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Header vom Speichenspiegel: ein Tandem mit darunter die Worte "Speichenspiegel" und "Das jährliche Magazin des Tandem-Clubs Weisse speiche Hamburg e.V.

Speichenspiegel 2012/2013

Redaktion: Detlev Kahl
Layout (Website und Papierversion): Jan Klijn
Druck und Versand (Papierversion): Ulrike Gös

Anmerkung: Einige Daten, wie der Geburtstagskalender und die meisten Nachnamen, werden aus Datenschutzgründen an dieser Stelle nicht veröffentlicht. Bitte wendet Euch wegen einer kompletten Version des Speichenspiegels an die Redaktion.

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

wie ihr vermutlich gehört oder gelesen habt, gibt es für den Speichenspiegel 2013 ein neues Redaktionsteam. Ulrike Gös organisiert weiterhin den Druck, Jan Klijn macht das Layout und ich, Detlev Kahl, fungiere als Redakteur. Diese Funktionen hat Ulrike viele Jahre allein ausgefüllt, dafür wollen wir ihr an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich danken, denn es ist in der Tat Arbeit für drei.
An der Form und auch an den bewährten Themenkreisen werden wir nicht viel ändern. Neue Besen müssen ja nicht gleich alles beiseite kehren. Unser Ehrgeiz ist es aber schon, dem Speichenspiegel noch mehr Interessenten zu gewinnen. Es gibt noch zu viele Nicht-Leser, wie Nachfragen in den letzten beiden Jahren offenbarten.

Meine Befürchtung, dass wir nicht genug Stoff bekommen würden, war unbegründet. Ohne große Bittstellerei trudelten die Beiträge bei mir ein, mit einer Ausnahme, aber die kam dann auch noch rechtzeitig.  Herzlichen Dank an alle Autoren. Da der Layouter und der Redakteur sich auch auf diesem Feld betätigten, herrscht kein Mangel an Texten.

Natürlich gibt es wieder Fotos von den verschiedenen Höhepunkten, wir konnten dankenswerterweise aus vielen auswählen. Und - wir haben seit Längerem wieder ein paar Zeichnungen, vielmehr Cartoons, die speziell für den Speichenspiegel geschaffen wurden. Barbara Hömberg lieferte uns Cartoons zu verschiedenen Beiträgen, die zeigen, dass sie ihr Metier immer noch aus dem effeff beherrscht, auch wenn die Bescheidenheit sie anderes sagen ließ.

Wir wünschen angeregte und anregende Lektüre.

Euer Redaktionsteam

Was wohl nicht zu ändern ist

"An die Räder!" Dem aufmerksamen Beobachter - aber nur einem solchen - fällt auf, dass eine leichte Bewegung in die Truppe kommt, die aber sogleich wieder abebbt. Alle stehen oder sitzen herum, gehen weiter ihrer Beschäftigung nach oder führen ihr Gespräch fort. Keiner scheint sich angesprochen zu fühlen. Nach einiger Zeit: "Es geht weiter!" Nun kann auch der aufmerksamste Beobachter keinerlei Reaktion mehr in der Truppe feststellen. Aufgrund der offenbar bedeutungslosen ersten Aufforderung wird der nochmalige Aufruf völlig ignoriert. Doch dann – allerdings erst nach geraumer Zeit – kommt plötzlich Bewegung in den Laden. Wie von einer geheimen Kraft angetrieben beginnen manche ihren Helm aufzusetzen oder sich in Richtung Rad zu orientieren, was eine ins Gespräch vertiefte Pilotin zu dem Ausspruch veranlasst: "Ich glaube, es kann weitergehen."

"Guten Morgen, liebe Tandemfreunde!" Nun heißt es 45 Minuten oder mehr warten. Rufe – hin- und herlaufen – schrauben – pumpen – Räder auf- und abladen etc. Dennoch ist es für mich nie nachvollziehbar, warum dies alles so viel Zeit in Anspruch nehmen soll. Ich habe jetzt die 26. Saison hinter mir und war in aller Regel nach ca. 10 Minuten startklar.

Ist es Gleichgültigkeit? Disziplinlosigkeit? Kommunikationsbedürfnis? Wohl von jedem ein bisschen. Selbstverständlich gab es in der Vergangenheit Versuche, diese Prozesse zu beschleunigen. Zum Beispiel sollten die Mitfahrer stets dasselbe Rad benutzen, um wenigstens die Satteleinstellung zu sparen – vergeblich. Es hat sich nie etwas geändert, und diese Dinge sind fester Bestandteil des Tourengeschehens. Was allerdings hilft,  ist – wie in der hinter uns liegenden Saison gut zu beobachten war – ergiebiger Regen.

Gregor S.

Anradeln oder Bloß nicht die Letzten sein

Am Anfang ist es wie immer: Einer redet - Ansage der Gespanne - und alle anderen reden auch. Dann gibt es Oberhasen, die nicht ihre Löffel spitzen, sondern zwischen den Ameisen herumhopsen und jedem persönlich erst einmal einen guten Morgen wünschen und gleich fragen, wie sie denn die tandemlose Zeit überstanden hätten.

Apropos Ameisen: Bis dato hatte ich noch keine freie Minute gehabt, um den Speichenspiegel Nr.21 zu lesen. Deshalb war mir der Begriff „H-Meisen“ völlig unbekannt.

Nun traf es sich, dass ich für diesen Tag mit dem Autor des „H-Meisen“-Artikels das Vergnügen auf dem gemeinsamen Tandem hatte. Ganz unschuldig erzählte ich ihm, dass ich einen Bericht gelesen hätte, dass sich die Verkehrswissenschaft mit dem Verhalten von Ameisen beschäftigt hat. Diese wollte herausfinden, woran es liegt, dass es auf den Ameisenstraßen keine Unfälle gibt. Ganz einfach! Alle Ameisen „fahren“ das gleiche Tempo. Wird die Vorderameise langsamer, so wird nicht überholt, sondern das eigene Tempo wird angepasst. Außerdem beherrschen Ameisen beim Einfädeln in den Straßenverkehr hervorragend das Reißverschlusssystem. Nun fragte mich mein Pilot Detlev: „Sag’ mal, hast du meinen Artikel im Speichenspiegel gelesen?“ „Bedaure, der liegt auf einem Stapel mit der Überschrift: Noch lesen, wenn Zeit vorhanden ist!“ Um dennoch einen wirklichen Austausch über Ameisen und H-Meisen führen zu können, habe ich trotz der anstrengenden Saisoneröffnungstour, zuhause angekommen, sofort Detlevs Artikel gelesen und ihn unmittelbar angerufen, um unser Fachgespräch fortzusetzen.
Jetzt noch mal zum Beginn dieser Tour: Matthias war Hals über Kopf und dankenswerterweise als Tourenleiter für Dieter in die Bresche gesprungen. Letzterer wiederum hatte uns 50 Tandemfreunde in einer netten Location in Wedel zum Mittagsbrunch angemeldet. Dazu gleich noch mehr.

Zunächst fuhren wir durch duftige Frühlingsluft, mit einer frischen Brise um uns herum tanzend, vorbei an neugeborenen Osterlämmern immer am Deich entlang. Hier schlug unser Tourenleiter Matthias eine Variante zur Überwindung der Gattertore vor, mit der Absicht, den Tandemtross schön gleichmäßig weiter fließen zu lassen. Diese Anordnung hätte geradezu aus der Ameisen-Straßenverkehrsordnung stammen können, ohne dass wir uns je über dieses Thema ausgetauscht hätten, aber er ist ja auch Polizist. Er bat das Gespann hinter ihm abzusteigen und das Gattertor aufzuhalten, bis alle vorbeigerollt waren, und dann die Fahrt von hinten wieder aufzunehmen. Danach sollte diese Aufgabe jeweils von dem Gespann ausgeführt werden, das gerade hinter ihm fuhr.

Am zweiten Gattertor waren nun Detlev und ich dran, das Tor aufzuhalten. Auch wir rollten das Feld von hinten wieder auf und weil Detlev ganz „gentlemanlike“ Gefallen an dieser Gefälligkeit gefunden hatte, waren wir beim vierten Gatter schon wieder in Stellung. Bis hierin hatte ich meinen Piloten noch gern unterstützt. Doch dann streikte ich, denn wir näherten uns dem Restaurant „Alte Mühle“ und ich wollte nicht als Letzte in der Reihe vor dem Büffet stehen. Also ging es wieder nach vorn, ohne ein weiteres Gatter aufzuhalten.
Am Restaurant angekommen, schnappte ich meine Sachen und stürmte zum Eingang. Vom hellen Außenlicht kommend war es drin erst einmal dunkel. Eine Hand, in Verbindung mit einer wohlbekannten Stimme, kam auf mich zu und begrüßte mich. Es war Dieter, danach folgte Rita, die beide auf unsere Truppe gewartet hatten. Ich bedankte mich bei beiden, dass sie diese Mittagseinkehr für uns organisiert hatten. Schleunigst ging ich weiter, um mir für meine Hör- und Sehbedürfnisse einen guten Tisch zu organisieren, selbstverständlich auch für meinen netten Piloten. Nicht zu hell, nicht zu dunkel, nicht ein zu kleiner oder zu großer Tisch, und ein Platz, von dem ich selbständig zum Büffet gehen konnte. Doch so etwas wollten wohl noch weitere Tandemfreunde! Schnell kam der bekannte Tross durch die enge Eingangstür hinein geschoben, plötzlich waren alle Tische irgendwie belagert und ich sah mich in der Situation, „meinen“ Tisch verteidigen zu müssen. Gerangel hin und her, Missverständnisse laut und leise, schließlich saßen vier Personen am Tisch und es konnte fast losgehen mit dem Büffet.

Nach der Bestellrunde für Getränke ging es in die Schlacht am warmen Büffet. Die Ersten hatten es tatsächlich am besten, dabei versorgten die Piloten häufig zuerst ihre Mitfahrer und Mitfahrerinnen und stellten sich dann ganz höflich wieder hinten an, um ihren eigenen Teller zu füllen. Ausnahmen mögen auch vorhanden gewesen sein, doch dies bleibt mir in der Regel verborgen.
Das Essen, im Hauptgang ein gut gewürzter, saftiger Hackbraten, war schmackhaft, nur waren wir eine Sportlergruppe, abgeradelt und hungrig und ein bisschen unterkühlt. Dies forderte seinen Tribut. Als die ersten zum Nachschlag holen gehen wollten, standen von den Erstgehern noch mindestens zehn mit leeren Tellern am Büffet. Es entstand eine Warteschleife von mindestens 15 Minuten, bis das Büfett hier und da wieder etwas aufgefüllt war. Der Unmut hierüber wurde der Gastronomie gegenüber geäußert, die offensichtlich die Strategie „weniger ist mehr“ verfolgte, anstatt sich schnellstmöglich auf diese Wagemutigen einzulassen. Letztlich gab es dann doch peu à peu eine Zugabe, so dass zumindest theoretisch die Chance bestand, eine ausreichende Mahlzeit eingenommen zu haben.

Last but not least: Gäbe es nicht solche kleinen Pannen, wäre das Leben um dieses Erlebnis ärmer. Also auf in den nächsten Kampf, bloß nicht die Letzten zu sein – oder vielleicht regelt besser doch ein Polizist den Verkehr.

Martina F.

Tandemfahren auf dem Roten Platz in Moskau

Das hier gezeigte Schild „Verboten für Tandems“ steht auf dem Roten Platz in Moskau. Das Schild gibt es wirklich. Wir sollten deshalb bei unserer nächsten Tandemtour den Roten Platz und den Kreml meiden, wenn wir kein Knöllchen bekommen möchten.

Bild aus der Zeitschrift "Vogelvrije Fietser". Oben links ein Bild des Künstlers. Der Rest des Bildes zeigt eine Pfahl auf dem Roten Platz in Moskau. Ober im Pfahl ein Schild "Achtung Zebrastreifen", darunter ein Verbotsschild, das ein Tandem enthalt und etwas Text auf Russisch.

Aufgestellt wurde das Schild von Anton Polsky alias MAKE. Er ist Künstler, Fahrradfahrer und Aktivist und betreibt unter anderem eine Website mit sicheren Radrouten durch Moskau. Im Rahmen einer Aktion organi­sierte er auch eine Fahrradtour durch das Zentrum von Moskau. Nachdem er sämtliche Genehmigungen für die Tour bekommen hatte – eine Arbeit, die doch recht viel Zeit in Anspruch nimmt – und kurz bevor die Tour stattfinden sollte, stellt sich heraus, dass alles umsonst war. Sie durften nicht in die Nähe des Kremls kommen an dem Tag, weil es dort eine wichtige Veranstaltung von Medwedew und Putin geben sollte. Es stellte sich später heraus, dass Putin an dem Tag erneut für die Präsidentschaft kandidieren würde. Polsky war wütend, dass die beiden schon, aber er nicht beim Kreml sein durfte. Deshalb hat er solche Schilder überall rund um dem Roten Platz aufgestellt.

Ach, was ich vielleicht noch erwähnen sollte: Putin und Medwedew werden in Russland „Das Tandem“ genannt.

Quelle: „Vogelvrije fietser“, Nummer September-Oktober 2012. Ausgabe vom Fietsersbond (wie der ADFC, aber in den Niederlanden).
Bearbeitung und Text für den Speichenspiegel: Jan K.

Sommertour 2012 von Berlin nach Ludwigslust

Geplant war eine Fahrt mit sieben Tandemgespannen durch die Mark Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern nebst Seenplatte. Als Auftakt wollten wir an der Sternfahrt durch Berlin anlässlich des 100. Geburtstages des DBSV (Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband) teilnehmen, die mit über 100 Tandems durch Berlin führen sollte.

31.05.2012
Anreise von Hamburg nach Berlin mit Nahverkehrszügen: Beim Umsteigen in Schwerin geht leider ein Tandemgespann verloren, von uns übrigen unbemerkt. Hella und Klaus sind die Pechvögel. Sie erreichen mit dem folgenden Zug zwei Stunden nach uns das Schreber-Hostel in Berlin, wo wir zwei Nächte bleiben werden. Das Hostel ist bereits gut mit Tandemfahrern aus ganz Europa belegt. Maike und Ludwig haben unser Quartier ebenfalls mit den Tandems auf unserem kleinen Anhänger erreicht. Die ganze Nacht regnet es ununterbrochen und wir befürchten schon das Schlimmste für die Jubiläumstour am nächsten Tag durch Berlin.

01.06.2012
Pünktlich um 09:00 Uhr hört der Regen auf und wir können bei frischen Temperaturen die 50 km durch Berlin radeln. Dank Polizei-Eskorte haben die über 130 Tandems freie Fahrt und auf gut 600 m Länge schlängelt sich die Tandemgruppe durch die Straßen von Berlin.

Die Tour endet mit der Einfahrt der Tandems ins Tempodrom. Dort findet ein dreitägiges Event anlässlich des 100. Geburtstages des DBSV statt, an dem über 3.000 blinde, sehbehinderte und sehende Menschen teilnehmen. Diese Fahrt ist ein tolles Erlebnis. Ludwig wird bei der Tour durch Berlin die Ehre zuteil, mit seinem PKW und unserem kleinen Tandem-Anhänger als "Lumpensammler" zu fungieren. Übernachtet haben wir noch einmal im Schreber-Hostel.

02.06.2012
Beginn unserer eigentlichen Sommertour: Um dem Verkehr in Berlin zu entgehen, fahren wir begleitet von unseren Tandems mit der S-Bahn in den Norden Berlins, nach Hennigsdorf. Uns eröffnet sich eine herrlich waldige und hügelige Landschaft, die uns auf guten Radwegen über Oranienburg nach Zehdenick führt. Wir fahren dabei häufig am Oder-Havel-Kanal entlang, vorbei an diversen Seen. Wir übernachten in Zehdenick, verteilt auf zwei Hotels.

03.06.2012
Heute führt uns der Weg von Zehdenick nach Rheinsberg. Auf teilweise abenteuerlichen Radwegen queren wir die Tongruben von Mildenberg, die im 20. Jahrhundert Berlin mit Ziegelsteinen belieferten. Bis 1990 wurde dort noch produziert. Anschließend füllten sich die Tongruben mit Wasser und es entstand eine einzigartige Seenlandschaft. Weiter geht es dann nach Rheinsberg, wo wir am späten Nachmittag unser Quartier erreichen.

04.06.2012
Stadtführung mit Begehung des Schlossparkes in Rheinsberg: Friedrich II. von Preußen verbrachte dort einige Jahre seiner Kindheit und Jugend. Anschließend geht es per Tandem vorbei am Wöblitz-See durch einen Teil des Müritz-Nationalparks nach Neustrelitz. Dieser Tag endet mit einem leckeren Essen in einem Restaurant am Zierker See.

05.06.2012
Heute kommen wir durch viele kleine Orte an Seen, Wäldern und Wiesen entlang. Es gibt anstrengende Strecken und Steigungen, aber auch wunderschöne Panoramablicke. Auf einem abschüssigen Feldweg kommt ein Gespann zu Fall. Werner trägt einen verstauchten Daumen davon, das Tandem eine Acht im Vorderrad, das von Hans notdürftig gerichtet wird. Der steife Nordwestwind trägt auch dazu bei, unsere Kondition zu fordern. Im Wald bei Neubrandenburg treffen wir uns mit dem Vater von Elke Haß, der uns von dort in die Stadt führt. Die kleine Stadtrundfahrt geht vorbei an mittelalterlichen Gräben und Wällen sowie den vier Stadttoren. Das erste Haus am Platze - das "Badehaus" direkt am Tollense-See - ist für uns als Quartier gerade gut genug.

06.06.2012
Wir mäandern durch die Seenlandschaft von Neubrandenburg nach Mirow. Dort haben wir zwei Tage Aufenthalt auf der Schlossinsel im "Alten Brauhaus" und somit Gelegenheit, unsere Tandems instand zu setzen.

07.06.2012
Die Tandems haben ihren freien Tag und werden von Hans und Ludwig umsorgt. Der Rest der Truppe macht eine kleine Bootsfahrt auf der Müritz. Im Laufe des Tages entscheidet sich Margret - auf Anraten ihrer Augenärztin - die Wochentour wegen erheblicher Sehprobleme abzubrechen und nach Hause zu fahren, um sich in das AK Heidberg in Hamburg zu begeben. Am späten Nachmittag werden Anke und Margret von Ludwig zum Bahnhof gefahren, um die Heimreise anzutreten.

08.06.2012
Auch heute radeln wir durch den Müritz-Nationalpark, wo wir im äußersten Norden der Müritz nach Waren kommen, einem beliebten Luftkurort, und dort eine Pause einlegen. Ein sehr lokaler kräftiger Gewitterschauer, den wir unbeschadet im hohen Wald überstehen, trifft uns auf dem letzten Abschnitt dieser Tagesetappe. Dieses ist der einzige Regenschauer, der uns auf der gesamten Wochentour überrascht. Weiter geht es nach Gotthun zu einer ländlich gelegenen Pension, das Ziel des heutigen Tages. Dort gibt es größere Probleme mit der Kanalisation des Hauses, was den Wohnkomfort für einige von uns leider erheblich beeinträchtigt.

09.06.2012
Unser heutiges Ziel ist Plau am See. Vorbei an Röbel führt uns der Weg u. a. über Malchow auf steilen Waldpfaden abwärts zum Plauer See nach Lens, der letzte Teil auf asphaltierten Straßen mit Tempo 50 bis 60 km/h. In Lens checken wir mit unseren Tandems auf einer Fähre ein, die uns bei starkem, kaltem Wind über den bewegten Plauer See zu unserem Hotel "Haus Sajons" bringt.

10.06.2012
Bei herrlichem Wetter machen wir an diesem Morgen einen Stadtrundgang in Plau am See durch die sehenswerte Altstadt mit Kirchen, Fachwerkhäusern und einem großen Marktplatz. Wir sehen uns auch die Elde-Schiffsschleuse an, die mit einer Hubhöhe von 1,85 m die höchste Hubbrücke Mecklenburgs ist. Das Ziel dieses Tages ist Parchim, Ortsteil Slate, und das wunderschön an der Elde gelegene Hotel "Zum Fährhaus". Der letzte Abend der Reise klingt bei einem sehr leckeren Abendessen unter Sonnenschirmen auf der Terrasse des Hotels aus.

11.06.2012
Über Neustadt-Glewe geht die Tour nach Ludwigslust, wo wir am späten Mittag eintreffen. Nach ca. insgesamt gefahrenen 650 km endet hier die Tour bei Kaffee und Würstchen, die Ludwig uns in bewährter Weise bereitet hat. Als wir im Zug sitzen, öffnen sich die Schleusen des Himmels und es regnet durchgehend bis Hamburg.

An dieser Stelle danken wir Meike und Ludwig für die - wie immer - gut organisierte Wochentour und hoffen auf eine weitere für das Jahr 2013.

Hans H., Anke S., Margret und Ulli S.

Eigentlich sind wir ganz gut – Auswertung der Fragebogenaktion

Um möglichst viele Vereinsmitglieder am Speichenspiegel zu beteiligen und um etwas mehr Stoff für das Jahresheft zu bekommen, hatte ich im Oktober eine Fragebogenaktion gestartet. Fritz hatte im Rundbrief darauf hingewiesen, Jan hatte die Fragen auf unsere Homepage gestellt, wo man sie gleich beantworten konnte, und ich hatte auf den letzten Touren und dem Stiftungsfest die Bögen direkt verteilt. Ich habe 22 Rückmeldungen bekommen, 17 von Piloten, 5 von Kapitänen, also Blinden oder Sehbehinderten. Die Ergebnisse sollten und konnten nicht überraschen, aber auch Bekanntes oder Vermutetes lässt man sich gern einmal wieder bestätigen und es fanden sich auch ein paar anregende Ideen, Beobachtungen und Formulierungen. Auch wenn sich nur ein Fünftel unserer Mitglieder beteiligt hat, scheint mir das Ergebnis aussagekräftig. Danach machen wir vieles richtig, einiges nicht so richtig, was sich aber wohl kaum noch ändern lässt (siehe Gregors Einleitung), und ein paar Dinge können wir noch verbessern oder neu angehen.

Zur Frage: Was gefällt dir an unserem Tandem-Fahren?
wurde von fast allen natürlich die Bewegung in frischer Luft und in der Natur, die gute Stimmung in der Gruppe, das Gemeinschaftserlebnis, das entspannte Miteinander hervorgehoben. Die Möglichkeit, mit netten Menschen interessante Gespräche zu führen, ist ein wichtiger Punkt. Die Hilfsbereitschaft untereinander, vor allem auch von den Schraubern, wurde genannt, wie auch das Kennenlernen der Hamburger Umgebung auf abwechslungsreichen Touren. Offensichtlich gibt es den Steuerleuten ein gutes Gefühl, Menschen zu einer Aktivität zu verhelfen, die sie sonst so nicht ausüben könnten. Eine Pilotin beschrieb ihre Motive folgendermaßen und trifft damit die Einstellung vieler: Das gemeinsame Fahrradfahren. Darüber lerne ich auch neue Leute kennen, das finde ich schön und interessant. Die neuen Kontakte erweitern meinen Horizont. Ich finde es so großartig zu erleben, wie die seheingeschränkten oder vollblinden Menschen mit ihrer Behinderung umgehen. Insofern bin ich eine Lernende und das finde ich gut. Weiterhin wurden positiv vermerkt: die wechselnde Team­Zusammensetzung, die sportliche Betätigung, der Humor, die Ausgeglichenheit und die Toleranz von vielen Mitgliedern, die Sorgfalt der Tourenleiter und –leiterinnen.
Es gibt offensichtlich viele gute Gründe bei uns mitzufahren.

Was schätzt du an bzw. wünschst du dir von einem Tandem­partner? war die nächste Frage.
Es verwundert nicht, dass immer wieder genannt werden: Schnelles Aufeinandereinstellen – klare Absprachen – viel Kommunizieren – Lockerheit – anregende Gespräche – Infos über die Landschaft – sicherer Fahrer – Rücksichtnahme auf die Behinderung oder die fehlende Fahrpraxis – und immer wieder: dass er/sie ordentlich mit in die Pedale tritt, und zwar „die ganze Strecke von Anfang bis Ende!“, wie ein Teilnehmer meinte unterstreichen zu müssen [Unterstrichen schaffe ich auf der Website nicht, Anm. der Online Redaktion]. Offenheit, Vertrauen und Verständnis scheint das leuchtende Dreigestirn unserer Wertschätzung zu sein.

In der nächsten Frage wollte ich ein Ereignis oder eine Situation aus der aktuellen Saison erfahren.
Ein Sozius spielte auf die vorletzte Tour nach Lüneburg an, wo es wegen des Dauerregens die Möglichkeit gab, die Tour zu gabeln. Ein Teil kürzte nach Bergedorf ab, der andere fuhr bis zum angegebenen Ziel. Diese Möglichkeit wurde positiv gesehen. Ein neuer Tourenleiter zeigte sich begeistert über die damit verbundene Vorbereitungsarbeit und die Rückmeldungen.

Einige nutzten diese Frage, um Kritik anzumelden: Es gäbe zu viele Pinkelpausen, mehr Teampinkeln – pardon - Teamplay wurde angemahnt; man ärgerte sich über Schaltunkundige (dazu später die Anmerkungen von Volker und Hans); die Gruppe fiele oft auseinander, weil entweder meist zu schnell gefahren werde oder bei einer Panne nicht alle warteten.

„Mir sind die Sättel zu schmal und zu hart! Es wäre besser, wenn manche Pilotenlenker sich höher verstellen ließen!“ Wie Recht dieser Teilnehmer mit seiner Klage hat und was für Gefahren damit verbunden sind, lest ihr im Artikel aus der Morgenpost weiter hinten.

Dumme und kluge Sprüche
Es ist schwierig, die beiden Kategorien zu trennen. Mancher kluge Spruch wird zum „dummen“ durch ständige Wiederholung. Bestes Beispiel: Der Weg ist das Ziel.
Hier einige Klassiker: Nach fest kommt ab. – Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur unpassende Kleidung. – (wenn es regnet:) Das Meiste fällt daneben. – Wer sein Rad liebt, der schiebt. – (für Langsamfahrer:) Achtung, Hintermann überholt! – (Zuschauer, wenn wir vorbeifahren:) Der hinten liest Zeitung! – Wenn es bergauf geht, wird es auch wieder bergab gehen. – Die Letzten werden die Ersten sein. – Wer rollt, bleibt nicht stehen.

Kannte ich noch nicht: Ihr seid wieder das Allerletzte! Bitte nach vorn. – Wir sind ein Sportclub, hier wird schnell gefahren. – Radfahrer müssen sich sogar die Luft pumpen. – Gegenwind formt den Charakter. – Wer später bremst, ist länger schnell. (Wohl nach dem Filmtitel: Wer früher stirbt, ist länger tot.) – Schweiß ist Schwäche, die den Körper verlässt.

Zwei Sprüche zum Rätseln: Es ist besser, eine Speiche in den Wald zu stellen, als mit Plattfuß von einem Flicken zu träumen. (Mir scheint beides gleich sinnlos.) - und – Radeln ist geruhsamer als Heizen – auch im Winter.
Zum Schluss noch zwei Zitate: „Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden wie beim Fahrrad.“ (Adam Opel) und „Das Fahrrad ist die effizienteste Maschine, die je entwickelt wurde. Rechnet man Kalorien in Kraftstoff um, fährt ein Fahrrad dreitausend Meilen mit einer Gallone. (Das entspricht einem Verbrauch von 0,078 Litern/100 km).“ (aus einem Kalender).

Was würdest du gern im Speichenspiegel lesen?
Viele scheinen mit dem bisherigen Angebot zufrieden, aber es gab auch Anregungen für zusätzliche Themen:

Tandem- und Fahrradtechnik scheint einige so zu interessieren, dass sie darüber auch im Jahres - Speichenspiegel lesen möchten. Also Schrauber und Technikfreaks, schreibt uns was! Ansätze finden sich schon in diesem Heft im Artikel zu den beiden neuen Tandems und zum Schalten mit Kettenschaltungen. Witziges rund ums Fahrradfahren scheint beliebt und gefragt zu sein – na, da bieten wir wohl schon einiges.

Bei den Tourenbeschreibungen wird Kürze geschätzt und die Streckenbeschreibung gewünscht. Porträts und Vorstellungen von Mitgliedern würden einige interessieren. Für die sehbehinderten Leser wird linksbündiger oder Blocksatz gewünscht, mittige Zeilen sind schwerer zu finden. Daran sollten wir vor allem bei Gedichten denken.
Über Entstehung, Geschichte und Entwicklung möchten vor allem neue Mitglieder etwas erfahren. Kommt doch zu den Stiftungsfesten, da werden gern Erinnerungen verarbeitet.

Unter Sonstiges
fand sich wie gewollt ein Gemischtwarenladen an Ideen und Vorschlägen, die aber zu Diskussionen anregen und vielleicht zu entsprechenden Umsetzungen führen sollten.

Des Öfteren wird geruhsameres Fahren angemahnt, sei es aus Konditions- (Alters-)Gründen oder weil man eine Sehenswürdigkeit am Rande der Tour würdigen möchte.

Die Literatouren scheinen so beliebt zu sein, dass sie einem Teilnehmer schon fast zu groß werden und er sich eine zweite Tourschiene dieser Art vorstellen könnte.

In mehreren Antworten wird die Problematik angesprochen, dass wir mehr jüngere Sehbehinderte für den Verein gewinnen sollten.

Überhaupt ist die Erweiterung des Aktionsradius ein Thema: Ausgehend von den Sozialtagen mit Firmen könnte man z.B. „normale“ Radvereine oder Kirchengemeinden für eine Zusammenarbeit interessieren. Begegnungstage mit anderen „Weißen Speichen“ gehören wohl auch hierhin.

Ein Teilnehmer hat beobachtet: Sobald andere Verkehrsteilnehmer merken, dass sie es mit Sehgeschädigten zu tun haben, werden sie sichtlich duldsamer und hilfsbereiter. (Was bei unserer Art der Verkehrsteilhabe auch notwendig ist. Anm. d. Red.). Also sollten Blindenabzeichen besser sichtbar sein.

Als passendes Schlusswort für diese Auswertung noch zwei „Sonstige“:
Dank an die „Organisation“ des Vereins für die ganze Arbeit und den Zeitaufwand, der hinter allem steht. Und: Ich wundere mich immer, dass alles so glatt läuft.

Zusammenfassung: Detlev K.

Mit Genehmigung des Autors habe ich eine Antwort aus Jürgen P.'s Fragebogen ausgekoppelt, weil mir wie ihm der geschilderte Vorgang beispielhaft für den „Geist der Weißen Speiche“ zu sein scheint.

Emotionale Tal- und Bergfahrt
Die Gruppe startet von der Halle aus. Wir sind kaum aus der näheren Umgebung Pinnebergs heraus, da wird zunehmend zur Gewissheit, dass das Vorderrad nicht nur nicht gut aufgepumpt, sondern „platt“ ist. „Alles haaaalt!!“ Im Hintergrund: “Was ist denn jetzt schon wieder?“ „Wieso geht´s nicht weiter!“ „Das hätte doch schon vor dem Start bemerkt werden können!“ Ich, voller Stimmeinsatz: “Wer hat ´ne Pumpe?“ Natürlich! Wenn ich schon im vorderen Teil der Gruppe fahre, dann ist die Pumpe ganz hinten. Ich mache mich also auf den Marsch, nicht ohne zwischendurch immer mal kurze Erklärungen abgeben zu müssen. Dann geht´s zurück an die Spitze, wo hoffentlich schon mal jemand Werkzeug und Flickzeug besorgt hat. Und dann die Überraschung! Werkzeug wird gerade wieder eingepackt! Die Arbeit ist getan. Ich komme gerade rechtzeitig mit der Pumpe.
Ist das nun Hilfsbereitschaft? Ist das Teamwork? Das ist „Weiße Speiche!“

Jürgen P.

Hilfsbereitschaft sollte zielgerichtet sein. Schwierig, meint unsere Cartoonistin Barbara, wenn so viele auf denselben Vornamen hören.

Cartoon von Barbara. Eine Person am Tandem fragt: Dieter, kannst du mal kurz kommen!". Von rechts antworten fünf nicht sichtbare Personen: "Bin schon da!", "Subito!", "Wo bist du denn?", "Meinst du mich?", "Oh nee, jetzt gerade nicht!"

Zwei neue Tandems für den Verein

Zwei Pedalpower-Tandems bereichern jetzt unseren Fuhrpark. Niedriger Einstieg, 8-Gang-Nabenschaltung und eine gute Grundausstattung versprechen einen angenehmen Fahrspaß. Sie sind eine Spende der Freimaurer-Loge um Hermann W., der uns immer wieder als eifriger Schrauber unterstützt.

Die zwei Tandems von Pedalpower mit niedrigem Einstieg. Farbe: schwarz.

Am Samstag, den 18.08.2012, wurden die Fahrräder in Pinneberg feierlich bei gutem Wetter und leckerer Suppe (Koch war Ludwig D.) übergeben. Unser Erster Vorsitzender Gregor S. nahm die Geräte von Hermann W. entgegen und betonte die Notwendigkeit solcher Tandemmodelle mit niedrigem Einstieg für den Club, damit auch die zunehmend älteren Mitglieder des Vereins bequem aufs Fahrrad steigen können.

Gregor S. schüttelt Hermann W. die Hand. Im Hintergrund steht der Gerätewart und gückt zu.

Und so begann damals alles:
Als Hermann uns diese Spendenofferte nahebrachte, haben wir reagiert und sind im April 2012 zu viert (Ulli, Margret, Anke und ich) nach Berlin gefahren. Dort haben wir die Firma Pedalpower besucht und das Modell "Deep" in Augenschein genommen. Jörn S. war auch mit von der Partie und hat uns mit Sightseeing und Restaurantbesuchen ein vergnügliches Wochenende ermöglicht. Nach dem Probefahren haben wir uns für das "Deep" entschieden und zwei dieser Tandems bestellt. Es dauerte etwa drei Monate, bis alles in trockenen Tüchern war und wir die Tandems abholen konnten. Am 30.07.2012 fuhren wir vier mit der Regionalbahn nach Berlin, nahmen die Tandems in Empfang und radelten durch den dichten Berliner Stadtverkehr zum Ostbahnhof, wo ich noch schnell für Proviant sorgte und in letzter Minute auf dem Bahnsteig erschien. Es gab Bier und Pizza und zwei Tandems im Fahrradabteil. Bis Schwerin war alles "easy", ab Schwerin jedoch wurde es eng und wir mussten uns mit diversen Rollstuhlfahrern und Müttern mit Kindern nebst Kinderwagen im Abteil arrangieren.

Wir haben alles an einem Tag geschafft, die Tandems sogar noch nach Pinneberg gebracht und den Tag beim Griechen in Lurup feuchtfröhlich ausklingen lassen.

Ich möchte auf diesem Wege Ulli, Margret, Anke, Jörn, Hermann und Christa Winkelmann sowie allen anderen Beteiligten für ihre engagierte Mitarbeit danken und hoffe, dass diese Spende uns allen viel Spaß bereitet.

Es grüßt Euer Gerätewart

Hans H.

Der Tipp vom Schrauber: Kettenschaltungen mögen’s nicht schräg.

Eine häufige Fehlermeldung lautet: Schaltung überprüfen.

Bei der Fehlersuche stellt sich dann raus, dass die Schaltung fehlerfrei funktioniert, wenn die Kette nicht extrem schief läuft.

Extremer Schieflauf entsteht, wenn die Kette vorn auf einem der äußeren Zahnkränze und hinten auf einem entgegengesetzten äußeren Zahnkranz laufen soll.

Da wir überwiegend im Flachland fahren lautet meine Empfehlung:
Die Kette bei den 3 vorderen Zahnkränzen immer auf dem mittleren Zahnkranz, Schalterstellung 2, führen. Dann können hinten alle Zahnkränze benutzt werden, ohne dass ein extremer Schieflauf der Kette entsteht.

Eine freundliche Empfehlung von
Volker W.

Anmerkung vom Gerätewart:
Volker hat völlig Recht. Aber auch wenn die Kette vorn auf dem mittleren Blatt liegt, bedeuten die äußeren (hinteren) Zahnkränze 1 und 7 schon eine starke Schräglage. Das führt zu höherem Verschleiß, ist aber noch tolerierbar. H.H.

Neues vom Kettenspinner (siehe weiter unten):

Eine fette, lachende Raupe kriecht auf hoher Geschwindigkeit richtung Schraubertreff. Dies ist auf einem Schild sichbar.

Uwes Tour in Rekordzeit – oder – Von Trotzern und Beugern

Am 24. Juni 2012 saßen Anja und ich sportlich gekleidet beim Frühstückstisch, um für eine anstrengende Tandemtour genug Kilokalorien - wenn nicht gar Megakalorien - zu sammeln. Unsere Gedanken waren bei der anstehenden Tandemtour. Fünfzig Kilometer von Pinneberg bis Pinneberg waren angesagt.

Gerade als ich nach einem Tässchen Tee griff (um das mit einem Berg Schokostreusel schwer belegte Schwarzbrot hinunterzuspülen), brachte NDR 2 die Wetternachrichten. In Hamburg sollte es am Morgen trocken bleiben, am Mittag würde es sintflutartige Regenschauer geben. Ich schaute durch das Fenster auf den Balkon, auf den ein kräftiger, sehr kräftiger Regen prasselte. Aha. Also, nicht mal das aktuelle Wetter wird heutzutage richtig vorausgesagt. Wir bekamen Angst vor dem, was uns an diesem Tag erwartete.

Das Bild zeigt eine Frau mit blauer Jacke, eine Radlerhose und blau-grüne Gummistiefeln. Die Augen sind durch einen schwarzen Balken bedeckt, erkennbar ist jedoch das Gesicht der Organisatorin der Hundertertouren.
Anonyme Tandemfahrerin des Typs „Trotzer“ mit Gummistiefeln

Es gibt zwei Strategien mit sintflutartigen Regenschauern bzw. Sintfluten selber klarzukommen. Man kann ihnen trotzen oder man kann sich beugen. Lasst uns zuerst über die „Trotzer“ reden, danach beschreibe ich die „Beuger“. Trotzer sind die, die die Neigung haben, sinnlosen Widerstand zu leisten, bzw. allem die Stirn zu bieten. Intuitiv denke ich dabei an Menschen, die zum Beispiel während eines Orkans am Strand stehen, den Kopf in den Wind stellen und versuchen, nicht weggeblasen zu werden. Vergiss es! In einem Tandemclub erkennt man Wettertrotzer daran, dass sie versuchen, das Wetter vom Körper fern zu halten mittels Plastikkleidung. Am schlimmsten sind die, die auch noch meinen, Gummistiefel tragen zu müssen.

Was hilft das Trotzen hier nämlich? Nada! Niente! Nichts! Nach solch einem Tag ist man so oder so nass und die Gummistiefel natürlich voller Wasser. Es wird euch Lesern klar sein, daß ich nichts von Trotzern halte. Warum so viel Anstrengung, um kein befriedigendes Ergebnis zu haben?

Nein, man sollte sich dem Wetter beugen. Es macht sowieso keinen Sinn, sich der Natur zu widersetzen. Tausende von Naturkatastrophen haben es gezeigt. Also mein Tipp an euch: Nass wird man so oder so, also macht euch nackig. Dann kleben auch keine Plastikteile am Körper und ihr könnt euch frei bewegen. Wie das funktioniert, zeigen euch die Anhänger der Freikörperkultur (FKK). Sind sie nicht genau diejenigen, die es so mit der Natur haben? Genau! Sie kennen sich mit der Natur aus und haben schon lange verstanden, daß Widerstand zwecklos ist. FKK-ler sind alles Beuger, die wissen, dass man bei Regen nass wird.

Also bin ich nackig zur Tour gekommen. Ehrlichkeitshalber muß ich dazu sagen, dass ich mich auch dem Gesetz beuge. Das ist bequemer, weil ich dann keine Bußgelder zahlen und auch nicht ins Gefängnis muss. Ich wollte unterwegs zu unserer Halle nicht von Polizisten angesprochen werden, also war ich nicht ganz nackt, aber fast. Ich hatte jedoch lediglich ein Oberteil, ein Höschen und ein Paar Schuhe an. Letzteres wegen der Glassplitter, die Party-Gänger ständig über Hamburg verteilen.

Als ich mit Anja in Pinneberg ankam, stellte sich heraus, dass auch die letzten Trotzer sich der Tatsache gebeugt hatten. Die Welt war schließlich nicht mehr zu retten. Tourenleiter Uwe Noah R. erzählte uns über einen See, der unser Ziel sei. Mir war nicht ganz klar, ob er einen See oder die See meinte. Das war eigentlich auch egal. Das Wasser war sowieso überall. Auf dem Wasser sollte eine Arche auf uns warten, um uns pärchenweise aufzunehmen. Uns wurde deshalb pro Pärchen ein Tandem zugewiesen.

Nachdem jedes Pärchen ein Tandem ausgesucht hatte, zog die Karawane los. Es war angenehm warm, es gab kaum Wind, aber… es regnete fast die ganze Zeit. Um uns und auf uns prasselte das Wasser. Um uns herum änderte sich die Umgebung ständig. Löcher wurden Pfützen. Pfützen wurden Bäche. Bäche wurden Flüsse. Flüsse wurden Seen und Seen wurden schließlich Ozeane. Es ist euch natürlich klar, dass unter solchen Gegebenheiten wir entsprechend wenig Lust zum Verweilen hatten. Gemütlich pinkeln oder auf andere Weise angenehm Pause machen war nicht drin. Entsprechend schnell kamen wir nach etwa 25 km an unserem Ziel an, dem See, wo die Arche liegen sollte. Unter trockenen Bedingungen hätten wir es uns an dem schönen See auf dem Rasen bequem gemacht und uns diese herrliche Umgebung angeschaut. Diesmal eilten wir nur der Arche entgegen.

Nur - es gab keine. Keine Arche weit und breit. Lediglich an der anderen Seite des Sees schwammen zwei verrückte Schwimmer einem kleinen Ruderboot hinterher. Wasser kam von oben und stürzte sich in den See. Also blieb uns nicht viel anderes übrig als uns irgendwo unterzustellen, schnell unsere für diese Expedition mitgebrachten Esswaren oben in unsere Verdauungskanäle einzuführen und rasch nach Hause zurückzukehren. Was hatten wir an dem nassen See im Regen mit nassem Sand unter den Füßen noch zu suchen, nachdem das versprochene Wunder ausgeblieben war?

„Die Steigerung der Regenzunahme sowie die Steigerung der Regenzunahmesteigerung schwanken“, so erzählte ich meinem Kapitän Dieter M. auf dem Rückweg. Schicke einen ehemaligen Naturwissenschaftler, beängstigt durch die anhaltende Sintflut, auf einem Tandem hinaus, um eine Arche zu suchen, und er fängt an, Naturphänomene auf mathematische Weise zu umschreiben. Die Verzweiflung war perfekt. Was ich meinte mit meinen Worten war: es regnete mal mehr, mal weniger auf dem Rückweg.
Eher mehr, übrigens. Trotzdem blieben die Teilnehmer dieser feuchten Veranstaltung erstaunlich fröhlich und locker. Sogar die Trotzer, die doch inzwischen unzweifelhaft feststellen mussten, dass keine Faser am Körper mehr trocken war. Kurz vor der Halle gab es dann noch einen Massensprint, den doch niemand im Besonderen gewonnen hat. Um circa ein Uhr waren wir wieder zurück bei unserer Halle.

Wie bitte? Um ein Uhr? So früh waren wir noch nie zurück gewesen. Wann waren wir denn eigentlich gestartet mit unserer Tour? Niemand wußte es mehr genau, aber der Durchschnitt der Schätzungen ergab einen Wert von etwa halb Zehn Uhr. Für die knappen 50 km hatten wir also 3,5 Stunden gebraucht inklusive aller Pausen. Eine Weltrekordzeit! Herzlichen Glückwunsch Uwe! Super gemacht! Eine wunderbare Tour geleitet und dann auch noch einen Weltrekord geschafft.

Alle klatschten, um Uwe zu huldigen für diese Bestzeit. Und wegen unserer eigenen Leistung natürlich. Und wegen der schönen Tour. Aber das letzte nur anstandshalber, weil die Tour zwar sehr schön war, aber was ist das gegen einen Rekord. Nie hat es im Tandemclub eine Tour gegeben, die in so kurzer Zeit gefahren wurde.

Mit Anja und Ulrike bin ich dann noch durch Hamburg nach Hause geradelt oder geschwommen, je nachdem wie man die Grenze zwischen dem einen und dem anderen definiert. Zu Hause hatte ich dann genug von aller Feuchtigkeit und habe es mir dann in der Badewanne gemütlich gemacht.


Jan K.

Wortmeldung eines Tandem-Neulings

Manchmal sind auch Umwege interessant: Ich zum Beispiel habe auf Kreta vom Tandemclub Weiße Speiche gehört und konnte mir trotz Urlaubs den einprägsamen Namen gut merken. Der Rest ist in Zeiten des Internets ja kein Problem mehr, im Mai 2012 war ich dann erstmals dabei, also quasi über Kreta nach Pinneberg.

Vor dem Start war ich ziemlich aufgeregt. Für mich war alles neu. Staunend habe ich bei der Teameinteilung erlebt, wie jemand sehr zügig seine Notizen vorlas, die offensichtlich in Blindenschrift geschrieben waren. Zu Anfang sah es für mich aus wie ein Lochstreifen aus den alten Fernschreibern, aber die hatten richtige Löcher. Und während ich noch rumstand und versuchte mir den Namen meiner Tandempartnerin einzuprägen, drängte mich Anoma, doch endlich ein Tandem mit niedrigem Einstieg zu suchen. Dann Sattel einstellen und auf die Straße zur Probefahrt. Als dann der Start – rechte Pedale hoch – auf Anhieb klappte, wurde ich schon zuversichtlicher.

Der erste Eindruck von der Fahrt: Schnell sind die Dinger, also aufpassen, denn statt des gewohnten Rücktritts gab‘s nur die Felgenbremsen. Mehr Probleme hatte ich dann mit der ungewohnten Länge, insbesondere in den Kurven. Zweimal musste ich mich entschuldigen, weil ich ein anderes Team „geschnitten“ hatte, ohne es wirklich zu merken. Ärgerlich, sorry.

Aber in Summe ging alles gut. Auf der ersten Tour und auch auf den folgenden mit Gregor, Fritz und Thomas. Es war jedes Mal schön, auch wenn’s nass wurde. Die Gespräche auf dem Tandem und in den Pausen waren für mich immer sehr interessant. Und ganz besonders: ich habe viele Dinge gelernt, über die ich als Sehender nicht viel wusste. Beispielsweise, dass es sogar eine Braille-Kurzschrift gibt, also „ein paar Punkte“ aus denen man die exakte Entfernung zum Mars herauslesen kann. Jetzt ist mir auch bewusst, warum die neuen Bahnsteinkannten geriffelte Bodenplatten haben und dass es eigentlich ganz einfach ist, wie man als Blinder sicher eine Zigarette ausmachen kann.

Nette Leute, schöne und gut vorbereitete Touren, Spaß und gute Laune, einwandfreie Räder und „Abholservice“ bei Speichenbruch, tolle Mitfahrer, Bewegung und Muskelkater für mich als fahrradlichen Sonntagsfahrer – so ein „Leistungspaket“ kann man nirgends buchen. Also schreibe ich mal an den Herrn Redakteur und sage auf diesem Wege: Danke an alle.

Volkmar

Neue Wörter für die Weiße Speiche

Manchmal reicht schon die Veränderung eines Buchstabens um einem Wort in einem bekannten Zusammenhang eine zusätzliche Bedeutung zu geben. Nehmen wir einmal das Wort „radeln“, das bei uns jeder sofort mit unserer Tourentätigkeit verbindet. Wir „versprechen“ uns zu „rudeln“ und statt eines „Fehlers“ haben wir eine neuen Sinn, der in unsere Erfahrungen passt. „Rudeln“ ist nämlich „die unvermeidliche Tätigkeit der Tourenradler, wenn sie vor einer Ampel halten oder auf einer Straße fahren, die breiter als ein Lenker ist.“

Die Idee dazu habe ich aus dem Buch „Wortschatz“ von Sascha Lobo, rororo 62823, Hamburg 2011, wo auf die beschriebene Art „698 neue Worte für alle Lebenslagen“ erfunden und erklärt werden.

Hier folgen nur 23 neue Begriffe für uns Tandemfahrer, in alphabetischer Reihenfolge:

absteifen Tätigkeit in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Absteigen, von dem es sich herleitet. Nach pausenlos gefühlten 40 km auf unseren Marter-Sätteln der Versuch, die Glieder zu lockern und sich in normalen Gehbewegungen zu üben. Ein untauglicher Versuch, dem entgegenzuwirken, ist die Satteldicke (siehe dort).
bärig(er Druck) Sind 6 bar als Maximum vorgegeben, dann spricht man ab viereinhalb Bar von „bärigem“ Druck auf dem Reifen.
dringeln Sich mit Hilfe der Klingel Platz verschaffen
Fahrradhänger Erst kommt der kleine Fahrradhunger, bald darauf der Fahrradhänger. Beiden wird durch Zufuhr von Studentenfutter, Lakritzheringen und Gummibärchen abgeholfen.
Fahrtwund Im Gegensatz zum Fahrtwind, der bei Hitze beliebt ist oder wenn er von hinten kommt, kommt der Fahrtwund von vorn, am besten noch mit Regen angereichert, gegen den man sich einen Wolf strampelt.
Gangscheltung Kann in zwei Richtungen erfolgen, den einen ist die Gangart zu schnell, das sind meist die Tourenleider (siehe dort), oder sie ist zu langsam, dann ist es meistens Fritz.
Hundbremse Alle unsere Tandems haben zwei Handbremsen, die sehr gut und schnell zugreifen müssen, damit es nicht zur Hundbremse kommt. Immer öfter laufen uns diese Vierbeiner zwischen die Räder, vor allem in Dörfern, wo sie sich sehr betagt entweder blind oder schwerhörig ohne Aufsicht orientierungslos bewegen (siehe Cartoon „Blinder Hund“).
Kettenspinner Hält im Gegensatz zum Kettenspanner die Kette nicht auf Druck, sondern lässt sie reißen oder abspringen. Der Kettenspinner ernährt sich von verbogenen Ketten-Blättern, spitzen Ritzeln oder schmierigen Kettengliedern. Barbara hat ihn schon/schön getroffen:
Das Bild zeigt ein fetter, flöhlicher Wurm mit einer Fahrradkette vor seinem Mund. Einige Teile, unter Anderem ein Zahnkranz, liegen auf dem Boden.
Kettenspinner
Lindstraße Landstraßen können unglaublich hart zu Radfahrern sein. Mit Kopfsteinpflaster sorgten sie in den besten Fällen für eine Rüttelmassage, die den Hintermann aufweckt. Es gibt aber auch die mit glattem Asphalt, das sind die wahren Lindstraßen, die den geschundenen Gesäßen so richtig wohltun.
Luftgreis Alle männlichen Mitfahrer der Weißen Speiche im Rentenalter (also sehr viele), denn sie setzen sich auf dem Fahrrad furchtlos der Frischluft aus, egal ob diese sonnig, windig oder regenfeucht ist.
Lustpumpe Um den gewünschten bärigen (siehe dort) Druck in unsere Schläuche zu bekommen, haben wir verschiedene Druckmittel. Mühselig wird es mit den Handpumpen und kleinen Fußpumpen. Mit den langen Fußpumpen geht es sehr viel leichter, weswegen sie eben auch „Lustpumpen“ genannt werden.
Nachsitzende Sind keine Schüler, die länger in der Schule bleiben müssen, um Versäumtes nachzuholen, sondern ungefähr die Hälfte eines Tandemvereins.
Putzlippen Im Gegensatz zu Putzlappen, die nach Gebrauch schwarz und ölig sind, werden Putzlippen blau und rissig nach einer Anradeltour bei 5 Grad plus.
Radwunderkarten Sie bergen Überraschungen, die man erst bemerkt, wenn man schon 5 km in die falsche Richtung gefahren ist.
rudeln Unvermeidliche Tätigkeit der Tourenradler, wenn sie vor einer Ampel halten oder auf einer Straße fahren, die breiter als ein Lenker ist.
Satteldicke 1) Misst ungefähr 8 cm, wenn auf unsere Schaumgummiklötze von Sätteln zwecks Schonung der Schambeine und Weichteile eine Decke aus Naturschaf, möglichst noch mit Unterpolsterung, aufgezogen wird. Macht sich nach Regen besonders gut. 2) Wenn zwei Drittel jeder Pobacke links und rechts den Sattel überkragen, nennt man die Besitzer derselben auch Satteldicke. (siehe auch Illustrationen weiter unten.)
Schlenker Ist es der vordere Lenker, dann hat der Pilot sich umgedreht oder nicht festgehalten – ist es der hintere Lenker, jubelt der Pilot.
Schraubter Ein Schraubter ist ein Schrauber, bei dem man zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht weiß, ob er arbeitet, nachdenkt oder Pause macht. Schraubter oder Schraubter nicht, das ist dann die Frage.
Stiftungslocker Ein Stiftungsfest ist eine ernste Angelegenheit, die wichtiger Bestandteil des Vereinslebens ist. Es wird Bilanz gezogen und Rückblick gehalten. Erst bei einem guten Büffet und einigen lustigen Einlagen wird ein Stiftungslocker daraus.
Tourenleider Fährt im Gegensatz zum Tourenleiter nicht vorn, sondern meistens hinten in der Gruppe. Hat entweder einen schlechten Tag, ein mieses Fahrrad oder einen schwächlichen Mitfahrer.
Weise Speiche Ob Speichen in unseren Tandems wirklich „weise“ sind, ist schwer zu sagen, auf jeden Fall sind sie klüger, denn sie geben häufiger nach. Vor allem wenn jemand mehr als 90 kg längere Zeit als Argument bringt.
winkeln, wankeln, wacken Spezielle Verben für Notdurft verrichten in den Tourenpausen: die Notdürftigen suchen sich einen Winkel, um dort zu winkeln. Findet sich der Winkel im Wald, spricht man von wankeln. Zum Wacken im Wald sollte man sich mit Papier versorgen.
Zahnkrätze Fahrradkrankheit, die sich in unangenehmen Geräuschen äußert. Kann vom Kettenspinner verursacht sein (siehe dort) oder allgemein von der Unvereinbarkeit der Antriebselemente (siehe Tipp vom Schrauber in dieser Ausgabe).

Detlev K.

Satteldicke

1) Misst ungefähr 8 cm, wenn auf unsere Schaumgummiklötze von Sätteln zwecks Schonung der Schambeine und Weichteile eine Decke aus Naturschaf, möglichst noch mit Unterpolsterung, aufgezogen wird. Macht sich nach Regen besonders gut.

Eine Person hält ein Tandem fest. Eine zweite Person kommt angelaufen mit drei riesigen Kissen auf den Händen, sagend: "Hat jemand etwas zum Festmachen??"

2) Wenn zwei Drittel jeder Pobacke links und rechts den Sattel überkragen, nennt man die Besitzer derselben auch Satteldicke.

Das Bild zeigt eine sehr dicke Person auf einem Mountainbike. Der Hintern ist gewaltig und passt eigentlich gar nicht auf dem Fahrrad.

Einmal Pilot sein... auf den Pfaden Pinnebergs

Tandem, ein magisches Wort, versprüht den Hauch von sportlichem Abenteuer und Teamgeist. Zusammen mit einem sehbehinderten oder blinden Menschen Tandem fahren, dies ist bestimmt etwas ganz Besonderes und eine tolle neue Erfahrung. Soweit die Theorie, die wir uns vorgestellt haben. [„wir“ bedeutet ein gutes Dutzend Aktiver der Firma Imperial Tobacco, deutsche Tochter Reemtsma, an deren „Helpday“ oder Sozialtag -  Anm. d. Red.]

In der Praxis saßen wir am 8. August erst einmal im Bus nach Pinneberg. Unser Ziel war das Hauptquartier des Tandem-Clubs „Weiße Speiche“: eine Halle, die über 40 Tandems Unterschlupf gewährt und auch noch als Werkstatt dient.

Nach einer ersten kleinen Ansprache zum Verein und Verhaltenskodex im Sattel folgte die hochoffizielle Verkündigung der Teams. Jetzt war klar, mit wem man die nächsten 50 km bzw. 4 bis 5 Stunden in die Pedale treten durfte. Fragen wurden gestellt, Informationen ausgetauscht, das magische Zweirad begutachtet und eingestellt. Der Lenker auf dem Vordersattel ist der Pilot, der Teampartner hinten der “Antreiber“.

Nach dem erfolgreichen Starten des Boliden, rechtes Pedal hoch und dann 3 – 2 – 1 „LOS“, haben wir sofort die Nagelprobe gemacht, den 180° U-Turn im Wendehammer. Kommunikation ist hier der Schlüssel zum Erfolg: Welche Richtung und wann!

Dann ging es los ins Gelände. Der Konvoi von 21 Tandems und einer gefühlten Länge von mehreren 100 Metern verschwindet auf durchweichten Wegen in der Pinneberger Feldmark. Per Funkgerät stand die Spitze, der Tourguide (den Tourguide überholt man nicht), immer in Kontakt mit der Nachhut.

Unser großes Ziel war der Stopp am Rantzauer See in Barmstedt. Hier gab es unter alten Bäumen zweierlei Eintopf eines Profikochs mit Knasterfahrung (war Gefängniskoch). Frisch gestärkt fuhren wir über Wanderwege durch wunderbare Buchenwälder. Stets auf der Hut vor Schlag- und Schlammlöchern (Achtung! - Tschuldigung), Ästen und Wurzeln. Thema Schlammlöcher: Anscheinend haben es unsere Reemtsma Helpday-Jacken geschafft, die permanent drohenden Regenwolken zu verjagen. Witzigerweise waren die Wege größtenteils nass, ohne dass wir auch nur einen Tropfen abbekommen haben. Die überfluteten Wald- und Wiesenwege forderten den Piloten aber gnadenlos ihr neu erworbenes Können ab.

Auf freier Strecke wie aus dem Nichts kam die ohrenbetäubende Detonation. Schnell anhaltend, jeder bereit sich in die Büsche zu werfen, erkannten wir bald darauf den Grund dieser Schockwelle: Bei einem Tandem, nennen wir es mal das Tandem von Sebastian B. (Name vom Autor geändert), hat sich, bedingt durch maßlosen Suppengenuss während der Pause des Fahrerduos, der Schlauch des Hinterrades inklusive Mantel in seine Einzelteile aufgelöst.
Dies ist normalerweise das vorzeitige Ende einer lustigen Tandemfahrt. Nicht aber, wenn technikbegeisterte Mitfahrer Klebeband und Kabelbinder am Mann, bzw. in diesem Fall an der Frau haben. Dank Kabelbinder und einem Austausch der Teams, „leichte Mädchen werden gesucht“, hatte auch dieses Tandem erfolgreich den Weg in die Tandemcommunity zurückgefunden.

Nach fast genau 50 km sind wir wohlbehalten und um viele neue Erfahrungen reicher wieder im Vereinshaus angekommen. Es war ein tolles Teamerlebnis, man kam sich näher, hat viel geredet und so einen unvergesslichen Tag verbracht.

Beim gemeinsamen Dithmarscher Bier, jeder Menge Kaffee und Kuchen klang dieser besonders schöne Tag aus. Wir sind uns alle einig: Es macht Lust auf mehr, denn „normales“ Fahrradfahren ist langweilig.

Heiko W.

Macht Fahrradfahren den Sex kaputt?

  • Artikel aus der Hamburger Morgenpost mit dem Titel "Macht Fahrrad fahren den Sex kaputt?" Die Text ist nicht lesbar, aber prominent ist unten eine hübsche Dame abgebildet, die tief vorüber sitzend auf einem Rennrad sitzt. Mit Absätzen zudem.

Transkription des Zeitungsartikels

Macht Fahrradfahren den Sex kaputt?

New Haven - Regelmäßig ein paar Runden auf dem Rad zu drehen, verspricht straffe Beine und einen knackigen Popo. Doch in einigen Fällen kann der Sattel verheerende Auswirkungen auf das Sexleben von Frauen haben: Ein falsch eingestellter Fahrradsitz kann zu betäubten Genitalien führen und Damen sexuell abstumpfen lassen!

Das haben Wissenschaftler der renommierten Yale Universtiy in den USA herausgefunden. Sie ließen 48 Frauen eine Monat lang mindestens 16 Kilometer pro Woche im Labor radeln und maßen dabei die Vibration in ihrem Körper. Außerdem mussten die Studienteilnehmerinnen beschreiben, ob sie während des Strampelns in ihrer Intimregion Schmerzen, Kribbeln oder Ähnliches verspürten.
Ergebnis: Bei den Probandinnen, die ihren Lenker tiefer als den Sattel eingestellt hatten, wurde ein erhöhter Druck auf die Dammregion sowie eine verminderte Empfindlichkeit in der Genitalzone festgestellt. Besonders abgestumpft waren der vordere Vaginalbereich und die linke Schamlippe. Verursacht werden die Probleme, weil Nerven und Blutgefäße abgeschnürt werden. Die Yale-Forscher empfehlen Frauen deshalb, den Fahrradlenker stets höher als den Sattel einzustellen.
Für Biker-Herren gilt übrigens das Umgekehrte: Wer scharf auf Erhaltung seiner Manneskraft ist, sollte den Sattel höher als seinen Lenker stellen. In früheren Studien wurde erforscht, dass es bei ihnen eher zu einer Betäubung im Genitalbereich kommt, wenn der Lenker parallel oder höher als der Sitz ist. Dann drückt der Körper auf die Blutgefäße im Penis, der dadurch ungenügend mit Sauerstoff versorgt wird. Das führt zur Einlagerung von schädlichem Kollagen, das wiederum über mehrere Jahre zur Impotenz führen kann. Untersuchungen zufolge klagen 60 Prozent unter männlichen Vielfahrern über Taubheit der Genitalien.
Auch die falsche Neigung des Sattels kann böse Folgen haben und Erektionsstörungen verursachen. Der Sitz sollte möglichst horizontal und nicht mit der Spitze nach oben montiert werden.

CWG
Panorama in Hamburger Morgenpost vom Sonnabend, dem 19. Mai 2012, S. 53 mit freundlicher Genehmigung der Morgenpost-Redaktion.
Gefunden und zur Verfügung gestellt von Martina F.

Ich finde Bahnfahren tierisch gut

Die meisten von euch wissen es: Blinde und Sehbehinderte, die ein „BL“ im Behindertenausweis eingetragen haben, dürfen in der Bahn gratis eine Begleitperson mitnehmen. Wisst ihr, dass dies auch für Reisen in viele Nachbarländer (nicht alle) gilt? Die Schaffner im Ausland sicherlich nicht, weil die den deutschen Behindertenausweis nicht kennen. Also muss man sich am DB-Schalter einen sogenannten „Null-Fahrschein“ ausdrucken lassen für die Strecke im Ausland ab Grenze. Genauso haben Anja und ich es gemacht, als wir meinen Bruder in Groningen (Niederlande) besucht haben. Hier das Ergebnis:

Und für die, die das Bild oben nicht sehen können: Auf dem Fahrschein steht „Blindenhund“. Vermutlich hätte ich bei ausgelastetem Zug auf den Schoß genommen werden müssen. Übrigens: Leider kam kein Schaffner zum Kontrollieren vorbei. Vielleicht das nächste Mal doch lieber als blinder Passagier mitfahren?

Jan K.

Unsere Cartoonistin stellt uns den Blindenhund Jan vor, der gern auf den Schoß genommen werden möchte.

Die Geburtstage

Aus Datenschutzgründe wird der Geburtstagskalender nicht im Internet veröffentlicht. Der ist jedoch in der Papierversion und PDF-Version des Speichenspiegels vorhanden. Wer Mitglied oder Pilot im Tandemclub ist, kann den Geburtstagskalender beim Webmaster (Jan Klijn) oder bei der Redaktion (Detlev Kahl) beantragen. Wir mailen dir dann den Kalender zu.

Jan

And the winner is...

Ulrike hat netterweise wieder die Teilnehmerlisten der Wochenend­touren ausgewertet und so sollen auch in diesem Speichenspiegel die treuesten, ausdauerndsten, konstantesten Wochenend-Vielfahrer mit einer Rangliste geehrt und beglückwünscht werden.

Zehn Mal
Rudolf G.
Wolfgang W.

Acht Mal
Dieter M.
Elke W.
Ulli S.

Sieben Mal
Gregor S.
Matthias P.

Macht weiter so! Mögen andere euch nacheifern.

Siehe auch: Neue Wörter „Hundbremse“
Cartoon: Barbara Hömberg

Das Bild zeigt einen großen Hund mit einer Sonnenbrille und einem Blindenband (gelb mit schwarzen Punkten) um den Schwanz. Im Maul hält er ein Schild mit dem Text "Hamburg" und er steckt den Daumen der Pfote hoch zum trampen. Unter dem bild steht der Text "Blindenhund", nur ist das "n" durchgestrichen und einen "r" daraus gemacht, damit das Wort "Blinderhund" entsteht.

Worte vom Tourenwart

Liebe Tandemfreundinnen und -freunde!

Die winterlichen Temperaturen laden beim Schreiben dieser Termine noch nicht wirklich zum Tandemfahren ein, aber die Termine sollen ja rechtzeitig geplant und zusammengestellt werden, die Ihr dann nachstehend findet.

Wenn dieser Speichenspiegel erscheint, wird die letzte Winterwanderung im Februar 2013 gerade stattfinden oder stattgefunden haben. Da wir die Tandemsaison erst etwas später beginnen als üblich - der letzte Samstag im März ist Ostersamstag - wird auf vielfachen Wunsch noch eine weitere Winterwanderung im März 2013 durchgeführt, um das obligatorische Mehlbüddelessen durchzuführen. Der genaue Termin und die Wanderroute stehen z. Z. aber noch nicht fest. Ihr werdet dies spätestens bei mir telefonisch erfragen.

So wünsche ich uns auf diesem Wege immer viel Luft in den Reifen und hoffe auf eine abwechslungsreiche Tandemsaison 2013. Bis dahin verbleibe ich mit sportlichem Gruß

Ulli Staniullo
P.S.: Auch in dieser Saison benötigen wir wieder viele Tourenleiterinnen und –leiter. Für die Wochenendtouren bitte bei mir unter bekannter Telefonnummer melden. Die Literatouren verwaltet Klaus Kurznack, die Hunderter-Touren Ulrike Gös.

Tourenplan 2013

Normale Touren
Anmeldung bei Ulli Staniullo unter Tel. 040-831 64 01 oder Tel. 0160-98145245.

Wenn Ulli nicht da ist, bei Anja Meister, Tel. 040-320 30 641.

Auch wer sich als Tourenleiter für diese Touren melden möchte, ist unter diesen Nummern ein gern gehörter Anrufer!!!

Achtung: der Tourenplan hier wird nicht aktualisiert. Den aktualisierten Tourenplan findet ihr unter allgemeine Touren.

  1. Sa., 06.04.2013 (Anradeln)
  2. So., 28.04.2013
  3. Sa., 25.05.2013
  4. So., 16.06.2013
  5. Sa., 06.07.2013
  6. So., 28.07.2013
  7. Sa., 17.08.2013
  8. So., 08.09.2013
  9. Sa., 28.09.2013
  10. So., 13.10.2013
  11. Sa., 26.10.2013 (mit Radputzen)

Literatouren
Jeweils Mittwochs,  Anmeldung bei Klaus Kurznack, Tel. 59 50 26.

Achtung: der Tourenplan hier wird nicht aktualisiert. Den aktualisierten Tourenplan findet ihr unter Literatouren.

  1. Mi.: 17.04.2013
  2. Mi., 15.05.2013
  3. Mi., 05.06.2013
  4. Mi., 26.06.2013
  5. Mi., 17.07.2013
  6. Mi., 07.08.2013
  7. Mi., 28.08.2013
  8. Mi., 18.09.2013
  9. Mi., 09.10.2013
  10. Mi., 23.10.2013

100-er Touren
Anmeldung bei Ulrike Gös, Tel. 040-53 69 59 78 oder 0163-820 36 54.

Achtung: der Tourenplan hier wird nicht aktualisiert. Den aktualisierten Tourenplan findet ihr unter Hundertertouren.

  1. Sa., 04.05.2013
  2. So., 02.06.2013
  3. Sa., 13.07.2013
  4. So., 15.09.2013

Klönabend
Jeden ersten Donnerstag im Monat (mehr...).

Abschied von Hans Adam

Am 28. Dezember 2012 verstarb Hans Adam im Alter von 81 Jahren.

Hans war 1984 bei Gründung des Vereins ein Mann der ersten Stunde. Als Kassenwart war er Mitglied des Vorstands und bestimmte die Geschicke des Tandemclubs von Beginn an maßgeblich mit. Fast 20 Jahre bekleidete er diese Funktion. Während dieser Zeit durchlief die Weiße Speiche so manche schwierige Situation. Hans war stets der Fels in der Brandung – war immer ansprechbar, stand mit Rat und Tat zur Verfügung. Auch nach seinem altersbedingten Ausscheiden aus dem Vorstand engagierte er sich weiter für die Weiße Speiche. Seine Beiträge in der Mitgliederversammlung waren immer willkommen.

Bereits kurz nach der Gründung des Vereins verschaffte Hans dem Tandemclub den Status der Gemeinnützigkeit und schuf damit für den Verein das Fundament für eine solide finanzielle Basis.

Da sich Hans aufgrund seines großen Engagements für den Verein sehr verdient gemacht hat, wurde ihm als erstem Vereinsmitglied die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Der Tandemclub Weiße Speiche trauert um Hans Adam.

Gregor

Abschied von Helmut Karczewski

Helmut Karczewski ist am 30. Dezember 2012 im Alter von 75 Jahren verstorben.

Helmut war fast von Beginn an Mitglied in der Weißen Speiche und ist unzählige Touren als Pilot mitgefahren. 1994 wurde er als Gerätewart Mitglied des Vorstands. Er übernahm die Tandemflotte in einem sehr desolaten Zustand. In unermüdlicher Arbeit – oftmals auch während der Winterpause in eisiger Kälte in der Halle in Pinneberg – sorgte Helmut dafür, dass wir wieder funktionsfähige Räder zur Verfügung hatten. Mit Eintritt in den Ruhestand gab er diesen Posten auf, weil er ungebunden sein wollte, um seinen Lebenstraum zu verwirklichen – Reisen mit dem Wohnmobil.

Dieses Vorhaben konnte er jedoch nur in Ansätzen verwirklichen, was ihn manchmal doch sehr bedrückte. Aufgrund des Gesundheitszustands von Ute, seiner Lebenspartnerin, siedelte er mit ihr nach Bad Bevensen um, wo er bis zu seinem Tode lebte.

Fast 20 Jahre war Helmut mein Pilot. Mit einer Ausnahme sind wir alle von Ute geleiteten BDR-Touren zusammen gefahren. Als Helmut sich aus dem aktiven Geschehen zurück zog, hat er einmal überschlagen, dass wir etwa 12.000 km zusammen zurückgelegt haben. Eine lange gemeinsame Zeit, in der wir viel erlebt haben. Wenn Steigungen auch nicht gerade Helmuts Stärke waren, so liebte er umso mehr die Abfahrten. „Bremsen ist Energieverschwendung“ war seine Devise. Ich habe bereits viel an diese gemeinsame Zeit gedacht und werde sie und damit auch Helmut nie vergessen.

Helmut war ein Original – manchmal ein bisschen schrullig und kantig, gelegentlich auch mal eigensinnig, brauste auf, eckte an, war dann aber sogleich wieder der netteste Kerl. So ging er seinen Weg durchs Leben. Doch was er auch tat, was ihn auch trieb, nie vergaß er die Weiße Speiche – stets lag ihm das Wohlergehen des Vereins am Herzen. Nahezu jeder im Verein kannte ihn, kaum einer wird ihn so schnell vergessen.

Helmut, wir werden Dich vermissen.

Farewell alter Freund – wenn sich eine Tür schließt, wird ein anderes Tor weit aufgehen.

Gregor

Das Bild ziegt die Freund und Leidkasse des Tandemclubs. Es ist eine Holzkiste mit einer Glasscheibe vorne mit einem Club-Aufkleber. Die Kasse ist so gut wie leer.
Niedriger Speichenspiegel