte, wieder als Pilotin mit – bis es wirklich nicht mehr ging! Sie lebte damals schon einige Zeit zusammen mit Helmut in Bad Bevensen und verlor auch nach ihrem Rückzug aus dem aktiven Radlergeschehen nicht den Kontakt zur WEISSEN SPEICHE. Bis zu ihrem Tode bestand ein sehr enges Verhältnis zu einer ganzen Reihe von Vereinsmitgliedern  und die Belange des Tandemclubs lagen Ute stets am Herzen.

Ute wurde in Masuren geboren. Die Kriegsereignisse zwangen sie, ihre Heimat zu verlassen. Doch sie ging nicht einfach fort – sie wurde entwurzelt, und diese Wurzeln zog sie ihr gesamtes Leben hinter sich her. Ihr Herz blieb in Lötzen. Dorthin ist sie nun zurückgekehrt, und wir hoffen, dass sie nun ihren Frieden gefunden hat.

Vergessen werden wir sie jedenfalls nicht.

Gregor Scheithauer
<Nachtrag des Webmasters: ausnahmsweise werden die vollständigen Namen unserer Verstorbenen mit Vor- und Nachname erwähnt. Ich möchte diese Nachrufe nicht weglassen noch die Nachnamen der Verstorbenen auf die erste Buchstabe reduzieren.>

Zitat

„Auf dem Rad fährt man den Gedanken davon. Nach einer Weile ist man nur noch die innere Bühne für die Landschaft, durch die man fährt.“

Quelle: Peter Sloterdijk im Stern 2/2010, S. 110.

Frage der Redaktion: Gilt das auch für unser Tandemfahren?

Die Geburtstage

Aus Datenschutzgründe können die Geburtstage nicht im Internet veröffentlicht werden. Wer die Geburtstagsliste lesen möchte kann eine vollständige Version des Speichenspiegels in Papierform, Word oder PDF bekommen von Detlev Kahl, Ulrike Gös und Jan Klijn unter der Mail-Adresse speichenspiegel@tandemclub.de beantragen.

Konvergent und divergent

Das Bild zeigt zwei Tandems der besonderen Art. Oben das Modell K1. In prinzip besteht es aus zwei normale Fahrrädern die einander zugewand sind, jedoch teilen sie sich das Vorderrad. Das untere Modell mit dem Namen K2 besteht wieder aus zwei normale Fahrrädern, allerdings zeigen die Lenker nun von einander weg plaziert und teilen die Räder sich das Hinterrad.

Modell K1 (oben): Konvergierendes Tandem - Modell für Verlobte.
Modell K2 (unten): Divergierendes Tandem - Modell für Scheidungskandidaten.

Quelle: Carelman, Catalogue d'objets introuvables, Paris:André Balland 1969.
Übersetzung aus dem Französischen: Detlev Kahl


Das Bild zeit zwei Personen aus dem Tandemclub. Der rechte mit dem Blindenstock fragt: "Wo geht's denn hier zur Blindverkostung?" Die Person links mit dem Tortchen in der Hand zeigt nach links.

Blindverkostung.

Zeichnung: Barbara Hömberg.

Das Foto zeigt einige Bleche mit Kuchen beim Abradeln in Oktober 2013.

Auch an dieser Stelle ein Dankeschön an alle Kuchenmitbringer (p. placenta portantes siehe Artikel De pedelatoribus  -  Neues von Formica, unserer wissbegierigen H-Meise, oder auch „Tandem-Latein“ oben)

Das Bild, ein Kunstwerk, zeigt ein Fahrrad zerlegt in seine Einzelteile. Alle Teile sind schöne sortiert: die speichen ordentlich zusammengelegt, die Schläuche in er form eines Kreuzes in der Felge, die Kettenglieder schön hintereinander.

Ein Fahrrad in Einzelteilen ist dem Buch "Things Come Apart" von Todd McLellans entnommen. Ein Tandem hat er übrigens nicht zerlegt...

Quelle: http://www.thisiscolossal.com/wp-content/uploads/2013/05/scott-2.jpg.