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Einleitung

Diesen Text habe ich als Webmaster erstellt für unsere Mitglieder. Dies weil Mitglieder mir regelmäßig fragen, wo man in den Niederlanden Fahrradurlaub machen kann und wenn ja, wie dies ist.

Nun, die kurze Antwort ist: es gibt schöne Ecken. Die Niederlanden sind wunderschön zum Radeln. Es gibt eine sehr gute Infrastruktur und es gibt sehr viel zu sehen. Um den Text nicht zu lang zu machen, beschränke ich mich aufs Wichtigste.

Tolle touristischen Tipps für Radfahrer habe ich für euch auf einer zweiten Seite veröffentlicht.

Viel vergnügen beim Lesen.

Jan

Bewegweiserung

Es ist in den Niederlanden sehr einfach den richtigen Weg zu finden, weil es verschiedene Arten der Bewegweiserung gibt. Diese sind nicht als konkurrierent zu sehen, sondern als komplementär.

Normale Wegweiser (rot)

Normale Wegweiser stehen an vielen strategischen Kreuzungen. Sie sind weiß mit roter Schrift. In einigen touristischen Gebiete sind die Wegweiser auch mal in der Form eines Pilzes. Sie heißen auf Niederländisch dann auch "Paddestoel" (Pilz). Die Pilze sind weniger gut sichtbar. Im Gegensatz zu Deutschland sind die Wegweiser in der Regel sehr gut, d.h. man kann davon ausgehen, dass die ganze Strecke bis zum Zielort klar und deutlich angegeben wird. Diese Wegweiser dienen dafür einen ziemlich direkten Weg in den Ort zu finden.

Grüne Wegweiser

Grüne Wegweiser sind wie die roten (s.o.), aber führen über eine grüne, schöne Strecke. Meistens sind sie etwas länger, aber nicht immer. Einige führen durch Parks. Am Abend oder in der Nacht möchte dort nicht jeder Fahren. Deshalb gibt es normalerweise immer eine Option: grüne Route oder die rote, sichere Route.

Notiz: ich halte Radeln in den Niederlanden sowie das Land selber grundsätzlich für sehr sicher. Wie Wahrscheinlichkeit in einem Überfall verwickelt zu geraten für niedrig.

Landelijke Fietsroutes (Fernradwege)

In den Niederlanden gibt es viele Fernradwege, die sogenannte LF-Routes (Landelijke Fietsroute). Sie haben immer eine Nummer und einen Name. Die von den Niederländer als beste Route gewählt wurde die Noordzeeroute (LF1) entlang dre Nordseeküste. Alle Routen gibt es in zwei Versionen: hin und zurück. Sie unterscheiden sich durch die Buchstaben a und b: LF1a und LF1b.

Mehr Information gibt es unter http://de.nederlandfietsland.nl/de/radfernwege. Die Routen können als Track für den GPS heruntergeladen werden under http://de.nederlandfietsland.nl/de/radfernwege/gps-tracks aber, die Routen sind sehr gut ausgeschildert. Wo die Routen laufen kann man auf der deutschsprachige Version der Website nicht sehen. Deshalb der Link zur Karte separat: http://www.nederlandfietsland.nl/lf-routes. Die Toures laufen großenteils über Wege, die auch von Rennradfahrern befahren werden können, es gibt jedoch auch große Abschnitte, für die Rennräder ungeeignet sind.

Knotenpunkte

Viele Radfahrer schwören inzwischen auf "Knooppunten", auf Deutsch "Knotenpunkte". Das System funktioniert wie folgt. Bevor du eine Fahrradtour machst, guckst du auf eine Knotenpunktkarte (siehe rechts für eine Kartenserie). Nehmen wir an, dass du von Vledder nach Diever fahren willst. Die Orte sind auf der Karte unten angegeben.

Ausschnitt von einer Knotenpunktkarte.

Quelle für das Bild: http://routeplanner.fietsersbond.nl/, Juni 2015.

Vledder ist der Ort links im Bild, Diever der Ort rechts. Direkt an Vledder liegt punkt 35, während Diever zwischen den Punkten 80 und 69 liegt. Dazwischen liegen mehrere Punkte, die - auf dieser Karte - mit dicken grünen Linien verbunden sind. Übrigens, die dicke rote Linie ist der Fernradweg LF9. Nun machst du folgendes: suche eine schöne Route von Knotenpunkt zu Knotenpunkt bis zum Ziel und schreib diese Punkte auf einem Zettel. In diesem Fall wähle ich folgende Route.

  • 35 (Start, Vledder)
  • 33
  • 37
  • 75
  • 80
  • Richtung 69 (Diever)
Bild von einem Knotenpunkt.

Nun die Raddtour selber. Zuerst must du zum Knotenpunkt 35 fahren. Das Bild hier zeigt zwar ein anderer Knotenpunkt (Nummer 47), aber so in etwa sieht so'n Knotenpunkt aus. Steht immer auf einer Kreuzung. Knotenpunkt 35 wird drei weiteren Knotenpunkten anzeigen: 24, 33 und 71 (vergleich Beispielkarte oben). Fahre Richtung 33 gemäß deiner Knotenpunktliste, die du gemacht hattest.

Schild Richtung Knotenpunkt 06.

Fahre nun immer den Schildern mit 33 hinterher. Das Foto links zeigt ein ähnliches Schild Richtung Knotenpunkt 06. Solche Schilder stehen an ziemlich vielen Kreuzungen. Wer deutsche Wegweiser kennt, wird sich wundern, wie viele Schilder dort stehen. Sich verirren ist schwierig.

Nach einiger Zeit kommst du automatisch bei Knotenpunkt 33 an. Hier zeigen Pfeile Richtung Knotenpunkt 31, 35 und 37 (siehe Beispielkarte oben). Kurz auf den eigenen Knotenpunktzettel nachschlagen: 37 ist der nächste. Also nun immer den Schildern 37 hinterher.

So fährst du immer weiter, bis du bei Nummer 80 bist. Vor dort aus folge den Schildern 69, aber nur bis zum Ortskern von Diever. Deshalb hatte ich oben "Richtung 69" auf den Zettel geschrieben. Angekommen!

Der Vorteil dieser Knotenpunkten: das System ist recht simpel, du brauchst nicht ständig abzusteigen (ein kurzer Blick auf den Zettel genügt) und die Knotenpunkte laufen großenteils über wunderbare Wege, meistensWege mit wenig oder gar kein Autoverkehr.

Notiz: wer keine Karte mit Knotenpunkten zur Hand hat: bei den meisten Knotenpunkten steht auch eine Tafel mit den umliegenden Knotenpunkten. So lange man eine Karte (ohne Knotenpuntke genügt) dabei hat, kannst du dir die nächsten drei vier Knotenpunkten spontan an der Tafel auswählen.

Das Knotenpunktensystem ist im ganzen Land vorhanden. Wer von zu Hause und ohne Karte schon planen will, kann die Online Karte vom Fietsersbond (niederländischer ADFC) verwenden. Dann bitte die Taste "LF en knooppunten" klicken, damit die angezeigt werden.


Gut zu wissen

Touristeninformation (VVV)

Eine Touristeninformation erkennt man am blau-weißem Schild VVV. Dies bedeutet "Vereniging voor Vreemdelingenverkeer" (Fremdenverein). So sind sie oft auch auf Karten eingemalt.

Fietspad

Das Schild hier ist ein offizielles Verkehrsschild in den Niederlanden. Ein "Fietspad" is een Fahrradweg der besonderen Art. Er gibt den Fahrradfahrer besondere Rechte. Erstens ist ein "Fietspad" kein Pflichtfahrradweg. Der Fahrradfahrer darf auch gerne auf der Fahrbahn fahren. Dies kann eventuell sogar sicherer sein, wenn ein "Fietspad" schmal oder sehr kurvig ist. Dies gibt Rennradfahrer den Vorteil nicht mit langsamen Radfahrern auf einem engen Fahrradweg zusammen zu fahren. Der zweite wichtige Vorteil ist, dass ein "Fietspad" grundsätzlich für motorisierten Verkehr, außer eBikes, verboten ist. Die Wege sind deshalb meistens ruhig und leise. In Bild ist noch mal extra ein Zusatzschild "Dus niet brommen" (nicht Moped fahren, "brommer"=moped) hinzugefügt. Eigentlich ist das Zusatzschild überflüssig.

Auch zu Zweit neben einander

In den Niederlanden ist es normal und erlaubt zu Zweit neben einander zu radeln. Natürlich gilt dabei der gute Verstand. Wenn auf einer engen Straße jemand entgegenkommt oder andere Radfahrer oder ein Autofahrer überholen möchte, lässt man die/den natürlich durch. Insbesondere bei Kindern ist es gut wenn die Eltern an der Außenseite fahren. Dies ist in den Niederlanden sehr akzeptiert. Bei kleinen Kindern kommt es auch regelmäßig vor, dass ein Autofahrer geduldig hinterher fährt bis endlich eine Stelle breit genug ist zum Überholen, weil man es dem betreuendem Elternteil den Stress nicht zumuten möchte.

Kinder auf dem Fahrrad

In den Niederlanden kann man sehr sicher radeln. Dies gilt auch für Kinder. Es ist kein Problem neben dem Kind zu radeln (siehe oben). Beispiel: mein Bruder fährt problemlos mit seiner kleinen vier-jährigen Tochter quer durch die Stadt Groningen. Die kleine fährt selber auf einem Kinderfahrrad, versteht sich.

Helm

Es gibt in den Niederlanden keine Helmpflicht. Getragen wird der Helm eigentlich nur von vielen (aber lange nicht alle) Rennradfahrer. Auch Kinder fahren normalerweise ohne Helm. Deutsche, die mit dem Fahrrad in den Niederlanden aufdem Fahrrad unterwegs sind, werden leicht als solches erkannt, weil die die einzigen mit Helm sind. Also: ruhig mal den Helm zu Hause lassen.

Die niederländische Polizei setzt bei der Sicherheit lieber auf "Chaos" und schmale Autostreifen. Dadurch müssen die Auto's langsamer und defensiver fahren. Das Land ist trotz mäßigem Helmbenutzung eins der sichersten Fahrradländer der Welt.

Fahrradkarten

Selber fahre ich in den Niederlanden immer mit Falk Fahrradkarten. Die gibt es in Maßstab 1:50 000 und enthaltet Knotenpunkten, LF-Routes sowie einige touristische Information. Sie sind überall in den Niederlanden zu kaufen, z.B. bei der touristeninformation (VVV) oder in der Nuchhandlung. In Hamburg hat Dr. Götze, Alstertor 14-18, immer einige, aber nicht all, auf Vorrat.

Eine gute Alternative sind die Karten von Toeristenbond ANWB (Touristenbund ANWB*). Die Karten zeigen nicht die beliebten Knopenpunkten und LF-Routen, haben dafür einen erheblichen Vorteil: die Straßen und Straßentypen sind viel besser sichtbar. Auf jedem Fall interessant für wen einfach auf Karte fahren möchte statt auf Knotenpunkte.

* Witziger Notiz: der Name ANWB steht für "Algemene Nederlandsche Wielrijders-Bond", auf Deutsch übersetzt: "Allgemeiner niederländischer Fahrradbund". Damals für Fahrradfahrer gedacht, mit der Zeit aber eher zu einem Bund für Autofahrer mutiert. Der Bund hat in etwa dieselbe Funktion wie in Deutschland der ADAC. Unzufriedene Fahrradfahrer haben dann irgendwann den ENFB ("echte Nederlandes Wielrijders-Bond") gegründet. Der ist inzwischen in "Fietsersbond" (auf Deutsch "Fahrradbund") umbenannt worden. Der Fietsersbond ist vergleichbar mit der Deutschen Organisation ADFC.