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Logo vom Speichenspiegel mit dem Text: Speichenspiegel, das jährliche Magazin des Tandem-Clubs Weiße Speiche Hamburg e.V.

Das jährliche Magazin des Tandemclubs Weisse Speiche Hamburg e.V.

Speichenspiegel 2011/2012

Redaktion: Ulrike Gös

Anmerkung: Einige Daten, wie der Geburtstagskalender und die meisten Nachnamen, werden aus Datenschutzgründen an dieser Stelle nicht veröffentlicht. Bitte wendet Euch wegen einer kompletten Version des Speichenspiegels an die Redaktion.

Ins Bewusstsein gerückt

Seit etwa zehn Jahren werden die Kosten für unser Begleitfahrzeug von einer Stiftung direkt gegenüber dem Verein gesponsert. Bereits damals hat es einer umfangreichen Korrespondenz bedurft, um dieses Ergebnis herbeizuführen. Seit Dezember letzten Jahres steht diese Zuwendung nun wieder auf dem Prüfstand dieser Stiftung, und wir hoffen, bis zum Beginn der nächsten Saison ein tragfähiges Ergebnis erzielt zu haben. Doch nicht nur die Kosten für den Begleitbus, sondern praktisch alle Aufwendungen, die im Hinblick auf unser Gelände in Pinneberg und die Anhänger, für die Anschaffung von Tandems und zum Teil auch für Reparaturen erforderlich werden, müssen von Stiftungen/Sponsoren eingeworben werden. Diese seit Gründung des Vereins geübte Praxis versetzt uns in die Lage, ein hervorragendes Angebot machen zu können:

Der Verein erhebt von seinen Mitgliedern einen - gegebenenfalls geminderten - Jahresbeitrag sowie Startgelder. Der Jahresbeitrag ist seit Gründung des Vereins, also seit mehr als 27 Jahren, nicht erhöht worden. Lediglich das Startgeld wurde vor zehn Jahren einmal um zwei  Euro angehoben. Als Jahresbeitrag sind nach wie vor 30 Euro und als Startgeld sieben bzw. fünf Euro zu entrichten.

Hierfür bietet der Verein seinen Mitgliedern pro Saison mehr als zwanzig Touren, stellt die Tourenleiter, die Piloten, die Tandems und bei den Wochenendtouren ein Begleitfahrzeug mit Fahrer, unterhält in Pinneberg ein Gelände mit einer Halle  zur Unterbringung der Tandems und eines großen Anhängers sowie zwei Container, gleichfalls zur Unterbringung von Gerätschaften sowie zum Aufenthalt.

Dies soll ganz gewiss keine Erfolgsbilanz sein. Es soll vielmehr nur einmal das Bewusstsein dafür geweckt werden, was der Verein leistet, wie viel für doch recht wenig Geld geboten wird. Da drängt sich sogleich der Vergleich mit anderen Sportvereinen auf. Wenn wir diesen auch nicht zu scheuen hätten - er würde wohl in jedem Falle zu unseren Gunsten ausgehen - so hinkt er doch, denn das satzungsmäßige Ziel des Vereins ist nicht die sportliche Betätigung, sondern die Integration Sehgeschädigter.

Gregor Scheithauer

Der unsichtbare Schatten

Hallo Freunde der Weißen Speiche,

ich bin Eurer unsichtbarer Schatten.

Wie „Schatten“?

Ich bin der Fahrer Eures Begleitfahrzeugs, Thomas. Ungefähr im Jahr 1987 kam ich zu Euch. Ich war damals Helfer beim Roten Kreuz Hamburg-Mitte. Mein Zugführer meinte damals zu mir: „Ich habe eine tolle Sache für Dich. Da ist ein Wanderclub, die Weiße Speiche, und die haben Sanitäter angefordert.“ Was er mir unterschlagen hatte, war die Tatsache, dass es sich um einen Rad-Wanderverein handelt. „Also ziehe dir festes Schuhzeug an und gehe da mal mit.“

Ich bin Bergwanderer und habe mir Bergstiefel angezogen. Sehr gut fürs Fahrradfahren! Dann sind wir mit einem Bundeswehrbus an einen See gefahren. Ich weiß heute nicht mehr, ob es der Plöner See oder der Ratzeburger See war oder sonst einer. Ich stand dann sehr erstaunt vor einem Tandem und keiner hat mich eingewiesen. Mein Mitfahrer war vollblind, aber hat er mir während der Tour gezeigt, wie man mit einem Tandem und seinem Mitfahrer umgeht.

Dann kamen weitere Touren, wo ich als Pilot mitgefahren bin.

Zuerst sind wir immer von Vahrendorf (das liegt hinter Harburg) losgefahren. Dort hatten wir einen Platz in der Halle eines Busunternehmers. Wir vom Roten Kreuz hatten damals einen Shuttle-Fahrdienst vom Bahnhof Altona und Berliner Tor. Drei VW- Busse hier und dort. Dann wollte die Weiße Speiche mobiler werden. Man wollte auch woanders fahren als nur in den Harburger Bergen. Nur wohin mit den Tandems und dem Anhänger? Zeitweilig standen unsere Tandems auf freiem Feld. Dann bei irgendwelchen Bauern in der Scheune.

Hier mal ein Erlebnis: ich und mein Kollege kommen von einer Tour zurück. Es war ein neues Schloss vor der Scheune und wir kamen nicht rein. Was tun? Wir sind dann zu dem Bauern gefahren und haben ihn zur Rede gestellt. Er war mit den Vermietpreisen wohl nicht einverstanden. Wir haben dann den Vorsitzenden der Weißen Speiche angerufen. Jasper V. hat dann mit dem Bauern verhandelt.

In Hamburg konnten wir natürlich den Anhänger mit den Tandems nicht an die Straße stellen. Sonst hätten wir wahrscheinlich nur noch die Hälfte der Tandems.
Dann war unser Anhänger etwa ein Jahr in unserer Katastrophenhalle in Hamburg-Billbrook abgestellt. Ich war damals Gruppenführer beim Katastrophenschutz in unserem Kreisverband. Ich hatte mit der Feuerwehr Hamburg ausgehandelt, dass der Anhänger und die Tandems dort stehen durften. Die Halle war von der Feuerwehr für uns angemietet. Dann kam Pinneberg und die heutige Halle.

Ich wurde nun immer mehr zu Eurem Begleiter. Andere Kollegen vom DRK sind immer mehr weggeblieben. Sanitätsdienst auf dem Hamburger Dom ist interessanter? Ich habe Dienste auf dem Hamburger Dom erlebt und sie waren stinklangweilig. Diese Leute sind leider Blaulicht-geil.

Ich habe mit der Weißen Speiche viele schöne Erlebnisse gehabt. Unser Verpflegungszug hatte uns Erbsensuppe geliefert. Aber leider ohne Teller und Löffel. Also was tun mitten in der Pampa, am Sonntag? So ist dann einer aus der Gegend losgezogen und irgendein Gasthof hat uns seine Reserve an Tellern und Löffeln zur Verfügung gestellt. So sah man dann alle von ein paar Tellern essen und mit ein paar Löffeln. Improvisieren ist eben alles bei der Weißen Speiche. Oder wie wir geschlagene zwei Stunden auf die Rechnung im Restaurant gewartet haben. Die Enkelin der Wirtin sollte Rechnen lernen. Sie hat sich übrigens meist zu Gunsten der Wirtin verrechnet.

Tja, wenn ich Euch mit meinem Gespann begleite, muss das doch sehr langweilig sein!?

Ich freue mich, wenn ich Euch da radeln sehe. Das ist für mich eine sehr schöne Motivation und ich weiß, dass meine Arbeit nicht umsonst ist. Ich genieße auch die Natur, und ab und zu habe ich ja auch meine schwerbehinderte Freundin Claudia dabei. Der Anhänger ist zudem nicht ganz einfach zu fahren. Meine Freundin unterstützt mich und genießt mit mir zusammen das Erlebnis „Weiße Speiche“.

Euer Thomas, der Begleiter

Das merkwürdige Verhalten Tandem fahrender H-Meisen oder das große Krabbeln

»Gruppendynamik bei der Weißen Speiche«

Hinter unserem Sozialcontainer in Pinneberg gibt es einen Ameisenhaufen. In ihm lebt ein Volk von intelligenten Ameisen, den sogenannten Speichen-Ameisen. Sie leben dort in Ruhe und Frieden, können ihren Geschäften nachgehen und ihren Staat ausbauen. Nur  an wenigen Tagen im Jahr müssen sie sich Land und Straßen mit riesigen Wesen teilen, unter deren plumpen Schritten schon so manche Speichen-Ameise ihr Leben verloren hat. An den besagten Tagen fallen jene ein wie ein Insektenschwarm, wimmeln herum, schwirren ab, kommen nach Stunden wieder, wimmeln wieder herum, bilden manchmal eine Kreis, verzehren unglaublich leckere  süße Nahrung (auf deren Krümel sich die Speichen-Ameisen wie närrisch freuen), und verschwinden wieder. Wenn man die Opfer mal nicht rechnet, dann sind diese Überfälle auszuhalten.

Eine Ameise.

Dieser Meinung wenigsten ist  die junge Speichen-Ameise Formica radialis Pinnebergensis 3724. Nennen wir sie der besseren Ansprache wegen nur mit ihrem Gattungsnamen Formica. Sie studiert Soziologie im 3. Jahr mit Nebenfach Psychologie und hält sich für wissbegierig und vorurteilsfrei.  Ihr Professor hat ihr erklärt, dass die plumpen Wesen Human-Ameisen seien, im Soziologen-Jargon auch H-Meisen genannt. Sie hätten ein hochentwickeltes Sozialverhalten, das man als eine frühe Vorstufe der Interaktion im Ameisenstaat verstehen könnte. Wenn sich die Studentin das zutraue, dann könne sie Feldstudien bei diesem Wanderstamm der H-Meisen betreiben und darüber ihre Semesterarbeit schreiben. Sie müsse aber auch die Migrationsbewegungen beobachten, die die H-Meisen in den Stunden der Abwesenheit machten.

Formica überlegte nicht lange. Ihre Mitstudenten bekamen viel langweiligere Themen: das Liebesleben der Ohrenkneifer z.B. oder die Photophobie der Kellerasseln. Außerdem war sie von den Geräten der H-Meisen fasziniert, diesen  schlanken und anscheinend doch so soliden Kerbrollern, von denen die H-Meisen eine große Anzahl besaßen und die sie an bestimmten Tagen hingebungsvoll reparierten und einmal im Jahr leider nur nachlässig putzten. Wenn sie nur an die blitzenden feinen Speichen in den Rollbeinen dachte, fand sie ihre eigenen Fühler und Beine krakelig und stumpf. Und sie müsste auf so einem Gefährt mitfahren - ihr wurde doch ein wenig bang.

Aber noch war es nicht so weit. Sie fasste erst einmal zusammen, was sie an den Schwarm-Tagen beobachten konnte: Die H-Meisen kommen meist morgens an, einige auf ihren zwei Beinen, einige auf mitgebrachten Kerbrollern, einige in rollenden Dosen. Dann stehen sie einen Moment herum, einige zittern, einige trinken heißen braunen Saft. Alle haben sie ein Gepäckstück dabei, aber anstatt daraus einen Gang oder einen Raum zu bauen, wie anständige Ameisen es tun würden, hängen einige von ihnen sie ganz schnell an einen bestimmten Kerbroller, dann ist das ihrer für den Tag. Besonders beliebt scheinen die dicken niedrigen roten Kerbroller zu sein, was Formica nicht versteht, sie würde eins der schlankeren Modelle bevorzugen.

Dann hält eine von den H-Meisen eine Rede, aber nicht alle hören zu, sondern kommunizieren mit Nebenstehenden, was wieder andere zu stören scheint, denn sie fangen an zu zischen. Dann geht ein Riesengekrabbel und Gewimmel los, das nur scheinbar sinnlos ist, wie bei den richtigen Ameisen. Denn es werden sinnvolle Tätigkeiten ausgeführt: braunen Saft kochen, Kerbroller herausholen und beiseite stellen, die äußeren Laufkreise hart machen, die Sitze mehrfach verstellen. Es sind aber meist dieselben H-Meisen, die diese Tätigkeiten ausführen, das scheinen spezielle  Arbeits-H-Meisen zu sein.

Einige H-Meisen scheinen besondere Verehrung zu genießen. Sie werden von anderen respektvoll geführt, man macht sie auf größere Hindernisse aufmerksam, bei der Begrüßung stellt sich der andere zuerst vor. Formica weiß noch nicht, worin das Besondere besteht.

Ein Kerbroller nach dem anderen wird auf die Straße geschoben. Die H-Meisen setzen Kugelschalen auf ihre Köpfe, schützen ihre Augen, einige ziehen auch dicken Schutz über den Oberkörper. Sie sehen damit aus wie dicke Brummer. Schöner werden sie dadurch nicht, aber es ist wohl ein notwendiger Arbeitsschutz. Für Formica wird es Zeit, auf eine der letzten herumstehenden Taschen zu krabbeln, um mitfahren und das Migrationsverhalten beobachten zu können.

Zuerst fahren die Doppelroller schön hintereinander, so wie die richtigen Ameisen auf ihren Straßen laufen. Formica hat ihre Freude daran, wie die schönen Kerbroller dahingleiten und wie diszipliniert die H-Meisen sich verhalten. Dann kommt eine Querstraße für rollende Dosen. Die ersten H-Meisen halten an und bilden einen Haufen vor einem Stamm mit rotem Licht. Einige H-Meisen fahren einfach über die Straße und zwingen die Rolldosen zum Anhalten.  Als an dem Stamm das Licht grün wird, fährt der Haufen los, das klappt aber nur bei wenigen, denn es ist nicht genug Platz zum Anlaufen. Die ersten, die am Lichtstamm rübergefahren sind, bleiben auf der anderen Seite sofort stehen, sie wollen wohl den so gewonnenen Brückenkopf sichern.  Die nächsten müssen sehen, wie sie um diese herumkommen, notfalls über eine dicke Steinstufe, die am Straßenrand verläuft. Inzwischen ist das Licht wieder rot geworden, einige fahren noch rüber, ein Rest scheint  das rote Licht zu fürchten und wartet auf den Wechsel . Währenddessen fahren die Hinübergekommenen lustig weiter. Der furchtsame Rest muss sich dann richtig anstrengen, um sie wieder einzuholen.

So geht  das meistens, wenn Querstraßen überwunden werden müssen. Formica merkt sich als Strategie der H-Meisen: bei Hindernissen versucht jeder sein Glück für sich, egal was die anderen machen. Möglich, denkt Formica, aber auch gefährlich, und die H-Meisen sind nicht so zahlreich wie ihr Volk der Speichenameisen.

Dann rollt der H-Meisen-Trupp auf kleinen Nebenstraßen und Wegen. Egal wie breit sie sind, die H-Meisen schaffen es immer, die ganze Breite auszufüllen. Wenn es sein muss, rollen sie in Dreierreihen nebeneinander her. Sie unterhalten sich und schauen in die Gegend. Von Zeit zu Zeit, wenn eine Rolldose auf derselben Straße fährt, rufen sie etwas, das wie „Koorn“ und „FIinten“ klingt. Dann versuchen die Kerbroller, wieder eine Linie zu bilden, wobei es wichtig zu sein scheint, den Hintermann möglichst elegant zu schneiden. Der bremst dann und die dahinter Rollenden können sehen, wo sie bleiben. Kaum mit Mühe gebildet, löst sich die schöne Perlenschnur wieder auf. Unsere Formica kennt auch Ameisenwege, auf denen man sich begegnen und überholen kann, aber da geht es um das Vorankommen der arbeitenden Ameisen, bei den H-Meisen geht es offensichtlich um das Gegenteil. Vor allem, wenn sie halten, dann stellen sie jeden Weg oder Bürgersteig so zu, dass keine H-Meise, egal ob zu Fuß oder auf einem Kurzkerbroller, die nicht zur Gruppe gehört, vorbei kommt.   Formica will das in ihrem Referat als „Pfropfbildung zur Fremdabweisung zugunsten der Gruppenstabilität“ beschreiben.

Die nächste überraschende Erkenntnis erwartet unsere Formica, als die H-Meisen auf einer schönen Lichtung anhalten und ihre Taschen auspacken. Sie sitzen und stehen herum und essen und trinken. Dieser aufwendige Ausflug mit so vielen  H-Meisen und Kerbrollern dient also nicht der Suche und  Beschaffung von Nahrung, sondern deren Vernichtung. Offensichtlich verzehren die rollenden H-Meisen von anderen gesammelte Nahrung und sie tun es an einem weit abliegenden Ort, fern von ihrem Volk, sie scheinen also zu einer privilegierten Schicht zu gehören. Formica merkt sich: die rollenden H-Meisen bilden eine Oberschicht, die ihren Fressgelüsten an besonderen Orten frönen. Dazu passt auch ein Verhalten, dass unsere Ameise von ihrem Volk kennt. Bestimmte Ameisen arbeiten in der Blattlauskolonie und sammeln den süßen Seim, den die Blattläuse von sich geben, wenn man ihnen über den Rücken streicht. Auch bei den H-Meisen gibt es nicht wenige, die während der Pausen Süßigkeiten absondern, man braucht ihnen noch nicht einmal über den Rücken zu streichen, ein Berühren des Arms oder ein Lächeln im Gesicht reicht.  Formica kann den verführerischen Zucker- und Lakritzduft auf mehr als 20 Meter ausmachen. Es gibt aber auch H-Meisen, die die mehrfach angebotenen Süßigkeiten ablehnen.

Am Ende der Nahrungsvernichtungspause gehen alle H-Meisen wieder zu den Kerbrollern. Alle? Nein, einige laufen von der Gruppe weg in die Büsche. Alle anderen warten. Formica kann nicht sehen, was sie da machen, sie vermutet, dass diese noch einmal privilegiert sind, sich verstecken, um noch mehr Nahrung zu vernichten. Sie will ihren Professor danach fragen. Endlich setzt sich die Rollgruppe wieder in Bewegung, ziemlich schleppend. Formica merkt sich: Obwohl die Taschen jetzt leichter sein müssten und die H-Meisen Ess-Energie aufgenommen haben, werden vor allem die hinten Rollenden immer langsamer. Und plötzlich ist es passiert. Die Gruppe ist auseinandergefallen. Die Hinteren, bei denen Formica mitrollt, sehen ratlos aus. Nur eine H-Meise, die eine schwarze Knolle in der Hand hat, spricht immer verzweifelter immer dasselbe und schüttelt dann den Kopf. Es dauert eine ganze Weile bis eine Späher-H-Meise der verschwundenen Rolltruppe auftaucht. Sie wird mit Erleichterung begrüßt und gleichzeitig beschimpft. Als beide Teilgruppen wieder zusammen kommen, wird weiter gespottet und geschimpft. Formica stellt fest: Die Orientierungs-Kommunikation ist bei den H-Meisen noch entwicklungsfähig. Sie hätte allein am Geruch die Spur der vorderen Kerbroller aufnehmen können, aber wer hätte schon auf sie gehört.

Es fängt an zu regnen. Formica stört das nicht weiter, aber die H-Meisen mögen das offensichtlich nicht. Sie ducken sich unter dem stärker werdenden Regen und rollen missmutig weiter. Als alle außen richtig durchgenässt sind, hält die Gruppe an und die H-Meisen holen viele bunte Häute aus den Taschen und ziehen sie über ihre nasse Außenhaut. Offensichtlich dürfen diese Häute erst angelegt werden, wenn man schon richtig Nässe angesammelt hat. Diese schützt man dann durch die bunten Häute. So kann man das Nass transportieren. Vielleicht wird daraus der braune Saft gemacht, vermutet Formica, den die H-Meisen an ihrer Versammlungsstätte trinken.

Formica riecht, dass die Gruppe auf derselben Spur rollt, auf der sie losgefahren ist. Es geht also zurück zum Versammlungsplatz und zum Heim der Speichenameisen, und ihr Abenteuer nähert sich dem Ende. Es  kommt Bewegung und Unruhe in die Gruppe. Einige Kerbroller erhöhen ihre Geschwindigkeit und rollen ziemlich schnell und eng an riesigen Rolldosen vorbei. Auch das Gefährt, auf dem Formica mitfährt, wird immer schneller. Formica hatte während der Fahrt die kräftigen nackten Beine ihrer H-Meise bewundert – übrigens die einzigen nackten in der ganzen Gruppe. Diese treten jetzt so kräftig in die Fußhebel, dass sie alle anderen überholen und Formicas Fühler vom Gegenwind an den Kopf gedrückt werden. Sie stehen als erste am Tor, andere kommen hechelnd an, aber alle müssen warten, denn die Wächter-H-Meise mit dem Schließzapfen kommt als letzte an. Formica erinnert diese Schlußhatz an das Tanzritual, das Bienen vor ihrem Korb bei der Heimkehr aufführen, aber der Sinn erschließt sich ihr nicht.

Die H-Meisen von jedem Kerbroller schütteln sich die Vorderbeine, alle zusammen klatschen mit denselben für die Führungs-H-Meise, dann bringen sie ihre Kerbroller in den Bau, bilden einen Kreis und essen und trinken schon wieder. Einige H-Meisen trinken aus kurzen braunen Flaschen einen stark riechenden,  schäumenden Saft, der Formica magisch anzieht. Sie krabbelt die lecker klebrige Wand hinauf, guckt über den Rand, sieht noch ein Wespe in dem Saft schwimmen, dann wird ihr schwindelig und sie fällt und fällt.

Ist es das berauschende Ende Formicas, unser sympathischen kleinen Soziologie-Studentin, die wir gerade beginnen ins Herz zu schließen? Nein, natürlich nicht. Wie hätten wir sonst von ihrer Feldforschung erfahren. Ich habe sie aus meiner Flasche Dithmarscher Landbier gehoben und trocken gepustet. Sie hat mir versprechen müssen, ihre Diplomarbeit von ihrem Professor vom Ameisischen ins H-Meisische übersetzen zu lassen. Daraus habe ich diesen Bericht gefertigt. Ich finde allerdings, dass unsere Verhaltensweisen völlig unzutreffend beschrieben und gedeutet werden.  Das muss an den Spätfolgen des Bier- und Geschwindigkeitsrausches Formicas oder an den schlechten Sprachkenntnissen ihres Professors liegen. Ich wenigstens habe nichts erfunden.

Detlev Kahl     13.11.2011

Warum Tandem?

Im vergangenen Jahr wurde an dieser Stelle Werbung für ein Büchlein „Warum Tandem?“ (Herausgeber Gerhard Josten, Verlag Helmut Ladwig) gemacht, in dem unterschiedlichste Menschen ihre Beziehung zum Doppelfahrrad erklären. Für alle, die es immer noch nicht gekauft haben, hier in gekürzter Form das wichtigste:

Jan Klijn - Auszug aus `Ein Traumpaar auf dem Tandem`

Viele Jungs interessieren sich für Autos, am liebsten schnelle Autos. Ich nicht. Ich kann Autos fast nur an der Farbe unterscheiden. Doch kann ich die Liebe für schnelle Autos nachvollziehen. Auch ich liebe den Geschwindigkeitsrausch, allerdings mit dem Sausen des Windes durch meine Haare und dem Schnurren der Kette über die Kettenblätter. Kein Wunder, dass ich gerne auf dem Rennrad unterwegs bin. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Käskopf bin: Holländer besitzen – so wird mir hier in Deutschland öfter erzählt, – ein extra Fahrrad-Gen. Ich schließe das nicht aus und werde meinen Körper nach meinem Tod gerne der Wissenschaft für nähere Analysen zur Verfügung stellen, um dieses Gen zu untersuchen.

Studiert habe ich in Amsterdam und hier bin ich zum ersten Mal mit Tandems in Berührung gekommen, und sei es nur auf der geistigen Ebene. Es passierte beim Lesen meines Life Style Magazins „De Vogel­vrije Fietser“. Es ist das Blatt des Niederländischen Fahrradbundes, der vergleichbare, aber ehrgeizigere Ziele hat als der ADFC. Während ich also fleißig an meiner Abschlussarbeit schrieb, eine Tätigkeit, die bekanntlich Dreiviertel der Studentenzeit dauert, las ich also diesen Artikel, der über blinde Rennradfahrer erzählte, die Piloten suchten, um zusammen Tandem zu fahren. Aufgrund der Luftwiderstandsvorteile würde dies wohl noch schneller sein als Rennradfahren. Noch schneller? Wie bitte? Das musste ich unbedingt mal probieren. Aber wie das so läuft... man legt das Magazin zur Seite, vergisst den Artikel und irgendwann landet das Heft im Altpapiercontainer.

Irgendwann war dann tatsächlich mein Studium zu Ende und ich zog für meine Doktorarbeit nach Hamburg. Das war im Oktober 1999. Gleich in der ersten Woche nach meinem Umzug lief ich rein zufällig an der hamburgischen Geschäftsstelle des ADFC vorbei.

Diese war damals nicht wirklich im Zentrum der Stadt, sondern vielmehr in einer kleinen Seitenstraße. Die Wahrscheinlichkeit, sie in einer Metropole zufällig zu finden, ist äußerst gering. Aber dass ich es geschafft habe, wird wohl auch am holländischen Fahrrad-Gen liegen. Ich habe mich sofort angemeldet und zwei Wochen später lag das erste Heft von „Radwelt“ für mich in der WG bereit. Ich gehe mal stark davon aus, dass es einen Drahteselgott gibt, denn tatsächlich befand sich im ersten Heft ein Artikel über einen von Blinden und Sehbehinderten gegründeten Verein, Tandemclub Weiße Speiche e.V. aus Hamburg, der dringend Piloten brauchte. Ich schrieb also einen Brief in schlechtem Deutsch, dass ich an Renntandemfahren interessiert sei.

Einige Wochen später rief mich der Tourenwart  vom Tandemclub an. „Mmmmm... ja... ach...,“ meinte er; „So richtige Radrennen machen wir im Club nicht, aber es fahren einige Mitglieder bei den Hamburger ‚Cyclassics’ mit“. Er hatte jemand, der da mitfahren wollte. Vielleicht sollte ich mal bei einigen Vereinstouren mitmachen und schauen ob es mir gefallen würde.

Und tatsächlich, die Touren waren für meine Verhältnisse ziemlich langsam, was kein Wunder war in einer Karawane mit 20 bis 25 Tandems und mit Radfahrern jeder Altersklasse und jedes Fitnessniveaus. Mir gefiel es trotzdem. Welch eine Artenvielfalt. Ich rede jetzt nicht von der Natur, mit der man auf dem Tandem zwangsläufig konfrontiert wird, als vielmehr von den Vereinsmitgliedern. Nur in der Liebe fürs Fahrradfahren sind sie gleich. Ich langweile mich nie auf unseren Touren. Tandems eignen sich hervorragend fürs Schnattern, nie verliert man in der Gruppe seinen Gesprächspartner. Und auf jeder Tour bekommt man einen anderen Tandempartner mit einem anderen Blick auf die Welt. Ich fuhr öfter und öfter mit und fing an, ab und zu selber eine Tandemtour für den Verein zu organisieren. Am spannendsten war die Tourenleitung mit 20 Tandems durch den Hamburger Freihafen. Das Gebiet ist so überraschend schön.

Schnell fahren konnte ich zum Glück auch noch. Mit wechselnden Tandempartnern trainierte ich jedes Jahr in Juni/Juli für die „Cyclassics“. Ein Tandem bekamen wir vom Tandemclub gestellt.

Eines Jahres sprang einige Wochen vor dem „Cyclassics“- Termin mein Tandempartner ab. Auf einer regulären Tandemtour geriet ich jedoch in ein Gespräch mit einem Mädchen, das erst relativ kurze Zeit im Verein war, aber schnell dafür bekannt geworden war, der Mittelpunkt der guten Laune und Fröhlichkeit zu sein. Unser Gespräch kam auf „Cyclassics“ und es gelang mir, sie als Tandempartner für dieses Rennen zu gewinnen. Nur war sie etwas unsicher, weil sie zuvor noch nie mit mir Tandem gefahren war. Auch hatte sie bisher weder auf einem Renntandem gesessen noch ein Rennen mitgemacht. Außerdem ist ein Radrennen mit hoher Geschwindigkeit bei einem Massenstart auch nicht so einfach. Und noch was... wir hatten nur noch eine Woche zum Trainieren. Also musste ich sie schnell auf solch ein Radrennen vorbereiten.

Bei unserem ersten gemeinsamen Training mit Treffpunkt an der Vereinshalle bat sie mich; vor allem langsam anzufangen, damit sie sich an das Fahren und an meinen Fahrstil gewöhnen konnte. So fuhren wir dann am Anfang nur mit 30 km/h Richtung Hamburg los. Da angekommen, schlug ich vor, noch mal schnell den Waseberg hochzufahren, der ja schließlich direkt in der Nähe war. Ahnungslos nahm sie das Angebot an. Es lief auch alles wunderbar, bis wir auf der Hälfte der langen 16% Rampe erschöpft zum Stehen kamen. Dort stellte ich beruhigt fest, dass es nicht nur zwei, sondern drei Kettenblätter vorne gibt. Es ginge also noch leichter. „Aufsteigen! Für den zweiten Teil mit noch leichterem Gang“, rief ich meiner Tandempartnerin munter zu. Zwei Augen in einem rot angelaufenen Gesicht schauten mich entsetzt an.

„Wie... weiterfahren? Schieben wir nicht?“ so meinte sie. Ich erläu-
terte, dass man ein Fahrrad nicht schiebt, sondern fährt. Auch den Berg hoch. Also geschah es. Ging doch!.....

Anja und Jan auf dem Tandem

Anja Meister - Auszug aus `Ist der denn nicht ganz dicht?`

....Es kam, wie es kommen musste:

Erste Trainingseinheit:
Da saß ich nun wie ein Häufchen Elend am Bahnhof und wartete auf den Maestro, der mich nun das Renntandem fahren lehren sollte.

Langsam, bitte laaangsam fahren und VOOOORsichtig auf den Sattel setzen... an mehr konnte ich gar nicht denken.

Das schien auch mein Blick zu verraten, denn Jan ging komplett auf meine Jungfernfahrt ein und nach dreimal Treten war mir klar, dass das klappen kann.

In meiner wachsenden Begeisterung für die Geschwindigkeit stimmte ich Jans Vorschlag zu, den Waseberg zu fahren. „Wenn wir schon mal hier auf der Ecke sind, nicht wahr...“ Also fuhren wir zum Fuß des besagten Berges und fingen den Berg an.

Kenne ich den Waseberg? Kann ich Straßenschilder lesen? Nein. Nein. Nein. Nach gefühlten 25 km mit mindestens 47% Steigung stöhnte ich ein „Ich kann nicht mehr!“, was er aber irgendwie nicht hören konnte. Tatsächlich waren wir vielleicht 100 m der insgesamt 400 m Rampe mit maximal 16 % gefahren, aber das steht ja hier nicht zur Debatte.

Ein zweites „Ich kann nicht mehr!“ wurde dann mit einem „Du schaffst es! Komm, nur noch ein paar Meter!“ gepusht. Was war das mit dem 'Kamikaze‘ auch wieder?

ICH KONNTE ABER WIRKLICH NICHT MEHR!!! Also hab’ ich aufgehört zu treten... fatal an einer Steigung. Nun mussten wir also endlich, endlich halten! Danke! Danke! Danke!

Kurz ein Schluck aus der Trinkflasche, da kam seitens des Piloten ein aufmunterndes „Und weiter geht's...“ und ein entsetzter Blick meinerseits! Ich war am Ende meiner Kräfte angekommen und für mich eigentlich klar, dass wir....

„Bist du nicht ganz dicht! Ich schieb doch kein Rennrad!“ sagte Jan freundlich, aber doch sehr bestimmt zu mir. Ja, ja, ja, wir haben es dann doch auf dem Tandem nach oben geschafft. Das lag aber sicher nicht an mir.

Zweite Trainingseinheit:
Diesmal sollte uns das Training von Finkenwerder durch den Hafen führen. Na ja, wenn er meint. Nach dem vorherigen Tag war ich nun seiner Begeisterung etwas vorsichtiger gegenüber. Trotzdem aber war ich vertrauensvoll genug, erneut auf die Rennmaus zu steigen.

Nach wenigen Minuten auf einer abschüssigen Straße ging er in die Rennhaltung. Ach, wenn er das macht, dann gehört sich das wohl. Also ich auch runter... Immer schneller schossen die Streifen auf der Straßenmitte unter mir durch. Immer schneller. Und schneller. Schon bald wurde mir übel und ich bremste ihn mit einem Zeichen aus. Als wir am Ende der Straße dann zum Halten gekommen waren, strahlte er mich an und meinte „Klasse, das waren 63 km/h“. Bei allem Verständnis für seine Radleidenschaft...

Bei der abendlichen Nachbesprechung in der Kneipe habe ich meinem Entsetzen dann Luft gemacht. Ich glaube, ich habe noch nie jemanden derart zusammengefaltet. Ob er sich vorstellen könnte, wie es mir hinten ergangen sei? Dass wir uns doch überhaupt nicht kennen würden, ich keine Ahnung habe, wie reaktionsschnell er sei und ich deshalb um mein Leben gefürchtet habe? Dass ich es doch gern noch mal machen würde…

Dritte Trainingseinheit:
Dieses Training erforderte wirklich alles von mir und das bisher Erlebte wurde komplett in den Schatten gestellt.

Wir fuhren Richtung Süden und mussten unter dem Maschener Güterbahnhof durch. Der Tunnel, den wir benutzten, war gefühlt ewig lang. Ich musste Jan komplett vertrauen, da ich gar nichts mehr sehen konnte, es war für mich viel zu dunkel und zudem sehr eng.

Wenn ich vorher gewusst hätte, dass Jan nicht viel mehr als ich sehen konnte und um die Wand rechts zwar wusste, aber linke Hand Wasser nur vermutete, sich aber auch nicht sicher war. Auch konnte er nicht sehen, ob der Weg nicht durch was auch immer versperrt war... Mit solchen Bemerkungen kommt er natürlich immer erst nachher. Ich hab am ganzen Körper geschlottert.

Und da sagt er mir, dass man nur locker bleiben soll, dann wird das schon.

Fahrradrennen „Cyclassics“ 2008:
Das war das Wesentliche, was ich in diesen doch sehr intensiven drei Trainingseinheiten gelernt habe: Jan ist ein sicherer Pilot, der zwar gern ein Risiko eingeht, aber niemals leichtsinnig handelt.

Ich kann mich nicht wirklich an die “Cyclassics“ 2008’ erinnern, denn irgendwie hab ich Ohren und Augen dicht gemacht. Mein Pilot hat alles geregelt.

Der Massenstart mit ca. 22.000 Teilnehmern erforderte all’ seine Konzentration und ich wusste, dass ich mich komplett auf ihn verlassen kann und er in keiner Weise ein Risiko eingeht.

Komisch: Nach Waseberg, rasenden 63 km/h oder Tunnelfahrt: Alles war irgendwie vergessen und ich konzentrierte mich auf Jan und unser Tandem. Ich merkte an ihm, wie ausgesprochen schwierig es ist, mit einem Tandem an einem Massenrennen teilzunehmen. Allerhöchste Konzentration war erforderlich. Versuchen, die Radler um uns herum einzuschätzen, denn wir reden hier nicht von einem Profirennen!

Aber es ging alles gut. Wenn nicht sogar perfekt. Wir waren schnell. Fürs erste Mal sehr schnell! Und das war ein tolles Gefühl.

Das Jahr darauf war es eigentlich von vornherein klar, dass wir das Rennen wieder zusammen bestreiten, und inzwischen bestreiten wir nicht nur die Rennen zusammen, sondern auch unser gemeinsames Leben. Mittlerweile sind wir stolze Besitzer zweier Tandems: natüüüürlich eine Rennmaus, sowie ein Randonneur (Reise- Renn-Tandem) ganz nach unseren Vorstellungen gebaut. Wir sind uns des Glücks sehr bewusst und dieses Glück hüten wir wie einen kostbaren Schatz. Jeder, der uns kennt, weiß das auch. Bei jeder Tour, die wir im Tandemclub Weiße Speiche e. V. mitfahren, versuchen wir, etwas von unserem Glück abzugeben und meistens klappt es, dass wir ein Lächeln auf die Gesichter zaubern können.

Weiterlesen?

Das Buch "Warum Tandem?" kann bestellt werden beim Verlag

Kleine Pilotenanmerkung 2011

Wie schnell doch wieder die Zeit vergeht,
in der die Weiße Speiche ihre Runden gedreht.

Der Wettergott uns fast immer geschützt,
was anderes hätte ihm auch nichts genützt.

Denn auch bei Regen sind alle gut drauf,
wichtig für viele nur, zu Radeln auf einem Schauff.

Für Radpuristen ist das allerdings ein Sofa,
bedenke aber, viele Fahrer sind schon Oma und Opa.

Da will man nicht mehr auf einem Rennrad schwitzen,
sondern ruhig treten und beschaulich sitzen.

Die Luft genießen, sich unterhalten,
die Tandemtour zum Event gestalten.

Verbal dem einen oder anderen ein Bein zu stellen,
dann schlagen die Emotionen schon mal hohe Wellen.

Das hat hohen Unterhaltungswert und Ei der Daus,
manchmal glaubt man wir wären im Schauspielhaus.

Nein, das ist keine Schauspielergruppe,
sonder die Weiße Speiche, die Tandemtruppe.

Nun nicht soviel Lob, es gibt auch Tadel,
dann nämlich, wenn die da vorn zu schnell mit dem Radel.

Aber das Thema ist alt und auch verbraucht,
am Tourende der Unmut  fast immer verraucht.

Eine Tour zu planen und auch zu führen,
daran gibt es überhaupt nichts zu rühren,

bedeutet immer viel Arbeit und im Endeffekt,
verdient dies auch unser aller größten Respekt.

Jedoch das zu sagen, sei hier noch erlaubt,
auch wenn diese Ansicht vielleicht etwas verstaubt.

Das schwächste Glied in einer Kette,
geht bei Überanstrengung kaputt. Jede Wette.

Das bringt mich zu den Schraubern – unsern guten Geistern,
die Monat für Monat die Radmechanik begeistern.

Hier quietscht es, da schleift was und da ist ein Rattern,
kein noch so seltsames Geräusch kann den Schrauber verdattern.

Und dann ist auf einmal alles vergessen,
wir konzentrieren uns nur auf Ludwigs Essen.

Und ich denke dann schon manchmal fast,
wäre ich doch mal gewesen im Knast.

Dann hätte ich zwar meine Strafe abgesessen,
dafür aber wenigstens gut gegessen.

Übrigens habt ihr für St.Pauli zu wenig die Daumen gedrückt,
jetzt müsst ihr es für den HSV tun – ist das nicht verrückt?

Aber wie immer gibt’s Ebbe und Flut - es bleibt das Watt,
in diesem Sinne grüßt Euch

Euer Henning B.

Verleihung des Mitfahrerfleißordens 2011

Na, offensichtlich - glücklicherweise - hat sich der Fritz nicht beeindrucken lassen vom Blabla an dieser Stelle im letzten Jahr. Er ist wieder auf dem ersten Platz der Vielfahrer! Aber er muss ihn sich diesmal teilen: Herzlichen Glückwunsch an Fritz und Rudolf zum Mitfahrerfleißorden des Jahres 2011. Beide sind alle elf Touren mitgefahren!

Auf dem zweiten Rang drängen sich: Anoma T., Maike D., Ursel M., Elke und Wolfgang W.. Sie sind neunmal mitgefahren. Achtmal waren dabei: Marko S., Thomas Wiechmann und Ulli S..

Ausgewertet von Ulrike

Mit den Rotariern durchs Alte Land

von Simone B.

Treffpunkt um kurz nach 8:00 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof. Gemeinsam fahren wir mit der S3 in Richtung Stade. Auf der Fahrt wird Versäumtes nachgeholt: Versäumtes Frühstück (Heiderose), versäumter Schlaf (Ulrike). Währenddessen nutzt Fritz die Zeit, geht durch das S-Bahnabteil und sammelt schon mal das Startgeld für die Tour ein.

Das Wetter: Vor einer Woche musste man sich noch mit Sonnencreme hoher Lichtschutzfaktoren eincremen, wenn man sich längere Zeit im Freien aufhielt. Vorgestern hatte es in Hamburg geschüttet wie aus Kübeln. Gestern soll es in Stade gar gehagelt haben. Heute morgen zeigte das Thermometer 4 Grad. Der Wetterbericht meldet: Auf dem Brocken im Harz liegt der erste Schnee. Die Handschuhe werden ausgepackt. Alle sind froh, dass es heute nicht regnet. Die Sonne scheint. Was will man mehr?!!

Beim Wetterbericht darf natürlich auch der Stand der Hosenlänge nicht fehlen! Platz 1: Fritz in kurzer Hose, Platz 2: Jan in hoch gekrempelter Militär(!)hose, Platz 3: Ulli und Margret ebenfalls in aufgekrempelten Hosen. Der Rest hielt sich bedeckt.

Zwei Stationen nach Buxtehude steigen wir aus. Unsere heutige Tour soll am Bahnhof Horneburg beginnen. Sogleich belegen wir (wie gewohnt) die gesamte Straße neben dem Bahnhof, in der auch Thomas mit dem Hänger steht. „AUTO, macht Platz!“, wird gerufen, als ein PKW um die Ecke biegt. Doch es sind unsere Rotarier, die nun auch langsam eintrudeln, denn die heutige Tour der Weißen Speiche wird organisiert von den Mitgliedern des Rotary Clubs Buxtehude.

Die Rotarier: Gegründet wurden sie 1904 in den USA. Laut Wikipedia sind die Ziele der Rotarier „humanitäre Dienste, Einsatz für Frieden und Völkerverständigung sowie „Dienstbereitschaft im täglichen Leben.“ Jeder Rotarier soll sein Verhalten nach der 4-Fragen-Probe ausrichten. Ist es wahr? Ist es fair für alle Beteiligten? Wird es Freundschaft und guten Willen fördern? Wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen? Der Name „Rotary“ (englisch für „rotierend, drehend“) und das Zeichen der Rotarier (ein Rad) - dies beides passt jedenfalls schon einmal hervorragend zu einem Fahrradclub! Allerdings wie bei der Weißen Speiche. Dort muss man vorgeschlagen werden und über das nötige „Kleingeld“ verfügen.

Der Kontakt zum Rotary-Club Buxtehude erfolgte übrigens ehemals durch Jasper V.. Es hat in der Vergangenheit bereits einige Tandemtouren zusammen mit den Rotariern gegeben. Die heutige Tour ist nun die erste nach vierjähriger Pause.

Ein Herr von den Rotariern stellt sich und seine Mit-Rotarier vor. Er selbst heißt Lothar. Heute dürfen ihn alle duzen, teilt er uns mit. Wenn uns die Tour nicht gefällt, bittet er darum, ihn hinterher wieder zu siezen. Wir sind gespannt!

Lothar erklärt weiter: „Klaus Tom B.: Diesem Herrn ist Folge zu leisten, weil wir Wege fahren, die es noch gar nicht gibt. Wir werden verbotene Wege fahren!“ Aber da die Rotarier gehört haben, dass wir eine disziplinierte Gruppe sind, sind sie zuversichtlich, dass das auch klappen wird.

„Diszipliniert? Na ja“, sagt Ulli. „Bei jeder Tour sage ich an, dass der Tourenleiter nicht überholt werden soll. Das klappt NIE! Aber wenn man ein bisschen fies sein will, lässt man die, die vorgefahren sind, einfach falsch abbiegen.“

„Wie viele Kilometer werden wir fahren?“, fragt einer von uns. Antwort von Lothar: „Es sind für die Tour genau 56 ½ km und 2 m geplant.“

„Wo endet die Tour?“, möchte Heiderose gern wissen. Antwort: „Sie endet in einem Restaurant.“ Aha. Viel schlauer sind wir nun nicht. „Gibt es dort auch einen Bahnhof?“ Das wird nicht verraten.

In der Startrede wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das Apfelpflücken während der Fahrt verboten ist. Enttäuschung macht sich breit. Was, Altes Land und keine Äpfel?!! Dass wir auf unserer Tour, was das Thema Apfel betrifft, den Tag über kulinarisch bestens von den Rotariern verwöhnt werden, konnte zu diesem Zeitpunkt natürlich keiner von uns ahnen.

Wir sind 21 Gespanne. Sieben Piloten werden von den Rotarien gestellt. Zwei von ihnen gehören der Jugendorganisation der Rotarier an. Diese heißt Rotaract und steht für „Rotary in action“. Die Mitglieder sind 18 bis 32 Jahre alt. Ihr Motto ist (laut Wikipedia): Lernen - Helfen - Feiern. (Das Motto der Weißen Speiche könnte lauten: Radeln – Schrauben – Feiern!)

Endlich sind alle soweit mit ihren Tandems fertig und es kann losgehen. Weit kommen wir nicht. Es geht dreimal um die Ecke. Dann sind wir bei einer Musterhaussiedlung angelangt. Sollten wir uns etwa trotz der superspitzenmäßigen Tourenleitung der Rotarier verfahren haben? Nein, wie sich herausstellt ist das Ganze Absicht: Es gibt eine Toilettenpause. Denn in der Musterhaussiedlung gibt es für uns Mustertoiletten. Mustergültige Organisation!

Eine Reihe Tandems fährt den Deich hoch.

Wieder ein Stopp. Vorn an der Spitze wird eine Luftpumpe benötigt. Thomas hält mit dem Hänger an einer Ampel, springt heraus aus dem Wagen die Luftpumpe zu holen. Wildes Gehupe des Autofahrers, der hinter ihm steht, denn inzwischen ist die Ampel auf grün umgesprungen. Die Luftpumpe wird eilig nach vorn gebracht. Kurz darauf wird sie hinten benötigt. Ulli rennt neben den Tandems hin und her und murmelt: „Ich bin die Ruhe selbst! Ich bin die Ruhe selbst!“ Doch dann ist irgendwann auch das Luftproblem gelöst. Ulli kann wieder aufatmen und es kann weitergehen!

Unsere Begleitfahrzeuge von den Rotariern (BMW & Mercedes) stellen die Streckenposten. Sie fahren voraus. Unter Einsatz ihres Lebens sperren die Rotarier die Straßen ab, die wir überqueren müssen. Wütendes Gehupe von Autofahrern, die deshalb gezwungen werden anzuhalten. Kurz darauf müssen wir an einem geschlossenen Bahnübergang am Bahnhof Agathenburg halten. Die Gleise abzusperren, damit die Weiße Speiche freie Fahrt hat, das traut Lothar sich dann aber doch nicht.

Im Hollerner Hof bei Hollern-Twielenfleth gibt es die erste Stärkung: Leckere Curry-Apfelsuppe mit Sahne und anschließend Schnittchen. Dazu Getränke nach Wahl. Eingeladen zu Essen und Trinken sind wir heute dankenswerterweise vom Rotary-Club Buxtehude.

Nach der Mittagspause bleiben Hans und Ulli zurück. Es hatte „Pitsch“ gemacht. „Das war eine Eichel“, meint der eine. „Nein, das war ein Speichenbruch“, sagt der andere. Das Tandem muss ausgetauscht werden. Da Hans dann unbedingt an dem neuen Tandem noch seinen Getränkehalter anbringen muss, erreichen die beiden den Anschluss stark verspätet. (Und wir hatten uns schon Sorgen gemacht, was mit Hans und Ulli passiert war!)

Beim Fotografieren zeigen vollen Einsatz: Jan und Ulrike.

Fotograf Jan liegt mit einer Kamera vor den Gesicht auf einem Deich.

Nun geht es bei Twielenfleth an den Deich. Kurz darauf STOP!

Wieder Hans und Ulli! Sie sind weit zurück geblieben. Diesmal haben sie einen Platten. Ursache ist ein Stück Glas. (Von der Bierflasche aus dem Getränkehalter? ;-) Jan und Anja machen das Notfallteam und bringen mit ihrem feuerwehrroten Tandem den armen Geschädigten Luftpumpe und Flickzeug.

Wir anderen naschen derweil von Anjas Lakritzen. Und dann kommt Hans-Hermann mit leckeren kleinen quadratischen Schokoladenteilen in verschiedensten Geschmacksrichtungen und es wird eine richtige Schokoladenpause. „Nehmt euch, nehmt euch, ich habe noch einen Karton!“, werden wir großzügig von Hans-Hermann aufgefordert. Und als der Karton leer ist und der zweite Karton herumgereicht wird: „Nehmt euch, nehmt euch, ich habe noch einen Karton!“ So macht Hans-Hermann uns alle schokoladenabhängig! (Nach drei Kartons ist dann aber leider Schluss! Mehr gibt es nicht.)

In der Ferne sehen wir ein Containerschiff auf der Elbe vorbeifahren. „Ein Schiff wird kommen und das bringt mir den Einen…“ Aber wir warten nicht auf den Einen, sondern auf zwei: Nämlich Hans und Ulli. Endlich ist fertig geflickt, alle sind wieder da und es kann flott weitergehen. Mit Rückenwind, behauptet Ulli. Doch irgendwie ist von Rückenwind nichts zu spüren. Ich frage bei Ulli per Funk nach, was es mit seinem Rückenwind auf sich hat. „Oh, da hat der Wind sich wohl gedreht…“, meint Ulli.

Tiefe Wasserpfützen vor uns auf dem Fahrradweg. Beine hoch und ab durch die Pfützen! „Super, dann brauchen wir später kein Radputzen mehr!“, wird gerufen.

Bei der Elbinsel Hahnöfersand, auf der die hamburgische Jugendstrafanstalt und die Justizvollzugsanstalt für Frauen in Niedersachsen untergebracht sind, verlassen wir den Fahrradweg am Deich. Bald geht es durch Apfelplantagen. Zwei Schwächelnde werden mit ihrem Tandem nach vorn an die Spitze geschickt. Es sind Anke und Wafa. Ulli ruft über Funk: „Fritz soll mal von hinten schieben!“ Erst gegen Ende der Tour stellt sich heraus, dass nicht Anke und Wafa geschwächelt haben, sondern dass sie über 60 km gegen schleifende Bremsen angetreten haben!

Plötzlich: Die Straße türmt sich im Zeitlupentempo vor uns auf. Haben wir Drogen genommen? Sind wir im falschen Film gelandet?

Nein, es ist die Klappbrücke über die Este, die gerade hochgeklappt
wird und uns – zusätzlich gesichert durch Schranke und rote Ampel – an der Weiterfahrt hindert. „Das war zwar nicht bestellt“, behauptet einer der Rotarier, „aber so können die Hamburger auch mal sehen, wie eine Straße hochgeht.“

Unsere Tour endet beim Hotel Seeburg in Neukloster. Im Restaurant ist eine große Kaffeetafel für uns gedeckt. Wir werden noch einmal verwöhnt: Große Platten mit Pflaumen-, Kirsch-, Schoko- und Apfel(!)-Kuchen erwarten uns. Dazu Apfel(!)-Saft und natürlich Kaffee. Während es draußen anfängt zu regnen sitzen wir gemütlich im Warmen und lassen es uns schmecken. Mein Eindruck: Allen hat die Tandem-Tour mit den Rotariern durchs Alte Land sehr gut gefallen. Dank an alle, die zum Gelingen dieses schönen Tages beigetragen haben!

Nachdem wir uns verabschiedet haben und alle Tandems wieder auf den Hänger geladen worden sind, machen wir uns durch den Nieselregen auf zum Bahnhof Neukloster.

Am Ende bleiben im Hotel Seeburg zurück: Zwei einsame heimatlose Helme. (Bis Redaktionsschluss konnten die Besitzer noch nicht ermittelt werden.)

Was sonst noch so alles passiert ist (ein Schrauberbericht):

  • Ventil abgerissen
  • Klemmhebel von Achse abgerissen
  • fehlende Sattelstützenschrauben
  • ein Speichenbruch
  • Schleicher aufgrund eines nicht hundertprozentigen Ventils (Ein Schleicher ist kein Tandemteam, das langsam hinter den andern hertrödelt, sondern bedeutet, dass die Luft ganz langsam aus dem Reifen entweicht – was allerdings irgendwann dazu führen kann, dass man hinter den anderen zurückbleibt.)
  • Radgangschaltung 4. + 5. + 8. Gang schaltet nicht korrekt
  • Sattelstützenschrauben „verkniedelt“
  • eine Reifenpanne
  • schleifende Bremsen (hinten) über 60 km
  • in Ermangelung einer dickeren Hülse (um Sattelstütze nebst hinterem Lenker mit dem richtigen Pressdruck zu befestigen) wurde ein künstlerisch geformter Schokoladendeckel verwendet. Dies wurde ermöglicht Dank des Improvisationstalents unseres Schrauberchefs Hans (auch genannt: Gerätewart).
Eine Felge ohne Reifen liegt im Gras.

Und hier noch für Interessierte: Der Tourenverlauf (61 km)

START: von Horneburg – über Helmske – Agathenburg – an Stade vorbei – nach Hollern-Twielenfleth – und nach einer Pause weiter nach Twielenfleth – von dort aus an der Elbe entlang über Lühe bis Hahnöfersand – hinter Hahnöfersand in Richtung Buxtehude - dann zwischen Hove und Königreich über die Este – am Rande von Buxtehude vorbei zum ZIEL: Neukloster

Ein Rezept für Apfel-Curry-Suppe

(Achtung, ohne Gewehr, da aus dem Internet und noch nicht selbst ausprobiert!)

Zutaten für 8 Personen

  • 500 g Hähnchenbrust (am Knochen, mit Haut)
  • 1,2 l Hühnerfond
  • 200 g Zwiebeln
  • 500 g Äpfel (z. B. James Grieve)
  • 25 g Butter
  • 1-2 EL milder Madras-Curry
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln
  • 250 ml Schlagsahne
  • 1-2 EL Speisestärke
  • Salz, weißer Pfeffer, Korianderblätter zum Garnieren

Zubereitung

  1. Hähnchenbrust kalt abspülen. In einem Topf mit dem Hühnerfond und 400 ml Wasser aufkochen und bei milder Hitze 35 Minuten garen. Brust herausnehmen und den Fond durch ein feines Sieb passieren.
  2. Zwiebeln pellen und fein würfeln. Äpfel vierteln, entkernen, schälen und in feine Scheiben schneiden. Butter in einem Topf erhitzen, Zwiebeln und Äpfel darin bei mittlerer Hitze 4 Minuten unter Rühren anschwitzen. Mit Curry bestreuen, und mit dem passierten Fond auffüllen. Alles zusammen aufkochen und bei mittlerer Hitze 20 Minuten garen.
  3. Inzwischen die Hühnerbrust vom Knochen lösen und die Haut entfernen. Das Geflügelfleisch in Scheiben schneiden. Frühlingszwiebeln putzen und in dünne Ringe schneiden.
  4. Die Suppe im Topf pürieren, dann die Sahne dazu gießen und erneut aufkochen. Die Stärke mit 2 EL kaltem Wasser glatt rühren und langsam unter Rühren in die kochende Suppe geben. Mit Salz und Pfeffer würzen. Das Hühnerfleisch und die Zwiebeln kurz vor Ende der Garzeit dazugeben. Die Suppe mit Korianderblättern garniert servieren.

Bericht über unsere Tandemtour zum Barfußpark nach Egestorf

Am Sonntag, den 10. Juli, trafen wir uns gegen 8:30 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof. Wir fuhren mit dem Zug nach Buchholz. Dort wartete schon Thomas mit unseren Tandems auf uns. Ich war schon richtig neugierig, mit wem ich an diesem Tag fahren würde. Nachdem Ulli uns begrüßt hatte, teilte er gleich die Tandemgespanne ein. Uwe Holtorf und Fritz Wamser führten unsere Gruppe an, um uns zum Barfußpark zu geleiten. Unser liebenswürdiger Fritz hatte Uwe bei der Planung dieses Ausfluges tatkräftig unterstützt.

Mein Pilot Detlev suchte uns ein passendes Tandem aus und schon bald fuhren wir los.

Detlev und ich kannten uns noch nicht. Aber wir kamen schnell ins Gespräch. Wir freuten uns alle über das wunderschöne Wetter. Im Sonnenschein machte das Radeln viel mehr Freude.

Die folgende Strecke legten wir mit unseren Tandems zurück:
Von Buchholz aus fuhren wir über Holm-Seppensen und anschließend an der Heidebahn entlang bis nach Handeloh. Dann fuhren wir neben der romantischen Heidestraße bis nach Wesel: „Wer düst so geschwind durch Wesel?“ – „Draht-Esel!“

Und dann durften wir zeigen, wie sportlich wir sind: Es folgten unendlich lange Steigungen, die gar nicht so steil waren, dafür aber ziemlich anstrengend. Zuerst kam ich noch gut mit. Doch dann musste ich aufgeben. Auch für Detlef waren diese Steigungen anstrengend. Was nun? Wir wollten doch gern weiter radeln. Doch dann kam ein „Rettungsgespann“ mit unseren Sportprofis Jan K: und Anja M:. Jan fuhr mit mir weiter, und Detlev und Anja radelten gemeinsam auf dem zweiten Tandem. Ich war heilfroh, dass ich nicht im Bus weiterzufahren brauchte. Jetzt ging es über Schätzen- und Sahrendorf weiter bis nach Egestorf. Dort kamen wir um kurz nach 12 Uhr an. Bis um 13:15 Uhr hatten wir nun genügend Zeit, um uns in der Mittagspause zu stärken.

Und dann bewies Fritz wieder einmal, wie hilfsbereit er ist: er passte auf unsere Räder und unsere Sachen auf, während wir uns im Barfußpark oder im Naturschwimmbad vergnügten, danke Fritz!

Die ca. 14 ha große Anlage des Barfußparks umfasst drei unterschiedliche Wege: Der längste Weg umfasst ca. 2,7 km, der mittlere Weg ist ca. 1,9 km lang, und wir wählten die ca. 1,5 km lange Strecke, weil wir dafür nur eine Stunde Zeit hatten.

Und nun durften wir endlich mal unseren strapazierten Füßen etwas Gutes tun: Barfuß erlebten wir die Natur auf eine ganz besondere Weise, und damit wir nicht ausrutschten, konnten wir uns meistens am Geländer festhalten.

Es begann mit einer Wasserschräge, in der sich sehr kaltes Wasser befand, was ich als ganz angenehm empfand. Dann folgten das Kneipp-Armbecken und das Wassertreten. Anschließend spürten wir Rasengitter-, Granit- und Kieselsteine sowie Glasscherben unter den Füßen. Dann gab es zur Abwechslung Tast-, Fühl- und Riechkästen. Anschließend folgten noch Splitt, nasser Lehm, ein Holzbohlensteg und eine Brücke, Moor, Torf, Bucheckern, Kiefernzapfen, Matsch, Feldsteinpflaster und der Wasserkanal.

Hinterher durften unsere Piloten den Mitfahrern die Füße waschen, weil diese sehr „appetitlich“ aussahen.

Der Barfußpark war wohl für uns alle ein ganz besonderes Erlebnis. An dieser Stelle danken wir Uwe Holtorf für diesen ganz besonderen Abstecher nach Egestorf. Ich werde den Barfußpark bestimmt mal wieder besuchen.

Und dann traten wir die Rückfahrt nach Buchholz an, die ohne größere Zwischenfälle verlief. Der Zug brachte uns von dort wieder zum Hamburger Hauptbahnhof.

Helga D.

Beim Stiftungsfest.

Tandemradreise 2011 - Donauradweg von der Quelle bis Passau

Am 28. Mai trafen wir uns um 8.45 Uhr am Bahnhof Altona, um erwartungsvoll nach Donaueschingen zu starten, nur unser gebuchter Wagon 19 rollte nicht an den Bahnsteig. Schnell entschlossen stürmten wir einen anderen Wagon, verstauten die zwei Tandems und verständigten den Rest unserer Truppe, die am Hauptbahnhof warteten, dass sie sich am Wagon 25 einfinden müssen. Nun waren alle an Bord: Hella und Klaus, Margret und Ulli, Anke und Hans, Eberhard und Wolfgang, Elke, Werner und Gregor, Rene und Heiderose, Elke und ich. Umsteigen in Hannover am selben Bahnsteig war problemlos, um 12 Uhr ging die Fahrt in fröhlicher Stimmung weiter bis Frankfurt. Am nächsten Halt öffneten die Türen erst nach Ausschalten der Hydraulik. Das wiederholte sich an den folgenden Stopps, so dass die Bahn sich endlich entschloss, in Karlsruhe einen Ersatzzug bereit zu stellen. Genialerweise stand der Zug am selben Bahnsteig, sonst hätten wir mit Gepäck und zwei Tandems Probleme. Nun fuhren wir aber 1. Klasse !! und das durch atemberaubende Landschaften über die Höhen des Schwarzwaldes durch das tief eingeschnittene Tal der Gutach und hinunter über Villingen Schwenningen nach Donaueschingen. Nur 15 Min. Verspätung war eine Leistung bei den technischen Problemen. Das Hotel Linde war bald erreicht und Maike und Ludwig trafen kurze Zeit später ein. Sie waren in Hamburg um 8.30 Uhr gestartet und hatten es nicht  so bequem wie wir im Zug. Wir bezogen unsere Zimmer und genossen ein leckeres Abendessen. Danach gingen wir noch mit einigen durch das Städtchen. Es war ruhig, die Kantsteige waren schon hochgeklappt, aber wir erreichten die Donauquelle und stiegen im Stockdunklen bis zum Wasser hinab.

Sonntag, 29.Mai  Donaueschingen – Beuron (65 km)

Um 8.00 Uhr trafen wir uns ausgeschlafen am Frühstücksbuffet wieder. Nun lief alles nach bestens erprobtem Ritual ab: um 9.00 Uhr mit Gepäck am Anhänger zum Verladen, Fahrräder startklar machen, Satteltaschen anhängen, Helm auf und idealerweise ab auf die Piste. Nicht aber bevor Maike eine ausführliche  Beschreibung der vor uns liegenden Strecke vorgelesen hat. Leider hatte ein Tandem noch Probleme mit der Gangschaltung, die unser hervorragender Techniker schnellstens löste. Bei bestem Wetter, Sonne und einer leichten Brise fuhren wir zuerst zur beeindruckend gestalteten Donauquelle. Am Zusammenfluss der beiden Flüsschen Breg und Brigach hat der Architekt Adolf Weinbrenner im Schlosspark ein bombastisches Brunnenrund  in mehreren Etagen, eingerahmt mit schmiedeeisernen Geländern, geschaffen. Die barocke Figurengruppe stellt die Mutter Baar dar, die der noch jungen Donau den Weg nach Osten zum 2800 km entfernten Schwarzen Meer weist. Sie ist der zweitlängste Fluss Europas nach der Wolga und der einzige, der von West nach Ost fließt. Gute 650 km werden wir sie bis Passau begleiten.

Nachdem wir noch den echten Kuss der beiden Quellflüsse gefunden haben, hält uns nichts mehr , wir geben Gas. Das Wetter ist fantastisch, warm, klarer Himmel, sonnig. Der Radweg ist in einem guten Zustand, meist geteert oder gut befahrbarer Kies nahe am Ufer durch die Auwiesen. Es macht mächtigen Spaß, so dahin zu radeln ohne Barrieren, über kleine Holzbrücken den Windungen der Donau folgend. Bei Immendingen verlässt uns die Donau und verschwindet im Untergrund. Es gluckert noch und einen Schritt weiter stehen wir im Trockenen. Eine Tafel erklärt die „Versinkung“?? Mein Duden kennt dieses Wort nicht, sondern nur den Ausdruck „Versickerung“. (Ein Fall für dich Detlev als Germanist: Irrt der Duden oder die örtlichen Verfasser? ) Jedenfalls versickert das Wasser  im porösen Kalkgestein und ein Teil bahnt sich durch ein weit verzweigtes Höhlensystem den Weg in den 12 km entfernten Aachtopf, um über Bodensee und Rhein in die Nordsee zu fließen. In Möhringen sehen wir sie wieder und machen eine Mittagspause.

Durch Fragen erfahren wir, dass in Tuttlingen eine gute Eisdiele existiert. Wir stürmen hinein und lassen uns fette Eisbecher, Kaffee oder andere Leckereien im Garten munden. Inzwischen begleiten uns Bergrücken. Orte scheinen am Hang zu kleben. Die Strecke zwischen Fridingen und Beuron gehört mit zu den schönsten Abschnitten. Im Donaudurchbruch durch die schwäbische Alb wird das Tal von den Felsen so eingeengt, dass nur die Eisenbahn und ein Wirtschaftsweg im Talboden Platz finden. Senkrecht steigen die weiß leuchtenden Kalkfelsen auf.

Wer gehofft hat, am Fluss entlang verläuft ein Weg immer eben, erlebt jetzt eine große Enttäuschung. Bis zu unserem Tagesziel dem Benediktinerkloster Beuron warten noch nette Steigungen auf uns. So lohnt das Duschen in unserem Hotel Pelikan, das vom Kloster betrieben wird. Wir treffen uns auf der Terrasse zum gemeinsamen Abendessen und können Mönche beobachten in braunen oder schwarzen Kutten, die geschäftig auf der Straße hin und her laufen. Nach dem Essen erkunden wir mit einigen den Ort, uns lockt vor allem das Kloster, das im 11. Jahrhundert von Augustinern gegründet wurde, dann lange leer stand und 1863 von den Benediktinern übernommen wurde. Leider ist alles verschlossen, auch die berühmte Klosterkirche. Übrigens traf die von Werner im Hotel Linde vergessene Tasche mit dem Gepäckdienst der anderen Radgruppe ein!

Montag, 30. Mai  Beuron – Riedlingen (69 km)

Bei herrlichem Wetter sind wir wieder an den Rädern. Elke und ich nehmen heute das Ersatzrad, weil sich gestern die Bremsen als defekt erwiesen hatten. Wir mussten alle Abfahrten ausbremsen, ein Jammer! Aber Ludwig wird unser Retter, er wird, während wir radeln, eine Werkstatt suchen und reparieren lassen. Inzwischen habe ich erkundet, dass die Mönche mit schwarzen Kutten Benediktiner und die mit den braunen Kutten Franziskaner sind. Beuron hat ein Ausbildungsseminar und Klosterschule, so dass verschiedene Klosterbrüder am Ort sind.

Wir fahren den Berg wieder hinauf, um den Anschluss an den Donauradweg zu erreichen. Wir fahren auf dem Hangweg, rechts und links Kalkfelsen in vielen Schattierungen von weiß über beige bis eierschalenfarbig, rechts der Hang, links geht es fast senkrecht zur Donau hinab. Der Hangwald gibt uns Schatten, es ist schon viel wärmer geworden, und etliche Steigungen lassen den Schweiß fließen. Dafür sind dann die Abfahrten um so angenehmer, sie bringen kühlen Wind. Jetzt kommen Hella und Klaus so richtig in Schwung, sie überholen alle in atemberaubendem Tempo, immer durch das Surren der Gangschaltung schon von weitem zu hören. Rette sich, wer kann! Die junge Donau begleitet uns, das Tal erweitert sich hin und wieder und wird landwirtschaftlich bebaut mir Raps, Getreide, Mais. Wir sehen viele Greifvögel und Störche, die über die Wiesen stolzieren oder auf Schornsteinen im Nest hocken.

Von Fridingen bis Sigmaringen, das wir bald erreichen werden, zeigt sich ein beeindruckendes Panorama: der Naturpark „Obere Donau“, in dessen Abschnitt sich die Donau durch die Berge der Schwäbischen Alb zwängt. Hinter jeder Biegung thront eine neue Burg oder ein Schloss wie ein Adlerhorst oben auf Felsvorsprüngen. Wo das Tal wieder weiter wird, liegt Sigmaringen mit dem imposanten Schloss der Hohenzollern auf einem Berg über dem Ort - leider nicht zu besichtigen. Der Radweg ist nun durch eine lange Baustelle versperrt, aber nette Bewohner zeigen uns, wo wir den Radweg wiederfinden.

Jetzt treten die Felsformationen in den Hintergrund, es wird flacher, wir überqueren häufig die Bahngleise, fahren auch auf Radwegen neben der Straße und kommen über Scheer nach Mengen, wo wir Ludwig treffen. Er hat inzwischen einen Fahrradladen gefunden, der voller Eifer unser Schauff Nr. 230 mit neuen Bremsbelägen, neu eingestellter Bremshydraulik und Gangschaltung für nur 24,-€ topfit  machte! Gleich um die Ecke finden wir ein „cooles Cafe“, denn draußen ist es heiß geworden.

Nach einer Stunde schwingen wir uns auf die Räder, um den letzten Teil bis Riedlingen zu schaffen. In flachem Gelände zwischen Feldern und kleinen Wäldchen geradeaus, kleiner Schwenk rechts, mal links, fahren wir mit 30 km/h in den Ort, denn das  Bier wartet schon auf einige Herren  im Hotel Brücke direkt an der Donau. Wir essen wieder auf der Terrasse in warmer Abendsonne. Dann erkunden wir das alte Städtchen mit intakter Stadtmauer, Stadttoren und rechtwinklig angelegten Straßen. Der Ort ist noch voller Menschen, die Eisdielen haben zu tun, auch mit uns, dabei sehen wir uns auf dem großen Platz das Fachwerkrathaus mit seinem Staffelgiebel aus dem 15. Jh. und die gotische Georgskirche an.

Dienstag,31. Mai   Riedlingen – Blaubeuren (65 km)

Am nächsten Morgen ist es noch wärmer und sonnig. Wir sind gerade aus Riedlingen herausgefahren. Da fällt einem jungen Mann ein, er habe sein Handy im Zimmer vergessen und fährt schnell zurück. Aber alles umsonst, es war bereits im Koffer. Wir radeln fröhlich weiter und schon hält uns wieder eine Baustelle auf, die wir umfahren müssen. Unsere nächste Sehenswürdigkeit liegt, wie soll es anders sein, oben auf einem Berg mit herrlichem Blick über das Tal: das Kloster Obermarchtal. Wir kämpfen uns den Hang hinauf und betreten durch das Tor eine weitläufige Anlage. Oben gibt es auch eine Realschule, Seminartrakte, Unterkünfte für die Mönche und die doppeltürmige Klosterkirche  St. Peter und Paul mit reichhaltigen Stuckarbeiten, in Weiß und Gold gehalten, von Licht durchflutet. Nach einigem Suchen finden wir Ludwig hinter der Klostermauer im Schatten, er hat für uns schon Kaffee gekocht.

Nach der Mittagspause sausen wir den Berg wieder hinunter zur Donau , von hinten wird ein Surren immer lauter und schon hat uns der Donauexpress in Form von Hella und Klaus abgehängt. Wir erreichen Munderklingen mit einem gut erhaltenen Stadtkern und von der Donau umflossen. Über Ehingen gelangen wir in das wunderschöne Blautal. Eine liebliche Landschaft zwischen den Berghängen, die das Blautal mit dem kleinen Blaubach begrenzen. Das Tal wird enger, erweitert sich und mit dem Blaubach gelangen wir nach Blaubeuren, das berühmt ist für den Blautopf, eine sagenumwobene Karstquelle, aus der unterirdisch Wasser hinaufgedrückt wird und dann den Blaubach speist. Wir beeilen uns, es ziehen dunkle Wolken auf, wird windig und fängt leicht an zu nieseln. Am Hotel Löwen laden wir schnell ab, bringen die Räder in die Garage und freuen uns, gerade rechtzeitig im warmen Hotel zu sein. Es regnet immer mehr!

Mittwoch, 1. Juni  Blaubeuren – Ulm – Günzburg (56 km)

Es hat über Nacht viel geregnet, morgens sind es nur 10 Grad, leichter Nieselregen, also warm anziehen. Wir schauen uns das hübsche Städtchen an, das von senkrechten Bergen eingerahmt wird, und suchen den tiefblauen Blautopf auf, in dem noch eine Nixe leben soll.

Wir nehmen die 20 km bis Ulm in Angriff, bald hört es auf zu nieseln, bleibt kühl, aber trocken. In Ulm gibt es wieder Baustellen am Radweg, nach vielen Straßenüberquerungen sind wir ratlos, wo es weiter geht. Da treffen wir einen netten Senioren auf dem Fahrrad, der voranfährt und uns in die Nähe des Ulmer Münsters führt. Wir bedanken uns vielmals und erreichen so doch noch gerade rechtzeitig das Orgelkonzert um 12 Uhr. Ein gewaltig tosender Klang umfängt uns, erwärmt Leib und Seele. Das Programm bestand aus  vielfältigen Kompositionen aus verschiedenen Epochen. Ich muss unbedingt lobend Werner und Gregor erwähnen, die oft auf die Tandems aufpassen, während wir etwas anderes machen möchten.

Auf dem großen Platz vor dem Münster ist Markt. Wir kaufen etwas Obst und gehen für die Mittagspause lieber in ein Café, denn über den Platz fegt ein kalter Wind. Leider haben wir keine Zeit, auf den höchsten Kirchturm der Welt (161 m) zu steigen, besuchen dann das Fischer- und Gerberviertel, das direkt an der Donau liegt und von den schmalen Armen der Blau durchzogen wird. Dieses Altstadtviertel ist bezaubernd mit seinen engen Gassen, buckligen Brücken und Fachwerkhäusern.

Nachdem wir Ludwig auf dem Messeparkplatz gefunden haben, geht es entfernt von der Donau weiter. Wir überqueren die A 7, Berge rauf und runter und dann biegen wir ab und fahren etwa 10 km durch einen niedrigen Stangen- und Buschwald.  Nach Günzburg hinein durch das Stadttor und steil bergauf erreichen wir das Hotel Hirsch. Während wir unsere Zimmer aufsuchen, lässt Ludwig einen Defekt am Auto reparieren, dank der Empfehlung vom Hotelbesitzer wird das umgehend erledigt. Der Ölkreislauf wurde durch ein defektes Teil unterbrochen, so dass Ludwig die letzten Kilometer fast ohne Öl fahren musste. Zum Glück ist das richtige Ersatzteil da und größerer Schaden konnte verhindert werden. Danach können wir entspannt das Restaurant mit eigener Bierbrauerei und leckeren Gerichten stürmen. Gestärkt durchstreifen wir mit einigen Günzburg, das alte Häuserzeilen, ein Schloss, jetzt Rathaus und Finanzamt, zu bieten hat, Es ist kühl und nichts mehr zu entdecken, also ab ins warme Hotel.

Donnerstag, 2. Juni    Günzburg – Donauwörth (66 km)

Heute ist Himmelfahrt. Das verspricht lustig zu werden! Es ist bedeckt, aber wärmer als gestern. Wir fahren den Berg wieder hinab aus Günzburg hinaus und sind bald wieder an der Donau. Sie begleitet uns zusammen mit dem Flusswald über weite Strecken. Wir erreichen Lauingen a. d. D., wo sie Reste einer römischen Siedlung ausgegraben haben. Einige Säulen und Umfassungsmauern sind zu sehen und ein Grundrissplan, wie die Siedlung einmal ausgesehen hat. Weiter geht es nach Dillingen und am Schloss vorbei wieder am Uferwald entlang, von einem Paddelboot grüßt uns eine Vatertagsgesellschaft, in den Dörfern sorgen die Blaskapellen für Stimmung. In Höchstadt treffen wir Ludwig und machen Mittagspause neben dem Schloss, das nur von außen zu betrachten ist.

Wir erreichen wieder die Donau. Wiesen und Felder begleiten uns, bis der Weg von der Donau wegführt und mitten in der Landschaft ein riesiger Biergarten an einem Bauernhof plötzlich auftaucht. Dort tobt das Leben und wir nichts wie hinein. Wir waren zügig unterwegs und haben ein Bier und eine Wurst verdient. Gegen 17 Uhr treffen wir in Donauwörth ein und verteilen uns auf drei Gasthäuser. Beim Gasthaus Feuerte gibt es einen großen Garten, in dem wir zum Essen gleich eine lange Tafel reservieren, da es ein lauer Abend zu werden verspricht. Wir feiern fröhlich unser Bergfest, danken Ludwig für die professionelle Begleitung, auch schon mal für die folgende Zeit , und überreichen ihm endlich einen Umschlag für gemütliche , sorgenfreie Nächte!?! Ein kurzer Spaziergang hinauf zum Klostergelände Heilig Kreuz beendet den Tag.

Freitag, 3. Juni   Donauwörth – Ingolstadt (65 km)

Heute entfernen wir uns zunächst von der Donau und müssen mehrere lange Steigungen überwinden, die uns viel Kraft abverlangen. Um so schöner ist die Aussicht , wenn man erst oben ist. Team Rene/Heiderose und Team Elke/Ursel kämpfen immer um die Bergwertung, wobei der Sieg immer hin und her geht, und so beide Teams den 1.Platz erlangen. In der Abfahrtswertung liegt eindeutig wieder das Team Hella/Klaus, der Donauexpress, vorn. Bei Markstein stoßen wir wieder auf die Donau, die hier eingedeicht ist. Nach einiger Zeit beschließen wir, oben auf dem Deich zu fahren, damit wir wissen, dass wir an der Donau und nicht an der Pinnau sind. Einen herrlichen Blick haben wir von hier oben über das Gelände. Die Donau ist aufgestaut höher als die Umgebung. Wieder verlassen wir bei einer Schleuse die  Donau, um über endlose Steigungen durch die Gegend zu radeln. Aber schließlich geht es hinunter zum Fluss, wir erreichen Neuburg a. d. D.. Schon von weitem sichtbar die mächtigen Türme des prächtigen Renaissanceschlosses mit herrlichen Arkaden, verspielten Galerien und prachtvollem Innenhof.

Durch größere Waldstücke gelangen wir nach Ingolstadt, wo wir mitten in der Altstadt das Hotel Adler gebucht hatten. In der Fußgängerzone davor stehen Tische und Stühle für uns bereit, wir haben mächtig Durst, es ist heiß. Das Abendessen können wir draußen genießen und dabei die aufgebrezelten Jugendlichen beobachten, die sich für die Disco oder ... treffen. Durch die Theresienstraße, die Flaniermeile vor unserem Hotel, schlendern wir zum Herzogenschloss, an zwei sehenswerten Kirchen vorbei und zum Rathausplatz. Die prächtige mittelalterliche Altstadt ist voller Leben und hat ein anziehendes Flair.

Samstag, 4. Juni   Ingolstadt – Bad Abbach (70 km)

Durch den Grüngürtel kommen wir wieder an die Donau, der wir heute die meiste Zeit folgen. In Großmehring geht es auf die rechte Seite, in Vorburg auf die linke Seite durch die Donauauen und -wälder,  vor Neustadt a. d. D. auf die rechte Seite und hier beginnen die ausgedehnten Hopfenfelder. An langen Stangen hängen die herb duftenden Rispen, die unsere Radler in den Getränken so lieben. Auchheute erwarten uns zwei fette Steigungen hinter Göppingen, aber dann erreichen wir  Kloster Weltenburg am Beginn des Donaudurchbruchs, dem absoluten Höhepunkt. Vorher gehen wir noch in den Biergarten des Klosters, von dem nur die Klosterkirche  zu besichtigen ist. Sie ist mit prächtigen Stuckaturen und Fresken ausgestaltet. Wir können uns gerade zwischen zwei Hochzeiten innen umgucken, das eine Brautpaar verlässt die Kirche, das nächste steht schon auf Warteposition. Trauungen am Fließband und rundherum tobt das Leben im Biergarten.

Anke geht es den ganzen Tag nicht gut und nun spielt der Kreislauf und Magen nicht mehr mit, so dass wir einen Krankenwagen rufen, der Anke ins Krankenhaus nach Kelheim bringt. Margret begleitet Anke, allein kommt sie sowieso nicht weiter, das Tandem wird aufgeladen und Ludwig treffen wir in Kelheim, damit er das Tandem von Elke und mir tauschen kann. Wir kommen aus dem Biergarten, um das Schiff um 16 Uhr zu erreichen, und unser Hinterrad ist platt und wir auch. Zum Reparieren ist keine Zeit, die 300 m zum Anleger schieben wir. Nun beginnt die atemberaubende Fahrt durch den Donaudurchbruch. Hier hat sich der Fluss  auf 6 km Länge in vielen Windungen durch den fränkischen Jura hindurch gesägt. Die 100 m hohen weißen senkrechten Wände lassen keinen Platz für  einen Pfad am Ufer. Mit dem Rad hätten wir uns mühsam über die Höhen quälen müssen. Vom 100 m hohen Römerfelsen mit 6 m Überhang springen Wagemutige ins Wasser, nachdem sie per Freeclimbing oben angelangt sind. An der letzten Flussbiegung thront oben auf dem Felsen die Befreiungshalle, die 1863 – 1883 der Bayernkönig anlässlich der Befreiung von den Franzosen erbauen ließ.

In Kelheim, das auf einer „Insel“ zwischen Donau, Altmühl und Ludwigskanal liegt, treffen wir Ludwig und Margret, die gleich von Anke berichten, dass sie gut versorgt wird. Elke und ich nehmen das Ersatzrad und bei hohen Temperaturen radeln wir am linken Ufer auf Bad Abbach zu, überqueren den Fluss und rollen auf den Hof des Hotels „Park-Café-Reich“ ein. Gleich erobern wir den Garten, bestellen Getränke und warten entspannt auf das vorher bestellte Abendessen. Welch ein Luxus! Mit einem herrlichen Abend auf der Terrasse lassen wir den Tag ausklingen.

Sonntag, 5. Juni   Bad Abbach – Regensburg – Wörth  (60 km)

Wundervolles Wetter, es verspricht wieder warm zu werden  Nach einem reichhaltigem Frühstück mit viel frischem Obstsalat, dem Wechsel von Schlauch und Mantel bei unserem Tandem - wir verloren gestern immer wieder Luft und hatten schon das Ersatztandem genommen - wollen wir gerade starten, als mir einfällt; mein rotes Top liegt noch im Zimmer. Elke holt es knurrend und mir ist es furchtbar peinlich. Nun radeln wir auf einem tollen Radweg immer an der Donau entlang, zwischendurch reißt eine Kette, kein Problem für unsere Experten, die 25 km auf Regensburg zu. Die Hügelketten des Bayrischen Waldes begleiten uns bis Regensburg. Hier erreicht die Donau ihren nördlichsten Punkt. Kurz vorher ist mal wieder der Radweg gesperrt, dieses Mal wegen eines Marathons. Bei der Hitze, die armen LäuferInnen! Wir müssen also auf die Nordseite über die Eisenbahnbrücke, die einen schmalen Fußweg hat, wechseln, überqueren einen Kanal und dann den Regen und treffen zufällig Ludwig und Margret, die ja mit im Auto ist, weil Anke leider noch im Krankenhaus ist. Wir gehen zusammen wieder auf die Südseite über eine Parallelbrücke zur „Steinernen Brücke“, die zum Weltkulturerbe gehört, und bewundern die 16 Rundbögen dieser 310 m langen Brücke, die schon mehr als 850 Jahre auf dem Buckel hat. Von den ursprünglich drei Toren ist nur der südliche Torturm erhalten geblieben. Gleich daneben befindet sich die älteste Institution Regensburgs, die historische „ Wurstküche“.

Wir machen uns dann auf den Weg in die Altstadt und stehen bald vor dem gewaltigen gotischen Dom St. Peter, an dem von 1260 über 260 Jahre gebaut wurde. Im Dom findet gerade eine Messe statt, so setzen wir uns auf eine Bank und lassen die prächtigen Glasfenster und den weiten Innenraum auf uns wirken. Wir schlendern weiter durch die engen Gässchen, erreichen das alte Rathaus, passieren viele alte Häuser aus dem 15./16. Jh. und treffen uns wieder an der „Steinernen Brücke“. Nun radeln wir über das holprige Pflaster dieser historischen Brücke auf die Nordseite, während Margret und Ludwig leider zum Auto ganz schön weit laufen müssen.

Auf dem ruhigen Radweg direkt an der Donau, der Bayrische Wald links neben uns, strahlt uns bei Donaustauf schon von weitem die „Walhalla“ oben auf dem Hang entgegen. Wir parken die Tandems unten am Treppenanfang und machen uns mit 6 Mutigen an den Aufstieg. Nach ungefähr 350 Stufen sind wir oben und genießen den traumhaften Blick über die Landschaft. Wir treten in den von 52 dorischen Marmorsäulen umgebenen griechischen Tempel ein, den der Bayernkönig Ludwig I. von 1830- 1842 errichten ließ. Der Monumentalbau, übrigens eine Nachbildung des Parthenon, ist mit einem Mosaikmarmorfußboden ausgelegt und entlang der Wände mit 128 marmornen Büsten berühmter Personen ausgestattet. Ganz am Ende sitzt dann der König auf seinem Thron, über ihm schweben vier Frauen, die auf ihn herabgucken und die Decke abzustützen scheinen.

Wir steigen „ergriffen“, weil wir nun wissen, es sind Marmorstufen!, die 350 wieder hinunter, schwingen uns auf die Räder und eilen dem Ziel Wörth a.d.D. entgegen. Wieder tolle Strecke direkt an der Donau schon den ganzen Tag lang, als uns ein Dorffest begegnet. Das können wir nicht ignorieren. Wir setzen uns, trinken was, essen Brezeln und kleine Würstchen, treten wieder in die Pedale, nehmen noch die Donauschleife mit und erreichen in Wörth in einem großen Bogen den Gasthof Geier, einfach, aber preiswert und gutes Essen.

Montag, 6. Juni   Wörth – Deggendorf (69 km)

Wir starten wieder pünktlich um 9 Uhr, es ist warm, etwas schwül, ein leichter Wind, der uns beim Radeln kühlt, hinunter an die Donau weiter durch die fruchtbare Ebene, den Gäuboden zur Rechten und den Bayrischen Wald zur Linken. Der Fluss sucht sich nun seinen Weg in vielen Windungen nach Südosten, es herrscht reger Schiffsverkehr. So gelangen wir nach Straubing, das seit der Römerzeit als das Herz des Gäubodens gilt und um den 15. August das größte Bierfest veranstaltet. Wir legen dort eine Mittagspause ein, wollen uns mit Ludwig treffen, aber er kann zusammen mit Margret zur großen Freude von uns allen Anke aus dem Krankenhaus in Kelheim abholen. Auf dem Marktplatz ist gerade Markt. Viel Verkehr umrundet den Platz, so fahren wir weiter und rasten an einem ruhigen Picknickplatz an der Donau oben auf dem Deich. Der Weg verläuft teils neben der Straße, teils am Fluss. Heute sind wir schon froh, gegen 16 Uhr am Stadthotel in Deggendorf zu sein, dem Tor zum Bayrischen Wald. Wir begrüßen Anke mit lautem Hurra. Sie hat sich prächtig erholt und wird morgen wieder kräftig mit Margret in die Pedalen treten.

Wir sitzen draußen im Garten, trinken etwas, bestellen unser Essen und dann braut sich über uns eine Wolkenbank auf. Nach der Vorspeise raffen wir unsere Sachen zusammen und flüchten ins Innere. Schon bricht ein mächtiges Gewitter über uns los, und es prasselt wie aus Eimern. Wir genießen das Abendessen, aber der Stadtrundgang fällt heute Abend ins Wasser.

Dienstag, 7. Juni   Deggendorf – Passau (62 km)

Heute morgen ist wieder strahlendes Wetter, auch der letzte Tag verspricht super zu werden! Zum letzten Mal laden wir die Koffer ein und schwingen uns  auf die Sättel, um zuerst die Stadterkundung nachzuholen. Ein pompöser, breiter Straßenmarkt, geeignet für den Aufmarsch großer Heere in früheren Zeiten, ein Rathaus mit markantem, gotischem Uhrturm, viele alte Bürgerhäuser mit reichen Stuckornamenten bilden die sehenswerte Altstadt von Deggendorf. Der erste Zwischenhalt ist beim historischem Kloster Niederaltaich, etwa 10 km flussabwärts. Das Innere der Kirche ist fast ganz in Weiß gehalten mit hellen Deckengemälden.

Nach 30 km, etwa der Hälfte der Strecke, kommen wir nach Hofkirchen, wo an der Donau eine Anlegestelle ist und eine rustikale Kneipe draußen mit rohen Holzbänken und –tischen. Ludwig ist schon da zur gemeinsamen Mittagspause. Wir sitzen im Schatten mit Blick auf die Donau. Weiter folgen wir ihren vielen Schleifen, passieren Vilshofen, wo die Vils und Wolfach hineinfließen. Wir nähern uns Passau, werden aber noch von einem Kaffeegarten aufgehalten, der mit Erdbeerkuchen lockt. Gestärkt radeln wir in Passau ein, dort warten schon Ludwig und Evelyn auf uns, denn Werner hat noch nicht genug, er will mit ihr weiter fahren bis Wien!

Wir laden das Gepäck aus und die Tandems auf und verschwinden erst einmal im Sanitärbereich des Einkaufzentrums gleich daneben, um uns für die Nachtfahrt im Liegewagen umzuziehen und frisch zu machen. Das Gepäck können wir in dem Hotel lagern, in dem Maike und Ludwig übernachten werden, bevor sie die Tandems wieder nach Pinneberg kutschieren. Ein zünftiger Biergarten ist schnell in der Nähe gefunden und wir stärken uns mit bayrisch deftigen Gerichten wie Leberkäse oder Schweinshaxe mit Kraut und Klößen.

Gestärkt machen wir uns auf den Weg, um Passau kennenzulernen. Hier fließen der Inn und die Ilz in die Donau. Wie ein Schiffsbug ragt die Ortsspitze der Altstadt – Halbinsel in die Fluten, deren Wasser hier deutlich zweifarbig zu erkennen ist: graugrün das des Inn, braun, also nicht blau, das der Donau. Von Norden kommt auch noch das schwarze der Ilz dazu. Dort erhebt sich auf dem Georgsberg die Veste Oberhaus, die Trutzburg der Passauer Fürstbischöfe, eine der größten und mächtigsten Burganlagen Europas. Mächtig thront der Stephansdom auf dem höchsten Punkt der Altstadt. Mit einer Länge von 102 m und einer Innenhöhe von 48 m ist es der größte barocke Kirchenraum nördlich der Alpen. Nur durch eine schmale Gasse getrennt liegt die alte und neue Bischofsresidenz, die die einstige Macht der Kirchenfürsten darstellt. Wir schlendern am Alten Rathaus vorbei, am Fuße des Turmes zeigen die Hochwassermarken die unterschiedlichen Überflutungen die Altstadt an.

Es wird Zeit, zum Hotel zurück zu gehen, unser Gepäck zu holen und uns langsam auf den Weg zum nahe gelegenen Bahnhof zu machen. Unser Intercity-Night-Zug fährt um 23.06 Uhr vom Hauptbahnhof ab. Maike, Ludwig, Werner und Evelyn verabschieden uns, wir sind traurig, dass diese Tandemtour zu Ende ist. Wir haben eine von Maike super geplante und professionell geführte Radreise aus vollen Zügen genossen. Es stimmte einfach alles, die Gemeinschaft, das Wetter, die Wege und Landschaften, die Sehenswürdigkeiten, die einzelnen Etappen, die Hotels und Biergärten.

Gegen 8.00 Uhr am Mittwochmorgen erreichen wir müde und durchgeschüttelt Hamburg. Das Träumen von der fabelhaften Radtour hole ich in der nächsten Nacht im eigenen Bett nach.

Wir danken Maike für das Geschenk dieser tollen Reise und Ludwig für die geduldige und fürsorgliche Begleitung und Rettung in vielen Notlagen.
Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Reise!

Ursel M.

Hält ein Polizist einen Vampir an, der allein auf einem Tandem fährt.
"Haben Sie etwas getrunken?"

Antwortet der Vampir:
"Nur zwei Radler, Herr Wachtmeister."

Ein Vampir

Ausblick Saison 2012

Liebe Leserin, lieber Leser!

Das Jahr 2012 nimmt seinen Lauf. Die Tage werden schon merklich länger und hoffentlich auch wieder wärmer. Die Tandemsaison 2012 ist nicht mehr fern, und alle leidenschaftlichen Radler bzw. Tandemfahrer/innen scharren schon mit den Hufen, weil sie auf ihre Stahlrösser steigen wollen, um die erste größere Runde zu drehen. Noch lässt es das Wetter aber nicht zu, gemeinsam diesen Spaß zu teilen.

Ab dem 31.03.2012 (Anradeln) haben wir dann aber wieder das gemeinsame Vergnügen auf den Tandems. Wenn dann mindestens 20 Tandems auf der Straße sind, bin ich als Tourenwart richtig stolz auf unsere verschiedenen Tandemaktivitäten.

Was in der vergangenen Tandemsaison gelaufen ist, wird in diesem Speichenspiegel ja hinreichend beschrieben und bebildert; und was in der kommenden Saison abgeht, erseht Ihr aus den folgenden Tourenplänen und Hinweisen. Wie schon gesagt, wir vom Vorstand freuen uns, wenn diese Veranstaltungen reichlichen Zuspruch finden.

Auf den vorangegangenen Seiten dieses Speichenspiegels habt Ihr eine wissenschaftliche Abhandlung (Vorsicht: Satire!) über unsere Aktivitäten und Handlungsweisen aus der Sicht der A-Meisen lesen können. Dieses geht nicht an der Realität vorbei, und die Eindrücke nicht nur aus der Perspektive des „A-Meischens“ namens Formica radialis Pinnebergensis sind nicht von der Hand zu weisen. Als ich diese Geschichte zum ersten Mal hörte, habe ich mir so meine Gedanken gemacht über die wesentlichen Gruppenverhaltens- und Tandemfahrmanieren. Ob wir es wohl ansatzweise in der 28. Tandemsaison hinbekommen, im Straßenverkehr miteinander und gegeneinander rücksichtsvoller umzugehen? Ich möchte kein „Oberlehrer“ sein, aber vielleicht auf bestimmte „gemeinnützige“ Verhaltensweisen von größeren Radlergruppen hinweisen, und zwar:

Wenn wir mit besagten 20 oder weniger Tandems neben der Straße Radwege nutzen, fahren wir aus verständlichen kommunikativen Gründen nicht nur hintereinander, sondern oft in Zweierformation auch nebeneinander. Auf landwirtschaftlichen Nebenwegen auch zu Dritt und zu Viert. Wenn nun entsprechender Gegenverkehr – warum fahren die hier? – uns berührt, dann ertönt in den vorderen Reihen ein wunderbarer Chor "VORNÄÄ", der sinnvollerweise die hinteren Reihen dazu anhalten soll, sich in die rechte Spur einzuordnen, um dem Gegenverkehr Platz zu machen. Während Ulrike, die sich eher vorne hält, sich schon über diesen allzu lauten Chor amüsiert, kommt in der hinteren Hälfte bei Ulli, der meistens Besenrad fährt, gar nichts mehr an. Unmittelbar vor ihm müssen die Tandems ganz plötzlich nach rechts einscheren, und zwingen damit die Dahinterfahrenden zur Vollbremsung. Wunderbar wäre es, wenn die lautstarke Nachricht von vorne, auch von den mittleren und hinteren Reihen in angemessener Frequenz und Lautstärke weitergegeben würde. So könnte das Einfädeln in die rechte Spur auf sicherem und letztendlich auch schnellstem Wege geschehen. Vice Versa bei Überholverkehr von hinten!

Wenn die Tour aus irgendeinem Grunde – man kennt im Tross den augenblicklichen Anlass nicht – halten muss, hat es sich eingebürgert, dass die „Tourenleitung“ von vielen Teilnehmern überholt und umzingelt wird. Wenn dann nach kürzerem oder längerem Stopp die Tour weitergehen könnte, muss das „Leitungsgespann“ oftmals kämpfen, um wieder die Spitze zu erreichen, damit es die Tour wieder leiten kann. Es wäre also Klasse, wenn die nachfolgenden Gespanne wirklich alle hinter der „Roten Warnweste“ anhalten oder zumindest eine Gasse bilden und nicht gleich losfahren, damit die Tourenleitung auch wieder die Führung übernehmen kann.

Einige Gespanne überholen auch gern die Tourenleitung, fahren dann weit voraus und müssen durch lautes Rufen zur Umkehr gebracht werden, wenn abgebogen werden soll. Zukünftig könnte es passieren, dass nicht mehr hinter solchen Gespannen hergerufen wird, sie müssen dann selbst sehen, wie sie die Gruppe wieder finden.

Ach ja, die etwas längeren Mittagspausen… das Startgeld soll kassiert werden. Man hat sich von seinem Tandem und Gepäck entfernt, natürlich ohne das Portemonnaie mitzunehmen (soll der Kassierer doch zweimal kommen), der Kassierer kommt, um das Startgeld von den Mitfahrern zu kassieren und hört oft den Satz: „Mein Startgeld ist aber noch im Rucksack. Wo mein Tandem steht, weiß ich auch nicht.“ Oder: „Musst Du jetzt kommen, wo ich gerade esse?“

Der Kassierer ist oft damit beschäftigt, die Gespanne auf einem großen Areal verstreut aufzufinden. Dadurch dauert das Kassieren meist schon so lange wie die gesamte Mittagspause und der Kassierer hat dann nicht wirklich Zeit, selbst etwas zu essen, während die anderen Kolleg/inn/en satt und ausgeruht wieder auf die Räder steigen können. Es sollte möglich sein, dass die Mitfahrer/innen zumindest das Startgeld dabei haben, damit man später nicht noch einmal herumgehen muss.

So manches Mal wird bei der Anmeldung zur Tour gefragt: „Wie lange wird die Tour dauern? Wann sind wir wieder am Ziel? Am frühen Abend habe ich noch etwas anderes vor.“

Normalerweise sollten wir zwischen 16:00 Uhr und 18:00 Uhr eine Tour beendet haben. Bei Fahrrädern – hier Tandems – weiß man aber leider nicht im voraus, wann und ob eine Panne bei so vielen Geräten passiert. Da müssen wir leider noch eine gewisse Karenzzeit einplanen. Deshalb sage ich: „Eigentlich so zwischen 16:00 Uhr und 18:00 Uhr; aber besser ist Open End“.

Das war es aus der Sicht eines Tourenwarts des Tandem-Club Weiße Speiche Hamburg e.V. Könnt Ihr meine Eindrücke nachempfinden, wenn Touren vorbereitet und abgewickelt werden?

Ich weiß, dass andere Fahrrad-Clubs die gleichen Probleme organisatorischer, disziplinärer und kommunikativer Art haben. Wir vom Tandem-Club sind da leider keine Ausnahme. Wenn aber alle Teilnehmer die vorgenannten Punkte nur ansatzweise berücksichtigen, radeln wir gemeinsam noch entspannter und stressfreier.

In diesem Sinne wünsche ich uns eine angenehme, erfolgreiche und unfallfreie Tandemsaison 2012 und verbleibe mit sportlichen Grüßen

Ulli Staniullo, Tourenwart des Tandem-Club Weiße Speiche Hamburg

Die Redaktion in eigener Sache!

Hinter diesem euphemistischen Ausdruck „die Redaktion“ verbarg sich ja bisher lediglich meine Wenigkeit (Ulrike). Das wird sich nun ändern, die Redaktion wird ihren Namen verdienen: wir haben erfolgreich Detlev Kahl als Chefredakteur gewonnen, Jan Klijn als Layouter! Die Beiträge für die nächste Ausgabe sendet Ihr daher bitte an Detlev Kahl, Marienhöhe 149, 25451 Quickborn, oder besser noch per Email an speichenspiegel@tandemclub.de.

Tourenplan 2012

Normale Touren

Anmeldung bei Ulli Staniullo, Tel. 831 64 01 oder 0160-98145245

Wenn Ulli nicht da ist, bei Anja Meister, Tel. 320 30 641

Auch wer sich als Tourenleiter für diese Touren melden möchte, ist unter diesen Nummern ein gern gehörter Anrufer!!!

 

  1. Sa. 31.03.2012   (Anradeln)
  2. So. 22.04.2012
  3. Sa. 12.05.2012
  4. So. 03.06.2012
  5. So. 24.06.2012
  6. Sa. 14.07.2012
  7. So. 05.08.2012   
  8. Sa. 25.08.2012
  9. So. 16.09.2012 
  10. Sa. 06.10.2012
  11. Sa. 20.10.2012  (Abradeln & Radputzen)

Literatouren

jeweils Mittwochs,  Anmeldung bei  Klaus Kurznack Tel. 59 50 26

 

  1. 11.04.2012
  2. 02.05.2012
  3. 23.05.2012
  4. 13.06.2012
  5. 04.07.2012
  6. 25.07.2012
  7. 15.08.2012
  8. 05.09.2012
  9. 26.09.2012
  10. 17.10.2012

100-er Touren

Anmeldung bei Ulrike Gös, Tel. 53 69 59 78 oder 0163-820 36 54

  1. Sa. 05.05.2012
  2. So. 17.06.2012
  3. So. 22.07.2012
  4. So. 09.09.2012

Hilfsbereite

Ein Mensch, auf seinem Weg, dem raschen,
sieht auf der Fahrbahn eine Flaschen,
die dort ein Unmensch unbekümmert
hat liegen lassen, wüst zertrümmert.
Der Mensch, bedenkend, daß die Scherben
leicht Radlern würden zum Verderben,
will, Nächstenpflicht nicht zu versäumen,
die Splitter still beiseite räumen.
Es war auch höchste Zeit zur Tat,
denn siehe da, ein Radler naht
und fährt, mißdeutend das Geschrei
des guten Menschen, stramm vorbei.
Dem Schlauch entfährt mit Knall die Luft.
"Ha!"schreit der Radler, Wart, Du Schuft,
Du Idiot, Dich will ich heißen,
Glasscherben auf die Fahrbahn schmeißen!"
Und eh den Sachverhalt er zeigt,
fühlt sich der Mensch schon ohrgefeigt.
Der Mensch, im weitern Lebenslauf,
hob nie mehr fremde Scherben auf.

Eugen Roth

aus dem Büchlein “Der letzte Mensch“

gefunden von Margret Staniullo

Impressum

Tandemclub Weiße Speiche e.V.

Kontaktdaten der Vereins: siehe Impressum und Kontaktseite der Webseite.

Der Speichenspiegel ist das Informationsorgan des Tandem-Club Weiße Speiche Hamburg e.V.

Anschrift der Redaktion:

Detlev Kahl
Marienhöhe 149
25451 Quickborn
Tel. 04106 67270
E-Mail: speichenspiegel@tandemclub.de

Umschlaggestaltung: Stephanie Kessler
Druck: Evangelische Stiftung Alsterdorf, Alsterpaper

Redaktionsschluss für die 22. Ausgabe ist der 1. Dezember 2012

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